Nichts ertönt lieblicher

von Redaktion

Großartiges Benefizkonzert für die Garser Orgel, die aus dem letzten Loch pfeift

Gars – Wann hatte es in der Pfarrkirche Gars einmal ein Konzert mit annähernd hundert Sängern und Instrumentalisten gegeben? Bei der Einweihung der barocken Hillenprandt-Orgel im Jahr 1744 etwa? Wer mag es wissen. Jedenfalls war die heute renovierungsbedürftige Orgel Anlass für ein Benefizkonzert solcher Größe: Unter der Leitung von Korbinian Kebinger fanden sich die Kirchenchöre des Pfarrverbands mit Verstärkung aus Schnaitsee, der Kinder – und der Jugendchor und ein großes Blasorchester mit Bläserensemble zusammen und stellten ihr Können in den Dienst der Erneuerung des barocken Instruments.

Dabei gelangte die „Rohrauer Messe“ des zeitgenössischen Komponisten Shane Woodborne (*1963), Cellist der Camerata Salzburg, zur Aufführung. Die als Auftragswerk zum 200. Todestag von Michael Haydn entstandene Messe für vierstimmigen Chor und Blasorchester versprach ein besonderes Hörerlebnis und erfüllte diese Erwartung in vollem Umfang. Denn es zeigte sich, dass ein symphonisches Blasorchester im Verbund mit vierstimmigem Chor sehr wohl die musikalischen Botschaften, die das Ordinarium der Messe erfordert, hervorragend auszudrücken vermag: die Christusrufe des Kyrie, den Jubel des Gloria, den Lobpreis des Sanctus und den Dank für das Erlösungswerk im Agnus Dei.

Im Zusammenspiel von Vierstimmigkeit und den Passagen allein für die Frauenstimmen sowie durch die Tatsache, dass der abwechselnde Einsatz der Blasinstrumente mit ihren unterschiedlichen Klangfarben zahlreiche Ausdrucksmöglichkeiten bot, ergaben sich Hörerlebnisse, die das Publikum sichtlich in den Bann zogen.

Um die Messe herum gruppiert waren geistlicher Musik im weiteren Sinne zuzuordnende Werke aus verschiedenen Epochen. Eröffnet wurde das Konzert passend durch eine „Fanfare“ von Paul Dukas (1865-1935), arrangiert von Korbinian Kebinger: gravitätisch die Blechbläser, von strahlenden Oboentönen überlagert.

Klanglich nahtlos schloss sich ein barockes Magnificat von Johann Speth (1664-1719) an, dargeboten von Martin Kebinger an der Orgel. Eine „Bruckner-Etüde für das tiefe Blech“ von Enrique Crespo (*1941) des Bläserensembles wurde zu einer Parade für Posaune und Blech, die sich mit Trompeten und Hörnern wechselseitig Motive zuspielten um schließlich im Einklang zu enden.

Für „Gänsehautmomente“, so eine Besucherin, sorgte der A-cappella-Chorsatz „Coenantibus illis“ für sechsstimmigen Chor von Michael Haller (1840-1915). Zwei Auftritte des Kinder- und Jugendchors mit einem Loblied auf die Schöpfung von John Rutter (*1945) und einem Marienlied in der Maori-Sprache von Jean-Baptiste Pompallier (1701-1776) wurden mit besonderem Szenenapplaus bedacht.

Abgeschlossen wurde der musikalische Reigen durch das barocke Orgelwerk „Präludium et Fuga“ des Johann Casper Simon (1701-1776), womit die Orgel erneut Thema für den durch das Konzert führenden Pater Dr. Anton Dimpfmaier wurde: Er verstand es, fundiert und kurzweilig über die Kulturgeschichte der Orgel sowie über Baugeschichte und heutige Mängel der wertvollen Garser Orgel zu informieren. Leider stimme die barocke Inschrift über dem Orgelspieltisch „Nil suavius sonat“ – „Nichts ertönt lieblicher“ – nicht mehr, vielmehr pfeife die Orgel eher „aus dem letzten Loch“, merkte er unmissverständlich an.

Freilich hatte diesmal Organist Martin Kebinger durch kluge Registrierung verstanden, gerade diese traurige Tatsache die Konzertbesucher nicht merken zu lassen. Das begeisterte Publikum dankte allen Mitwirkenden und dem jungen Dirigenten mit stehenden Ovationen.

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