Klavierduo plus Klaviertrio

von Redaktion

Wasserburger Rathauskonzerte Bejubelter Abend mit Anna und Ines Walachowski sowie dem Klaviertrio Würzburg

Wasserburg – Das jüngste Wasserburger Rathauskonzert brachte Musiker sozusagen im Doppelpack aufs Podium: Klavierduo plus Klaviertrio. Die Schwestern Anna und Ines Walachowski sowie das Klaviertrio Würzburg mit Katharina Cording (Violine), Peer-Christoph Pulc (Violoncello) und Karla-Maria Cording bildeten also eine Truppe von drei Pianistinnen, einer Geigerin und dem Herrn am Cello. Was spielt man da?

Ein gewichtiger Teil des Programms bestand aus Bearbeitungen. Los ging’s gleich in einer „veganen“ Fassung von Schuberts „Unvollendeter“: Klavier vierhändig mit Violine und Cello. Das klang dann doch etwas ausgedünnt, auch wenn noch so delikat musiziert wurde. Die h-Moll-Symphonie lebt ja nicht von musikantischem Figurenwerk, das sich in kammermusikalische Quirligkeit umsetzen ließe, sondern verzaubert durch einen sanften, aber unerbittlichen Klangstrom, der immer wieder gestaut, eine unfassbare innere Spannung aufbaut. Dazu braucht man dann eben zur Optimierung Tutti-Streicher und Bläser.

Sergej Rachmaninows „Romance und Valse“ erklangen sechshändig am Klavier. Aber das ist Original: der Komponist schrieb diese sentimentgeladen-virtuosen Petitessen für den familiären Hausgebrauch. Man hatte das Gefühl, Tschechows „Drei Schwestern“ säßen im düsteren Salon am Flügel. Deren Psyche wäre es sicher besser ergangen, wenn sie so perfekt und beseelt Klavier spielen hätten können wie die Schwestern Walachowski und Karla-Maria Cording! Mit zwei „Slawischen Tänzen“ von Antonin Dvorak (nur) zu vier Händen ging’s wieder an die „frische Luft“ – und in die Pause.

Als die Pianistinnen dann zu Dritt auftraten, um Mozarts Ouvertüre zu „Figaros Hochzeit“ wirbeln zu lassen, gähnten reihenweise leere Stühle: Ein Teil des Publikums hatte im hauseigenen Lokal bei Prosecco und Orangensaft einfach den Beginn der zweiten Halbzeit nicht mitbekommen. In Scharen strömten die Säumigen grade noch zu Schuberts himmlischem „Notturno“ für Klaviertrio rechtzeitig in den Saal. Gäb’s da nicht praktische Abhilfe? Es müssen ja nicht gleich Alphornbläser sein…

Schuberts kurzes, aber unendlich schönes und substantielles „Notturno“ bot nun dem Klaviertrio Würzburg Gelegenheit mit feinem Ton, sanftem Strich und doch bohrender Intensität eine rundum gelungene Interpretation abzuliefern. Nebenbei: Die beiden Streicher, Katharina Cording und Peer-Christoph Pulc, waren unverzichtbare Mitstreiter, denn der weiche, elastische Klang von Violine und Cello boten dem grundsätzlich „perkussiven“ Instrument Klavier Paroli. Freilich wussten die Pianistinnen, wenn’s nottat, die Tasten mit Sammetpfötchen zu streicheln.

Finale mit Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 1 c-Moll! Das 15-jährige Wunderkind hatte mit virtuosem Elan das Orchester erobert: Felix beherrschte einfach alles – die Instrumentation, die Form, ansprechende Melodik und umtriebiges „Con Brio“.

Da ließ auch die Reduktion auf wenige Instrumente keine Defizite erkennen. Musizierfreudig und mit offensiver Ausgelassenheit meisterten das Klavierduo und die Streicher dieses fetzige, lebensfrohe (trotz c-Moll!) Opus. Riesenbeifall gab es, Blumen und zwei Zugaben.

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