Waldkraiburg – Bekannte Schauspieler aus Fernsehen und Theater traten am Samstag im Waldkraiburger Haus der Kultur auf. Das achtköpfige Ensemble um Horst Jansen (84) und Marianne Rogée (83) zeigte „Hinter dem Horizont, dann links!“ Gut besucht war der Große Saal der Kulturstätte.
Sechs Menschen wohnen in einem Altenheim. Holzkisten mit Türen zeigen die einzelnen Zimmer an. Eine Aussicht in den Park wird angedeutet, richtig erkennen lässt sich dieser jedoch nicht. Der Alltag ist trostlos und fremdbestimmt. Niemand wird mehr von seinen Kindern und der Gesellschaft gewollt.
Annegret Simons Sohn bringt seine Mutter in diese Residenz. Er hat eine neue Stelle in New York – bei der UNO – und könne die Mama unmöglich mitnehmen. Das Versprechen täglicher Anrufe hält er nicht ein. Bewegungstherapie ist nun Pflicht, Regeln setzt Schwester Amelie drakonisch um. Eine Partie Schach gilt es daher kurz vor Schluss abzubrechen. Die Schwester tanzt hingegen Tango durch den Aufenthaltsraum – nachts mit ihrem Verehrer.
Die erste Hälfte des Stücks führt in diesen tristen Alltag ein. Spannend wird es erst in der zweiten Hälfte: Der Rentnertrupp entführt auf einem Rundflug kurz entschlossen das Flugzeug, um am Mittelmeer den Sonnenuntergang zu erleben. Horst Jansen ruft als Rädelsführer Josef Tiedgen zu Demokratie und Mitbestimmung auf. „Sie können mich hier nicht gegen meinen Willen festhalten“, beschwert sich Schwester Amelie und erkennt sofort das Problem der Senioren im Heim. Jetzt nutzt Marianne Rogée als Annegret Simon die Position ihres Sohnes und bietet sich als Geisel an. So gelingt es, das Flugzeug aufzutanken und den Weg zum Mittelmeer fortzusetzen.
Die Schauspieler haben mit der langatmigen Einstimmung nicht alle aus ihrem Publikum gefesselt. Die zweite Hälfte lebt von lediglich zwei Bildern: Dem Flugzeuginneren und Bänken am Strand. Die Szene am Flughafen wird inszeniert, in dem die Senioren diese am Strand noch einmal nachspielen. Jetzt leben sie auf, drängeln sich darum, wer die Pointen erzählen darf. Auch der junge Pilot freut sich über den geglückten Coup.
Endlich haben die sechs Schauspieler zwischen 75 und 85 Jahren ihr Publikum gefesselt. Margarete steht aus ihrem Rollstuhl auf und beginnt zu sprechen. Herrn Stronz fallen immer mehr Witze ein.
Doch nicht alle Symbolik – von den Holzkisten über den nächtlichen Tanz bis zur Demokratieforderung – ist als solche zu erkennen. Komik und Dramatik verbinden die Schauspieler oft unglücklich. Das Aufleben der Alten am Meer wird hingegen zum wahren Vergnügen. Besonders die 83-jährige Marianne Rogée glänzt in der Szene als Geisel mit ihrem überzeugenden Schauspieltalent. Das Stück hat seine Zuschauer mit einem Tabuthema konfrontiert: die Jüngeren zum Nachdenken und Bessermachen animiert, die Älteren zum Auseinandersetzen mit Wahrheiten.