Wasserburg – Neuere Ölmalerei und Aquarelle von Willy Reichert stehen derzeit in der Ausstellung „Stadt, Land, Kunst“ im Mittelpunkt. Der Wasserburger Maler zeigt Stadtpanoramen und Landschaftsansichten mit Motiven, in denen sich das subjektive Erleben des Künstlers widerspiegelt.
Einst stand „Stadt, Land, Fluss“ für ein beliebtes Quiz. Stift, Papier und Wissen reichten zum Spielen. Mit Google und Social Media aber geriet es in Vergessenheit. Willy Reichert lässt das Wissensspiel zumindest künstlerisch wiederaufleben. Denn seine neue Ausstellung „Stadt, Land, Kunst“ hält für die Besucher einige Rätsel bereit, die es zu lösen gilt. Nicht immer führen die Bildtitel gleich an den richtigen Ort des jeweiligen Motivs. Wer aber einmal dort gewesen ist, erkennt anhand markanter Fixpunkte unschwer die gemalten Städte, Landschaften und Gewässer. Sie finden sich in der näheren Umgebung und auch auf anderen Kontinenten. Es gibt Motive aus München, Wasserburg und Salzburg, aber auch den Chiemsee und die Hudson- Mündung vor der Silhouette Manhattans zu entdecken.
Stilistisch vereinen sich in Reicherts Gemälden Klassizismus, Impressionismus und Realismus elegant zu einer Neoromantik, die in Licht und Stimmung an die Kunst von William Turner erinnert. Die Landschaftsbilder zeigen die frühmorgendliche Stille am Chiemsee oder die spirituelle Atmosphäre rund um Kloster Seeon. Es sind Sehnsuchtsorte im Chiemgau, die heitere Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Schloss Hohenaschau und der Haager Schlossturm tauchen aus Nebelschwaden auf. Vom Mönchsberg aus schweift der Blick des Betrachters über die Salzach zur Feste Hohensalzburg. Und auch München ist trotz seiner ätherischen Verschleierung durch die beiden Türme der spätgotischen Frauenkirche auf Anhieb zu erkennen.
Als Ausstellung lässt sich in „Stadt, Land, Kunst“ die traditionelle Vedutenmalerei in einer neuen, zeitgenössischen Form erleben. Die meist großformatigen Gemälde führen in eine stimmungsvolle Bilderwelt, die an die Grenzen der Entmaterialisierung geht.
Willy Reichert, Jahrgang 1937, stammt ursprünglich aus München. Beinahe sechs Jahrzehnte ist Wasserburg sein Lebensmittelpunkt. Er ist Gründungsmitglied der Wasserburger Künstlergemeinschaft Arbeitskreis 68 und hat die dortige Kunstszene maßgeblich geprägt.