So klingt der Süden der USA

von Redaktion

Sechstes American Cajun, Blues and Zydeco Festival im Haus der Kultur

Waldkraiburg – Gut besucht war in Waldkraiburg das sechste American Cajun, Blues and Zydeco Festival. Für Gäste, die zeitlich knapp anreisten, war es schwierig, noch einen Platz an den Bistrotischen zu finden. Der kleine Saal des Hauses der Kultur war entsprechend eingerichtet worden.

Los geht es mit Michael Juan Nunez. Er kommt mit Gitarre und vertritt den Blues an dem Abend. Traurig sind seine Stücke. Ruhig geht er den Weg durch die Kompositionen an, stampft den Rhythmus seiner dennoch stets schreitenden Musik. Die Zuschauer genießen teilweise mit geschlossenen Augen den Sound seiner akustischen Gitarre und den metallenen Klang der Resonatorgitarre sowie dem Gesang.

Kaugummi kauend macht der Amerikaner seine Musik für eher sich selbst denn für sein Publikum. Er könnte genauso gut in seinem Wohnzimmer spielen oder als Straßenmusiker in irgendeiner Innenstadt. Doch gerade damit fesselt er seine Gäste. Leider fällt die Stimmung, als Marshal Baker mit Violine mit einsteigt. Gleich einem hilflosen Jungen steht er auf der Bühne, kommt nicht in die Stücke hinein. Kurzerhand setzt sich Nunez auf den Lautsprecher direkt vor das Publikum. Rettet so seinen Auftritt. Doch Baker ist gut. Das zeigt er in seiner eigentlichen Band „Joe Hall and the Canecutters“. Fein und melodisch spielt er da, bringt seine Geige nahezu zum Singen. Hall glänzt mit unglaublich klarer und durchdringender Stimme. Sie gleicht einem Sprechgesang. Der Musiker stellt sein Akkordeon deutscher Bauweise vor. Die Unterschiede in den Musikstilen in den verschiedenen Gegenden von Louisiana erklärt er. Und das Publikum erkennt, dass dieses riesige Land USA durchzogen ist von kleinen kulturellen Besonderheiten. Afrikanisch-europäisch sei seine Musik inspiriert. Französische und spanische Einflüsse sind zu erkennen.

In den hinteren Reihen beginnen die Zuschauer zu tanzen. Von der ruhigen, melancholischen Anfangsstimmung steigert sich der Abend zu einem wahren Fest. Schwierig, nicht mitzuwippen und mitzuklatschen. Die stets schreitende Musik reißt einfach mit.

Besonders Dwight Carrier weiß, sein Publikum zu begeistern. Schon sein Auftritt gleicht dem eines Showmasters: Seine Band spielt, während der Akkordeon-Spieler im Rhythmus die Hüften schwingend auf die Bühne schreitet. Doch nicht jedem gefällt die Aufforderung „Come on and lift your ass“ (Komm und hebe deinen Hintern). Manche im Publikum empfinden es als unhöflich, wenngleich Carriers es stets mit einem Lachen sagt.

Herausragend ist noch Ruben Moreno am Waschbrett zu nennen. Erstaunlich, was aus solch einem einfachen Instrument herauszuholen ist. Moreno und Carrier übertreffen sich in den Rollen als dominierende Musiker der Band gegenseitig. Schließlich stehen alle neun Musiker des Abends auf der Bühne, spielen gemeinsam und feiern mit dem Publikum.

Die ausdauernde Melodie aus Carriers Akkordeon verweilt noch auf dem Nach-Hause-Weg im Ohr, und dennoch ist der ein oder andere beseelt von der ruhigen Stimmung von Gitarrist Nunez.

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