Waldkraiburg – Was den Wienern das Neujahrskonzert mit ihren Philharmonikern im Musikvereinssaal, das ist das Neujahrskonzert im Großen Saal des Hauses der Kultur für Waldkraiburg und Umgebung, diesmal mit dem Johann-Strauß-Orchester Budapest. Dass man damit einen guten Griff getan hatte, bewies das Orchester gleich mit der Ouvertüre aus dem „Barbier von Sevilla“ im ersten Teil, der Gioacchino Rossini gewidmet war.
Gedämpft und nuanciert der Beginn, der sich bis zum lebhaften Allegro steigerte. Unterhaltsam anschließend Josè Montero, spanischer Tenor und an vielen Opernhäusern zu Hause, der trällernd durchs Parkett marschierend seine Arie aus „Figaros Hochzeit“ temperamentvoll vortrug: „Ah, bravo, Figaro, bravo, bravissimo, was für ein Leben, was für Vergnügen!“
Diese Heiterkeit übertrug sich spontan auf das Publikum, wurde aufgenommen von Mezzo-Sopranistin Rita- Lucia Schneider in ihrer Kavatine „Una voce poco fa“ und war auch in der einfallsreichen Ouvertüre zu „Semiramide“ zu spüren, welche das Orchester mit Leichtigkeit und Präzision vortrug.
Dies war sicher vom ersten bis zum letzten Stück des Abends der Dirigentin Elisabeth Attl zu verdanken. Die Wienerin führte ihre Musikerinnen und Musiker zackig durch Märsche und Polkas, aber auch schwungvoll und sanft durch Stücke wie „Bel raggio lusingher“, dargeboten von Sopranistin Elke Kottmair, der nicht nur Koloraturen in hohen Tonlagen hervorragend gelangen, die aber gerade auch bei zarten, leisen Passagen brillierte. Geschickt wurden ebenso Kontrapunkte im Programm gesetzt. So folgte auf die Kavatine vom Liebesterror der Isabella aus der „Italienerin in Algier“ das Katzenduett mit seinem humoristischen Text, der nur aus verschiedenen Miau-Tönen besteht, dargeboten von der schnurrenden Elke Kottmair und dem übermütigen Josè Montero. Immer wieder verstand es zwischendurch die versierte Elisabeth Attl an das Publikum gewandt, mit ihrem natürlichen Charme kurze Anekdoten einzuflechten, so die, als Vater Strauß erfuhr, dass sein jüngster Sohn auch mit dem Komponieren begann: „Jetzt will der Mistbua a no Walzer schreim!“
Beim Kaiserwalzer aus der „Fledermaus“, der den zweiten Teil eröffnete, war im Publikum bereits ein leichtes Mitschwingen zu verspüren. Richtig heimisch wurde es sicher für das Orchester bei Rita-Lucia Schneiders Csàrdas: „Klänge, wenn ich euch höre, zieht`s mich wieder zu dir, mein Ungarland.“ Tenor Montero wie auf den Leib geschneidert das kraftvolle Auftrittslied des Barinkay aus dem „Zigeunerbaron“: „Als flotter Geist hab ich die halbe Welt bereist“, bei der von den Saiteninstrumenten gezupften „Pizzicato-Polka“ jedoch herrschte lautlose Stille im vollen Saal.
Gefühlvolles Duett
des Grafenpaares
Recht gefühlvoll hingegen ging es zu beim Happy-end- Duett des Grafenpaars aus „Wiener Blut“, als beide schwärmen: „Ich bin ein echtes Wiener Blut!“ Ganz kess die Aufforderung der Dirigentin bei Eduard Strauß` Polka: „Wer tanzt – nun wirklich – mit?“, welche das Orchester mit Präzision und Humor bot. Wieder ganz in seinem Element Josè Moreno, als er – aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“ – die erste Geigerin mit seiner Arie anschmachtete: „Ach, wie so herrlich zu schaun, sind all die lieblichen Fraun“ und Elke Kottmair riskierte beim „Schwipslied“ mit Sektflasche in der Hand sogar einen schwankenden Treppenabstieg, um sich aus dem Publikum männliche Unterstützung zu holen. Wienerisch-schmissig ging`s weiter mit der Jockey-Polka, einer Hommage an den in Wien so beliebten professionellen Reitsport, und dem „Egyptischen Marsch“. Noch einmal im Terzett vereint die drei Gesangssolisten beim „Feuerstrom der Reben“, dem berühmten Champagner-Lied, ehe es zum Dreivierteltakt überging, dem „Donauwalzer“. Und bei dieser zündenden Musik, die österreichisch-ungarisches Flair bot und die noch einmal deutlich machte, wie gut sich Orchester und Dirigentin verstehen, gab es im Publikum kein Halten mehr. Nach den Neujahrswünschen Elisabeth Attls vor allem „zu viel guter Musik“ wurde mal laut, mal verhalten mitgeklatscht beim fröhlich-beschwingten und so gar nicht martialischen Radezky- Marsch. Der Lohn: stehende Ovationen.