Von alten Meistern inspiriert

von Redaktion

„modern vormodern“: Zeitgenössische Künstler verarbeiten vergangene Epochen

Waldkraiburg – Das Haus der Kultur in Waldkraiburg ist im weiten Umkreis bekannt für seine außergewöhnlichen Kunstausstellungen. Dies beweist allein die Tatsache, dass sich zur Vernissage neben den zahlreichen Besuchern auch Galeristen aus benachbarten Orten eingefunden hatten, um die neue Schau „modern vormodern“ zu begutachten.

Nicht weniger als sieben Künstlerinnen und Künstler hatten ihre Exponate zur Verfügung gestellt, drei von ihnen konnte Kulturreferentin Karin Bressel in der städtischen Galerie persönlich begrüßen. Sie sei „angenehm überrascht, dass zum Auftakt des neuen Jahres gleich eine so spannende, vielfältige Ausstellung mit besonderem Charakter zu sehen ist“.

Was ist nun alt, sozusagen vormodern, was gilt andererseits als neu? Wie reagieren heutige Künstler auf vergangene Epochen, wie verarbeiten sie sie? Darauf suchte Museumsleiterin Elke Keiper im aufschlussreichen Dialog mit den Ausstellern Claudia Wieser aus Berlin, Wolfgang Stehle aus München und dem Wahlberliner Florian Balze Antworten. Balze gestaltet und betreut die Sammlung verantwortlich als Kurator. Keiper verwies auf dessen Arbeiten, ursprünglich ganz auf die Moderne bezogen.

Doch nach einem Studium der Archäologie des Mittelalters faszinierten ihn zum Beispiel die Schnitzaltäre eines Tilmann Riemenschneider, so dass sein formales Interesse geweckt war und er beispielsweise aus einem Stück Lindenholz einen Faltenwurf zu arbeiten begann. Außerdem imponierten und inspirierten ihn die zwölf Drucke der original Holzschnittserie „Geometria et Perspectiva“ von Lorenz Stoer aus dem Jahr 1567, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind. Dessen verblüffend abstrakten geometrischen Formen fühlte sich Balze auf Anhieb verbunden.

Daneben stieß er auf einen Band mit 400 Zeichnungen geometrischer Darstellungen. „So gestaltete der Künstler seine Raumkörper Velkarno“, ergänzte Elke Keiper und schaffte damit den Übergang zu kleinen Elfenbeinobjekten aus der Renaissance, die Antje Majewski zu aufwendigen, fantastischen meterhohen Leinwand-Stelen verarbeitet hat und damit den umgekehrten Weg ging: Aus einer dreidimensionalen Vorlage entwickelte sie ein zweidimensionales Kunstwerk.

Wolfgang Stehle wiederum, bekannt für seine Zeichnungen und Videoarbeiten, präsentierte seinen Tisch mit einem Angebot für Material assoziierte Geschichten, die man selber interpretieren soll, so der Künstler. Er komponierte beispielsweise metallene Abfallstücke zu einem Ikebana ähnlichen Gewächs, baute aus geölten Nussbaumwürfelchen eine mittelalterliche Burgarchitektur und gestaltete in diffiziler Arbeit eine Intarsienkugel.

Sofort ins Auge fällt dem Besucher die raumfüllende Fotocollage geschickt kombinierter meist barocker Treppenhäuser, vor der Claudia Wieser drei vasenähnliche, gedrechselte Holzkörper postiert: „Ich stoße auf ein Material und das löst sofort etwas in mir aus“, so die Künstlerin.

Ähnlich sollte es dem Betrachter gehen, wenn er sich dieser überaus sehenswerten Ausstellung widmet.

Die Ausstellung ist bis zum 8. März in der Städtischen Galerie im Haus der Kultur zu sehen.

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