Wenn die Insel daheim ist

von Redaktion

Armin Stockerer und Christian Auer bieten im Haberkasten perfekten Austro-Pop

Mühldorf – Einfach einmal den ganzen Stress hinter sich lassen und sich auf und davon machen – wer träumt nicht davon? Wie so etwas funktioniert, das machten der Mühldorfer Armin Stockerer und Christian Auer dem Publikum im voll besetzten Mühldorfer Haberkasten vor. Der eine hatte Probleme mit seiner Ehefrau, den anderen suchte die Polizei. Also ging es ab in den Süden. Eigentlich – da ihnen aber Österreich so gut gefiel, unternahmen die beiden eine Rundreise durch die Alpenrepublik.

Beide Sänger waren „Reif für die Insel“, mit einem Klassiker von Peter Cornelius wurde zum Motto der Reise. Der erste Teil führte über Passau nach Linz. Die Übergänge überbrückten Stockerer und Auer, die von einer hervorragend Band (Gitarre, Bass und Schlagzeug) begleitet wurden, mit Sketchen, Tagebucheintragungen oder Witzen. „Irgendwann bleibi dann dort“, das Aussteigerlied von STS, vertiefte das Inselthema, dazu gab es passende Fotos gezeigt. „Du verstehst mi ned“ von Wolfgang Ambros thematisierte die gespielte Ehekrise von Armin Stockerer, während Falcos „Kommissar“ die Nöte des wegen angeblicher Drogenprobleme polizeilich gesuchten Christian Auer beinhaltete.

Die beiden Solisten waren passend gekleidet, Armin Stockerer in Jeans und Turnschuhen, ein graues T-Shirt unter einem offenen weißen Hemd tragend. Sonnenbrille, Hut und Rucksack ergänzten den optischen Eindruck Christian Auer trug zur Jeans braune Halbschuhe und ein sehr blumiges Hemd, ebenfalls eine Sonnenbrille und eine Mütze.

Das erste Etappenziel war bald erreicht, zum Lied von Rainhard Fendrich „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehn?“. In Wien gibt es einen der größten Friedhöfe Europas, auf dem viele bekannte österreichische Künstler begraben sind, unter anderem Ludwig van Beethoven, Hans Moser und Udo Jürgens. Dazu passend sangen beide: „Es lebe der Zentralfriedhof“ von Wolfgang Ambros. In Wien entspann sich zwischen den beiden Künstlern eine lustige Diskussion, ob es nun nach Süden, nach Slowenien oder Italien weitergehen solle. Inzwischen gefiel es ihnen aber in Österreich so gut, dass sie im Nachbarland bleiben wollten.

Finanzielle Probleme wurden mit einem „Banküberfall“ gelöst, die EAV ließ grüßen, ebenso wie beim „Märchenprinzen“. Dazwischen gönnte man sich eine Pause a la Peter Cornelius: „Der Kaffee ist fertig“. Da es in Österreich in den Kaffeehäusern ein vielfältiges Angebot an dem koffeinhaltigen Getränk gibt, trank Christian Auer einen „kleinen, braunen Einspänner, verlängert mit einer Wiener Melange“.

Nach der Pause folgte das etwas morbide Lied „Schick dich doch selber deiner Freundin in an Packerl“ von Ludwig Hirsch, die Geschichte vom „Schurlibua“, der selbigen Rat beherzigt. Als seine Freundin das gut verschnürte Paket, von sechs Postboten angeschleppt, nicht öffnen kann, rückt sie diesem mit Messer und Axt zu Leibe. Fazit: „Aus is mit dem Schurlibua“.

Von nun an stehen Lieder auf dem Programm, bei denen das Publikum mitsingt und –klatscht. „Es lebe der Sport“ von Rainhard Fendrich, den Text von „Skifahrn“ von Wolfgang Ambros kennt fast ein jeder. Mit „Fürstenfeld“ von STS ging es weiter. Ein Höhepunkt an dem an musikalischen Glanzlichtern nicht armen Abend war das Lied „Großvater“, bei dem Armin Stockerer die Stimmlage von STS-Sänger Gert Steinbäcker vollends traf. „Flamenco turistica“ von Stefanie Werger war ein einziges, dem breiten Publikum weniger bekanntes Lied. Umso populärer die „Strada del Sole“, ein Klassiker Fendrichs. Zum Abschluss folgten „Waunst amoi no so ham kummst“ von Seiler und Speer und „Für immer jung“ von Wolfgang Ambros. Dabei hat letzterer zusammen mit Andre Heller ein Lied von Bob Dylan ins Deutsche übersetzt.

Nun waren die beiden Touristen auch wieder in Deutschland zurück, Armin Stockerer versöhnte sich per Handy mit seiner Frau, Christian Auers Probleme lösten sich, weil der wahre Schuldige gestanden hatte.

Als Zugaben gab es „Zwickts mi“ von Wolfgang Ambros und Rainhard Fendrichs „Weilst a Herz hast wia a Bergwerk“. Das reichte dem restlos begeisterten Publikum noch nicht, es bekam ein Potpourri aus drei Liedern zum Mitsingen: „Fürstenfeld“, „Zwickts mi“ und „Skifoan“. Als immer noch nicht genug war, präsentierte Armin Stockerer „I am from Austria“ von Rainhard Fendrich, ein musikalischer Hochgenuss.

So endete ein unterhaltsamer Abend, an dem wieder einmal deutlich wurde, dass die Nachbarn aus der Alpenrepublik musikalisch einiges zu bieten haben. Mit dem einem oder anderem Ohrwurm ging es hinaus in die eiskalte Nacht.

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