Halsbach – Schon mehrfach haben die Halsbacher ihre vielbeachtete Passion aufgeführt. Als großes Schauspiel in der großen Halsbacher Kirche, als szenisches Oratorium für drei Soli, Chor und Orchester. Heuer wird es eine ökumenische Passion. Der evangelische Pfarrer aus Burgkirchen, Andreas Herden, mimt den Jesus, sein katholischer Amtskollege aus dem Pfarrverband Burgkirchen-Halsbach-Margarethenberg, Michael Brunn, wird als Johannes auftreten. Die Passion mit der Musik von Josef Myslivecek unter der Regie des Halsbachers Martin Winklbauer und der musikalischen Leitung des gebürtigen Halsbachers Alois Rottenaicher hat am Samstag, 28. März, um 19 Uhr in der katholischen Pfarrkirche St. Martin Premiere.
Unermessliche
Symbolkraft
„Für mich hat das eine Symbolkraft, die man noch gar nicht ermessen kann“, freut sich Martin Winklbauer, der bei der Halsbacher Passion nicht nur Regie führt, sondern als Judas auch eine wichtige Figur verkörpert. Der Bauer, Regisseur, Autor und Schauspieler ist aber nicht nur der Initiator der Halsbacher Passion, die seit dem Jahr 2000 aufgeführt wird. Er fungiert in seiner Heimatpfarrei auch als Pfarrgemeinderatsvorsitzender. In dieser Funktion hält er alle Fäden in der Hand. Zum Ensemble gehören die Solisten Heribert Haider (Petrus), Matthias Heubusch (Joseph von Arimathäa) und Ulrike Jöris (Magdalena), der 40-köpfige Halsbacher Theaterchor sowie ein 15-köpfiges Orchester aus Mitgliedern des AOV-Orchesters München. Den Chor und das Orchester leitet der ehemalige Musikpädagoge und Dirigent Alois Rottenaicher.
Für Winklbauer war es heuer eine einmalige Chance, die er sich nicht entgehen lassen wollte. „Und dann haben wir auch noch zwei Pfarrer, die gut miteinander können. Das muss auch persönlich passen.“ Schließlich müssen die Darsteller auf der Bühne in der neuromanischen Kirche harmonieren.
„Sehr bewegend“ empfindet Andreas Herden die Möglichkeit, Jesus auf der Bühne zu verkörpern. Seit seiner Konfirmation befasst sich der evangelische Pfarrer in der Nachbargemeinde Burgkirchen mit der Person des Heilands. Dennoch bedeutet die Rolle für ihn „eine Herausforderung“. Seit seiner Schulzeit stand der 52-Jährige nicht mehr auf der Bühne. Aber er freut sich auf die Rolle. Und er findet „es fantastisch, dass ein katholischer Kollege den Johannes spielt“.
Für Michael Brunn war von Anfang an klar, dass er der Passion positiv gegenübersteht. „Wir sind beide voller Neugier auf das, was uns erwartet“, sagt der katholische Geistliche. Und sein evangelischer Kollege ergänzt: „Wir werden auf einem geistlichen Weg gemeinsam unterwegs sein.“
Neugier auf das,
was Theater ausmacht
Doch neben der geistlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle steht für die beiden die Neugier auf das, was Theater ausmacht, im Mittelpunkt. „Da darf man auch Spaß haben“, unterstreicht Andreas Herden, und er freut sich, dass er Theaterluft schnuppern darf. Dass das auch noch zusammen mit den Darstellern des Landvolktheaters Halsbach, die Herden besonders bewundert, passiert, bedeutet ihm viel: „Das Mitspielen ist für mich ein Erlebnis und eine Ehre.“
Dennoch hatte sich der 52-Jährige erst einmal Bedenkzeit erbeten, als ihn Martin Winklbauer am Rande einer gemeinsamen Sitzung der Pfarrgemeinderäte und des Kirchenvorstandes gefragt hatte, ob er sich vorstellen kann, die Rolle des Jesus in der Passion zu übernehmen. „Ich habe es mir reiflich überlegt“, erzählt Herden – und sich dafür entschieden. Auch, weil er sich nach einem Gespräch mit Winklbauer und seinem katholischen Amtskollegen Brunn „eingebettet fühlt in ein kompetentes Team“.
Eine Einschätzung, die Pfarrer Martin Brunn teilt. „Für mich ist die Rolle des Johannes, die Martin Winklbauer fast als Evangelisten angelegt hat, unglaublich spannend.“ Die Beziehung, die zwischen Johannes und Jesus in der Halsbacher Passion angelegt ist, stellt für Brunn „einen besonderen Weg“ dar. Zuvor hat der 46-jährige Geistliche noch nie Theater gespielt. Auf der Bühne steht er aber gewissermaßen doch: „Das Agieren vor Publikum ist mir nicht fremd.“ Aber neu ist es eben als Johannes in der Halsbacher Passion.
Weitere Aufführungen stehen am Sonntag, 29. März, und am Freitag, 3. April, jeweils ab 19 Uhr, und am Sonntag, 5. April, ab 14 Uhr, an. Karten gibt es unter www.inn-salzach-ticket.de oder unter 08679/9130456.