Der Weg aus dem Nichts

von Redaktion

Michael Altinger spricht als „Rampensau ohne Bühne“ über seine Corona-Erfahrungen

Mühldorf – Michael Altinger machte den Auftakt der Veranstaltungen im Haberkasten nach Corona. In seinem Programm „Rampensau ohne Bühne“ liest Altinger aus seinem Corona-Tagebuch. Aus der Alltagslangeweile im Lockdown sprudelt Altingers Phantasie immer wieder über. Trostlos scheint seine Situation – zunächst. Altinger berichtet von Einkäufen beim Aldi, das Leben mit seiner Frau und die Hochbeete seiner Nachbarn. Ein Nachbar stalkt ihn am Altglascontainer.

Nur nicht
geschlagen geben

Doch Altinger gibt sich dem neuen Alltag nicht geschlagen. Immer wieder fantasiert er: Überglücklich nimmt er im Supermarkt einen Publikumspreis entgegen, sieht Fans seinen Garten stürmen.

Dann sitzt der Star doch wieder in seiner Küche, Ostereier und Masken signierend. Bata Ilic oder Annegret Kramp-Karrenbauer liest er daraus. Ohne Bühne und Zuschauer scheint der Kabarettist nichts zu sein. Auch Altingers Frau nimmt ihn nicht ernst. Die genähten Masken hat sie aus dem Stoff alter Bühnenhemden genäht. Ungetragene und damit seelenlose T-Shirts hätte sie nehmen sollen. Endlich kommen die Anrufe der Agentin wieder. Altinger sieht sich zurück auf der Bühne. Star-Allüren überkommen ihn: Champagner, Sushi und Masseur erwartet er in der Garderobe. Der Kontakt zum Publikum gelingt, wenn auch etwas mühsam. Das übliche Treiben in der Pause, die Geselligkeit eines solchen Abends, es fehlt. Für Auflockerung des Lockdown-Dramas des Stars sorgen Sarah Wiegand und der Gitarrist Andreas Rother. Als Bluemood-Duo spielen sie Pop und Jazz, bekannte wie unbekannte Stücke. Sanft entführt Wiegands Stimme in eine sorglose Welt.

Ein vertrautes Dreierteam befindet sich auf der Bühne. Und die Musiker gleichen die Gesangsversuche Altingers aus. Happy Birthday stimmt er an – die erotische Version von Marylin Monroe habe er beim Händewaschen stets geträllert. Nachbarn hätten ihn mit dem Original verwechselt. Doch keiner im Publikum glaubt es.

Keine Kritik an
den Maßnahmen

Die Zuschauer waren angemeldet, ihre Daten erfasst. Am Tisch durfte die Maske abgenommen werden. Getränke wurden serviert. Sorgfältig tastete sich der Veranstalter an den Abend heran. Vorsichtig wagte sich auch Altinger an das Corona-Thema. Keine Kritik an den Maßnahmen, kein Scherz über Verweigerer. Und doch, mit dieser Art der auflockernden Schilderungen der vergangenen Monate lässt sich Kabarett machen: eine Mischung aus privaten Berichten, fantastischen Übertreibungen und Alltagserfahrungen.

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