Normalität von Bayerisch bis Preußisch

von Redaktion

Liedermacherabend im Haus der Kultur trifft auf begeisterte und treue Zuschauer

Waldkraiburg – Liedermacherin Helga Brenninger war erfreut, denn mit Markus Frisch und Korbinian Lauxen aus Mühldorf, bekannt als Duo Frida, hatte sie einen guten Griff getan: Mit den ersten Tönen beim Liedermacherabend im Haus der Kultur in Waldkraiburg gingen deren harmonische Melodien ins Ohr und in die Beine. Sie boten Pop-Rock im O-Ton Süd, gesanglich gut aufeinander abgestimmt, unabhängig von der Lautstärke. Schnell ging das Publikum klatschend und sogar dreistimmig singend mit.

Brenninger in
ihrem Element

Helga Brenninger war von Anfang an in ihrem Element: Für sie sind alte Dinge, aber besonders auch alte Menschen emotional wertvoll und ihr fehlten in den letzten Monaten vor allem soziale Kontakte. So stimmt sie mit dumpfen Tönen den „Wolkenbruch“ an, in dem sie auf einer Wiese eine alte Frau beobachtet, die leicht verwirrt scheint, schließlich jedoch frei und gelöst wie ein Kind im Regen tanzt.

Wie immer schöpft Brenninger aus ihren Emotionen, die Lieder brennen auf ihrer bayerischen Seele. So heißt auch ihr drittes Album: „Herzbrenna“. Ihre Kompositionen sind geradlinig, die Texte berührend. Unbekümmert und mit Leichtigkeit trägt sie ihre Lieder vor.

Das Kontrastprogramm dazu war Ramon Bessel, der falsche Spanier, wie er sich vorstellte. Ironisch, scharfsinnig geht er zunächst auf Gmund am Tegernsee ein, wo er als „Wirtschaftsflüchtling“ aus dem Norden gelandet ist. Leider komme seine zweite Heimat an den Klang der Nachbarorte nicht heran, und so konfrontiert er seine Zuhörer mit dem Phänomen Reichtum rund um den Tegernsee. Dabei wechselt sein farbenreiches Klavierspiel vom Walzer hinüber zur Pop-Begleitung im Protestsong gegen SUVs.

Intensiver Kontakt zum Publikum

Als er „geheiratet wurde“, entstand sein Song von Sachen, die man zwar alleine machen könne, wie „E-Mails studieren oder Altglas sortieren“, doch Töne strömen nur, wenn eine Stimme sich an der anderen reibe.

Ein Wort sei Gott sei Dank durch Corona wieder in Mode gekommen und ihm widmet Bessel als letztes ein Loblied: die Normalität. Faszinierend dabei seine Mimik und der intensive Kontakt zum Publikum. fis

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