Waldkraiburg – Eine fast familiäre Atmosphäre herrschte in der Blackbox, als Annelies Brandstätter-Arnold, Waldkraiburgs „Harfenmutter“, wie sie oft genannt wird, die erwartungsvollen Zuhörer begrüßte. Und diese wohltuende Art behielt sie auch während des Konzerts bei, als sie zum Beispiel behutsam eingriff, um die Bedeutung der wichtigen Fußarbeit an der Harfe zu erklären, die sie ganz weiche Töne erklingen lässt.
Das Ensemble begann mit einem Stück auf den irischen Hochkönig Brian Boru aus dem Jahr 1014, das damals drei Tage lang dauerte. „Wir machen es etwas kürzer“, meinte Frau Brandstätter schmunzelnd. Mit einer Sonatine von J. L. Dussek gab Sophie Langwieder anschließend eine erste Probe ihres Könnens, bei der besonders das „Andante grazioso“ gefiel.
Stehende Ovationen
sind der größte Dank
Antonia Kapsegger an ihrer riesigen Konzertharfe – sie hatte wie auch Sophie vor zehn Jahren mit dem Harfenspiel begonnen – beeindruckte mit Hasselmans‘ sehr einfühlsam vorgetragener melancholischen Serenade, der Annabell Estermaier, Abiturientin aus Burghausen, die aus einer sehr musikalischen Familie stammt, kraftvoll einen Satz aus einer Sophia-Dussek-Sonate folgen ließ.
Wieder im Ensemble vereint, verleiteten die vier Harfenistinnen bei der ansteckend-tänzerischen „Habanera“ von Cortiz Manchen im Publikum zum Mitwippen. Den Komponisten hatte Frau Brandstätter sogar 1987 in Wien kennengelernt, wie sie erzählte. Bekannt geworden unter anderem durch seine „Epices“, Stücke, die Gewürze wie Vanille oder Paprika in Musik umsetzen, nahm sich Sophie die gekonnt vorgetragene „Muscade“ vor, der Antonia ihre „Crèpuscule“ mit raffiniertem halbseitigen Anschlag und damit einer härteren Variation folgen ließ.
Dem österreichischen Komponisten Paul Angerer widmete sich anschließend Annabell. Mit anschwellender Lautstärke und frisch-fröhlich brachte sie sein „Stück 17“ zu Gehör, das er für seine Tochter 1971 komponiert hatte.
Miteinander musizieren sie, beinahe wie siamesische Zwillinge verbunden, die Realschulabschluss-Schülerinnen Sophie und Antonia. Sie gaben als Harfenduo Stadlers Stück „Between Earth, Sea and Sky“ zum Besten. Die österreichische Komponistin ist auch bekannt durch ihre Jazz- und Improvisations-Projekte – und so schwebten die beiden jungen Harfenistinnen mit dem eigens für diesen Abend einstudierten Stück gleichsam zwischen Himmel und Erde.
Von der britischen Komponistin Rachel Portman servierte Sophie danach mit „Chocolat“ eine Kostprobe aus dem gleichnamigen Film, sowohl für Klavier wie auch für Harfe sehr gut spielbar. Ruhig und bewegt wurde es anschließend, als Antonia Hasselmans „Calme“ vortrug, für das wieder viel Bein- und Fußarbeit nötig war. Annabell läutete als letzte Solistin den Endteil des Konzerts mit „Harpiness“ ein. Den glänzenden Abschluss gestaltete das Ensemble mit einem flotten Halbwalzer, und schließlich folgte als treffender Schluss- akkord der Harfentrefflandler, komponiert von der „HarfenKlang“-Mama selber. Das Stück entstand aus einer musiktheoretischen Erklärung der Dreiklänge, wie sie selber verriet.
War es verwunderlich, dass es Standing Ovations und nicht enden wollenden Beifall gab, denn dies war wohl das letzte öffentliche Konzert, das die Künstlerin gegeben hat.
Annelies Brandstäter-Arnold ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Sie verstand es immer, den musikalischen Charakter ihrer Schüler einfühlsam zu prägen, Aufgewachsen in Kitzbühel, studierte sie in den 1970er-Jahren an der Musikhochschule Wien rhythmisch-musikalische Erziehung und bekam das Konzertdiplom und die staatliche Lehrbefähigung für Konzertharfe.
Nach einem zweijährigen Studienaufenthalt am „Conservatoire“ in Paris erhielt sie Lehraufträge an der heutigen Musikhochschule Stella Vorarlberg und der Liechtensteinischen Musikschule Vaduz. Sie bezeichnet diese Jahre heute noch als „Pionierarbeit rund um das Harfenspiel“.
Daneben profilierte sie sich als langjährige Mitarbeiterin im Tiroler Kulturservice und im österreichischen Schulprojekt „Mir allen Sinnen“, was an verschiedenen Harfen erprobt werden konnte. Ab 1999 übernahm sie für vier Jahre den Harfenunterricht an der Staatlichen Berufsfachschule für Musik in Altötting, war Jurorin bei verschiedenen Musikwettbewerben und jährlich Referentin bei den Vorarlberger Harfentagen.
Seit 1999 lebt sie in Waldkraiburg, ist an der Konrad von Parzham-Schule in Altötting tätig und seither als freiberufliche Harfenistin sowohl solistisch und kammermusikalisch wie auch im Orchester tätig.
Sehr gerne erinnert sich gerade das heimische Publikum an das Duo „Crem-balumArpa“ mit Annelies Brandstätter und ihrem Mann Günther Arnold, wenn sie mit Harfe und Maultrommel ihre Zuhörer erfreuten.