Mühldorf – Das Programm „ganz einfach“ ist bereits zwei Jahre alt – und doch noch immer aktuell. Wahrscheinlich findet es mit der Zeit sogar noch mehr Anklang. Martina Schwarzmann beginnt ihr Programm mit dem Home Schooling ihrer Kinder während der Corona-Krise. Inzwischen ist die Erholung davon so weit fortgeschritten, dass nun auch immer mehr betroffene Eltern darüber lachen können.
„Was bist du denn für eine blöde Sau?“, fragte sich die Künstlerin und Mutter bei der Betreuung der Hausaufgaben immer wieder. Um nicht andauernd schimpfen zu müssen, nahm sie eine CD für ihre Kinder auf, indem sie diese gescheit anschreit. Damit für sie Ruhe war, ging sie derweil hinaus. Sie nahm Lehrplankorrekturen vor und ging mit ihrem Nachwuchs an Halloween durch die Nachbarschaft, ausgerüstet mit einem Apfelbrocker: eine Stange mit stabilem Käscher, mit dem sich Obst von hohen Bäumen pflücken lässt. Nun zweckentfremdet für Süßigkeiten, „die niemals jemand für seine eigenen Kinder kaufen würde“, wie die Künstlerin mehrmals betont.
Schwarzmann wirkt wie eine biedere Lehrerin: schwarze Brille, die Haare streng zurückgesteckt und unauffälliges Oberteil. Lediglich der schwarz dominierende Rock zeigt einige Blumen. In dem Aufzug könnte sie aber auch vor interessierten Studenten auftreten, die einer angesehenen Hochschulprofessorin lauschen wollen. Aber dann plätschert kein komplexer Vortrag aus ihr heraus. Ganze Salven reinstes Bairisch, nahezu vulgär, ergießen sich aus ihr. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Kabarettistin berichtet über zweckentfremdete Slipeinlagen und Menstruationstassen, Anmachsprüchen von Schwaben, Beschwerdebriefen aus der Oberpfalz und Leuten, die vorm Supermarktbäcker hockend Bier trinken. Schwarzmanns Kinder essen übrigens wenig Fleisch, vorwiegend Reh, damit es die Bäume im Wald nicht fressen kann. So rettet die Familie das Klima. Das Publikum lacht, kichert, applaudiert.
Das Wetter spielt optimal mit: kein Regen, angenehme Kühle. So lässt sich das lange Programm gut aushalten. Kurzweilig ist der Abend. Nach der Pause wird es zwar doch noch etwas zäh. Oder wünscht sich das Publikum nur weiterhin so eine rasche Aneinanderreihung von Scherzen wie in der ersten Halbzeit? Nach einigen Minuten ist klar, dass es halt nun ruhiger weitergeht. Und schon sind die Gäste wieder gefangen, erkennen sich und ihre Mitmenschen in den Scherzen wieder. Der Applaus ist der Künstlerin sicher.
Ganz kurz wird es politisch, aber das Thema greift sie nicht weiter auf. Sie verkündet lediglich, dass sie mit ihrem Mädels-Stammtisch nicht darüber sprechen möchte und ihn daher meidet. „I bin so froh, dass i scho 45 bin“, singt sie stattdessen. Es folgt ein Liebeslied über ein Pony, dass auf die Straße äpfelt. Ein Country auf Deutsch mit amerikanisch gerolltem R. Schwarzmann kann also mehr als nur Bairisch. Jessica von Ahn