Mühldorf – Eigentlich wollte er erst im Herbst mit seinem neuen Programm starten, doch wenn Mühldorf ruft, dann steht er auf der Bühne: Django Asül. Pünktlich zum 25. Mühldorfer Sommerfestival brachte der beliebte Kabarettist sein Bühnenprogramm „Am Ende vorn“ in den Haberkasten-Innenhof und sorgte damit für jede Menge Spaß und Unterhaltung.
Seit über 25 Jahren ist Django Asül, der im echten Leben Ugur Bagislayici heißt, von den großen Bühnen nicht mehr wegzudenken. Die Liste seiner Auszeichnungen ist grandios. Darunter der Bayerische Verdienstorden, der Bayerische Kulturpreis und der Bayerische Kabarettpreis. Bei Django Asül kommen Freunde von Satire und schwarzem Humor voll und ganz auf ihre Kosten.
Wo bleibt Münchens Mühldorfer Tor?
So auch aktuell im Haberkasten, wo fast alle Tickets für seine Veranstaltung ausverkauft waren. Bereits zum Start seines zweistündigen Bühnenprogramms zeigte er sich schwer beeindruckt von der Schönheit und Geschichte Mühldorfs. So auch vom Münchener Tor. Dabei stellt er die interessante Frage: Warum gibt es eigentlich in München kein Mühldorfer Tor? Django Asül kennt die Antwort: Weil die Münchener sich das nicht leisten können.
Er nimmt sein Publikum auf eine geschichtliche Zeitreise zurück zu den Kelten und Römern bis hin in die Gegenwart mit. „Alle wollten Mühldorf haben. Die Stadt der Dichter und Denker“, so Django Asül. Doch eines haut ihn völlig aus den Socken. Kein einziger FC-Bayern-Fußballer kommt von hier!
Django Asül verschwendet keinen Gedanken an unwichtige Themen. Deshalb spricht er auch Missstände, und was so alles in der Gesellschaft schiefläuft, schonungslos offen und ehrlich an. „Was mich so wahnsinnig nervt, ist, dass heutzutage alle Menschen auf Konfrontation aus sind. Dabei ist ein friedliches Miteinander doch viel schöner“, sagt er und führt sogleich eine faszinierende Studie des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie zum Thema Schwarmintelligenz an.
Heuschrecken sind bessere Menschen
„Ein Schwarm Heuschrecken frisst so viel zusammen wie 35000 Menschen. Die Heuschrecken haben im Gegensatz zu den Menschen jedoch keinen Chef. Jeder ist für sich ein Individualist. Wenn die Heuschrecken merken: ‚Wir haben nicht mehr genug zu fressen und der Platz wird auch weniger‘, dann ziehen sie alle gemeinsam los und suchen sich einen besseren Platz“, setzt er fort. Und was tun die Menschen? Der Chef bestimmt und die anderen tun das, was ihnen gesagt wird, egal ob es richtig oder falsch ist.“
Tosenden Applaus erntet er vor allem von der Damenwelt, als er zum Thema Schwarmintelligenz großartige Vergleiche aufzeigt und sich sicher ist: Desto mehr Frauen in Führungspositionen sind, umso erfolgreicher ist ein Unternehmen. Solche Erkenntnisse und viele weitere, die im Laufe des Abends folgen, zeigen: Django Asül ist der geborene Frauenversteher. Dafür fliegen ihm die Herzen seiner weiblichen Fans zuhauf zu.
Auch das eigene Wohlbefinden ist enorm wichtig. So hat er schon lange erkannt, dass Stress und viel Arbeit krank machen. Deshalb hat er sein Leben komplett auf Stressvermeidung ausgelegt. Natürlich nimmt der humoristische Niederbayer sein Publikum auch mit in sein eigenes Leben. Die Zeit, als die Menschen ihn in seinem kleinen beschaulichen Heimatdörfchen fragten, warum er so dunkel ist und er antwortete „Ich bin ein Türk.“ Fragt man ihn heute, ist seine Antwort ganz klar: „Ich bin Niederbayer.“
Herrlich lustig wird es, als es um die Themen Pubertät und Midlife-Crisis geht, denn diese schweren Phasen des Lebens übersprang er komplett. Ein ganz großes Problem sieht er in der Entwicklung der Gesellschaft. „Die Menschen haben so eine kurze Zündschnur. Da sage ich mir immer, wenn die Gesellschaft dünnhäutig ist, dann sei du selbst dickhäutig.“ Ein weiser Rat, mit dem er selbst im Leben richtig gut zurechtkommt. Bei seinen lustigen Anekdoten aus seinem Leben bleibt kein Auge trocken. So zum Beispiel von seinem Urlaub in Sarajevo, wo einst bis auf die Zähne bewaffnete KFOR-Soldaten für Sicherheit sorgten. „Einer hatte keine Waffe. Da wusste ich sofort, das ist ein Deutscher“, erzählt er amüsiert. Dabei nimmt er die typisch deutschen Eigenschaften ordentlich auf die Schippe. Typisch Deutsche, für alles finden sie billige Ausreden. Und wenn jemand zum Märtyrer wird, dann hatte er schlichtweg eine schwere Kindheit.
Die Bühnenshow des erfolgreichen Kabarettisten zeichnet vor allem seine herrliche Bandbreite an Themen mitten aus dem Leben aus. Dabei geht es unter anderem um den Döner, der laut Django Asül zum deutschen Kulturgut zählt, seinen Kumpel Hans von seinem Stammtisch, sinnloses Intervallfasten, die Generation Z, die Leichtigkeit, mit der die Deutschen manipulierbar und einzuschüchtern sind, Familie, Männer und Frauen und vieles mehr.
Herrlich lustig wird es auch, als er von seinem geplanten Radlurlaub in Peru erzählt. Schließlich gibt es dort dank der Deutschen neue Radwege. Dabei haben die Peruaner nicht einmal ein Radl. Auch die Jugend wird ordentlich auf die Schippe genommen, wobei auch da, wie in allen anderen Themen, eine ganze Menge Wahrheit drinsteckt.
Tosender Applaus
am Ende der Show
Die guten alten Zeiten, die Django Asül selbst noch erlebte und in seinem Bühnenprogramm wieder aufleben lässt, machen sein Programm immer wieder zu einem echten Erlebnis. Dabei denkt mit Sicherheit der eine oder andere Besucher insgeheim: „Wie recht er doch hat.“
Am Ende seiner stimmungsgeladenen Bühnenshow gibt er allen noch wertvolle Tipps mit auf den Weg. So auch „Nehmt nicht alles für bare Münze und ignoriert die ganzen Blender.“
Nach zwei Stunden allerfeinster Satire wird der beliebte Kabarettist mit tosendem Applaus von seinem begeisterten Publikum verabschiedet. Er verspricht, wieder nach Mühldorf zu kommen. Bis dahin heißt es, Stress zu vermeiden und nicht alles ganz so ernst zu nehmen.