Erharting – Unter riesigen Bäumen liegt der Sommerkeller in Erharting an einem waldigen Hügel und gibt eine atemberaubende Aussicht auf das angrenzende Tal frei. Petrus, anscheinend auch ein Rockfan, hat perfektes Wetter bestellt und schon beschallen die ersten Töne des Saxofonisten begleitet von heißen E-Gitarrenklänge zum schnellen Rhythmus des Schlagzeugs das Publikum.
Die Musiker von Steinschlag sind seit September 1980 in der hiesigen Rockszene wohlbekannt. So sind im Publikum sehr viele Fans anzutreffen, die von Beginn an den Bierkrug im Takt mitschwingend begeistert mitsingen. Als besondere Überraschung treten auch noch ehemalige Bandmitglieder auf und performen ihre einst geschriebenen Songs.
Auch die Wirtin
ist ein echter Fan
Während die Mitglieder à la Rolling Stones die Bühne mit „Geh zum Badn“ auf die passende Musik von T.Rex „Get it on“ mit voller Inbrunst rocken, schwingt sogar die Wirtin Ingrid Schwab mit. Sie kennt die Musiker noch von früher. „Vor viereinhalb Jahren, zu meinem Einstand, hab ich gesagt, die kommen jetzt jedes Jahr“, erklärt sie und antwortet lachend auf die Frage, ob sie auch Fan sei: „Na klar, aber ich hab keine Zeit zum Tanzen.“ Denn sie bereitet höchstpersönlich in der Küche Köstlichkeiten wie Wurstsalat zu.
Mit ihrem schwungvollen Team werden die Gäste während der Veranstaltung mit bayrischen Schmankerln sowie einheimischen Bier aus dem Sommerkeller versorgt. Dieser hat eine 150-jährige Geschichte hinter sich, denn früher wurde Eis aus dem nahegelegenen Weiher zur Kühlung des Bieres in das Kellergewölbe gebracht. Wenn es der Winter zulässt, wird das auch heute noch, zusätzlich zur Kühlanlage, gemacht. Und dann „schmeckt das Bier ganz besonders“, betont ein Gast.
Während die Sonne langsam hinter grünen Kastanienblättern verschwindet und die sommerliche Hitze einer angenehmen Kühle weicht, tanzen und singen Klein und Groß zu den teils derben Liedtexten in Mundart. „Die sind wenigstens ehrlich“, lacht eine Besucherin und sagt: „Es ist super, ein lauer Sommerabend, blauer Himmel, das Ambiente.“ Ja, was will man mehr? Die zweite Band namens Midge’s Pocket!
Diese sind nicht zufällig als Partner für den heutigen Abend gebucht. Die jüngere Generation besteht nämlich zur Hälfte aus Johnny und Basti Schuhbeck, den Söhnen von Steinschlager- Schlagzeuger Sepp Schuhbeck. Zusammen mit ihrem neuen Keyboarder und dem Leadgitarristen rocken auch sie den Sommerkeller. Man merkt, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt. Die Jungs bringen eigene Songs und Cover in einer Professionalität und Kunstfertigkeit, sodass man den Wilden Westen des Rock ’n‘ Rolls der 1970er-Jahre direkt fühlen kann.
Doch dann passiert es! Die Hi-Hat als Teil des Schlagzeugs von Drummer und Multiinstrumentalist Basti Schuhbeck zerfällt in ihre Einzelteile. Die jungen Profis wissen sich aber schnell zu helfen – und bei den nächsten Liedern ist das Unglück vergessen, dank des tollen Sounds. Doch die Jungs von Midge’s Pocket spielen vielseitiger als nur Rock der 70er-Jahre. Drei Bandmitglieder treten auch in der Bluegrass-Band Johnny and the Yooahoos auf und performen für diese Musik an Instrumenten wie Banjo oder Mandoline.
Mit der älteren Generation Steinschlag harmonieren Midge’s Pocket perfekt und präsentieren sich gemeinsam in mehreren Jam-Sessions, die das Publikum von den Stühlen reißen. Da wird querbeet boarische Mundart, englische Rockklassiker und zum Abschluss Zugabe um Zugabe gespielt.
Spätestens bei „Marmor, Stein & Eisen bricht“ singen alle 300 Besucher lautstark mit, selbst Wirtin und Belegschaft werden zu Backgroundsängern. So geht wieder ein unvergessliches Open Airharting zu Ende, Mit Vorfreude auf das kommende Jahr.