Dem Mittelalter so nah

von Redaktion

„Der Bairische Aff“ ist der Höhepunkt des Kultursommers

Mühldorf – Kindliche Unbeschwertheit, tiefe Freundschaft und der Wunsch nach Frieden sind kostbare Werte. All das kann jedoch von machthungrigen, gierigen und intriganten Menschen jäh zerstört werden. Das mussten einst die Fürstenkinder Ludwig „der Baier“ und sein allerbester Kindheitsfreund Friedrich „der Schöne“ erleiden. Dabei hatten sie sich schon von klein auf geschworen „Niemals werden wir gegeneinander kämpfen“.

Die wunderbare und doch tragische Geschichte um die beiden Fürstenkinder begann im Jahr 1282. Dem Jahr, als Ludwig geboren wurde und ihn ein Affe entführte. Der Affe hatte nichts Schlechtes im Sinn – und so blieb er immer treu an der Seite des Fürstensohnes. Friedrich und Ludwig waren allerbeste Freunde. Sie sehnten sich nach Liebe und Freundschaft, doch ihre Mütter, im Erwachsenenalter ihre Ehefrauen, ihr Hofstaat und ihr Volk setzten sie jedoch massiv unter Druck. Sie hofften auf Wohlstand, Macht und Einfluss, wenn ihr Sohn, Ehemann und Anführer die Regentschaft übernehmen würde. Kämpfen, für das Wohl der anderen, doch innerlich waren sie zerrissen.

Kinder werden zu
Publikumslieblingen

Nach dem Ableben von Kaiser Heinrich VII. im Jahr 1313 entfachte schließlich ein bitterer Konkurrenzkampf um die Krone des Heiligen Römischen Reiches. Der Beginn von Unruhen, Kämpfen und dem Ziel der Herrschaftsgewalt. Aus tiefer Freundschaft wurde erbitterte Feindschaft. Der Höhepunkt dieser tragischen Geschichte fand im Jahr 1322 statt und ging als „Die Schlacht bei Mühldorf/ Ampfing“ in die Geschichte ein. Ein düsteres Kapitel in der Historie unserer Heimat, das aktuell im Haberkasten auf die Bühne gebracht wurde.

Der Innenhof eignete sich perfekt für das Mittelalterspektakel, denn die alten Mauern versprühen noch heute den Charme längst vergessener Zeiten. Vergessen wurde die Schlacht bei Mühldorf jedoch bis heute nicht, denn das zeigte auch die riesige Besucherzahl am Premierenwochenende von „Der Bairische Aff oder wie einer Kaiser wird“. Fast alle Tickets wurden verkauft.

Die Aufführung wurde von Marianne Zollner, Vorsitzende vom Kulturschupp´n Mühldorf, eröffnet. Hierbei begrüßte sie auch die Prominenz aus Politik und Wirtschaft, die Autoren Christopher Luber und Silvia Menzel, aus deren Feder das aktuelle Bühnenstück stammt, sowie den Mühldorfer Musiker und Komponisten Pit Holzapfel, der dem „Bairischen Aff“ den perfekten Rhythmus und die passende Melodie verlieh. Luber führte auch gemeinsam mit Mike Sobotka die Regie.

Den Start des etwa zweistündigen Bühnenstücks machten drei Sängerinnen mit dem Lied „Can You Feel The Love Tonight“ aus dem „König der Löwen“. Das Publikum erlebte in der Folge eine unvergessliche Zeitreise ins Mittelalter. Darunter die Kindheit der Fürstensöhne im Jahr 1314, als im römisch-deutschen Reich mit dem Wittelsbacher Ludwig und dem Habsburger Friedrich zwei Könige gewählt und gekrönt wurden, und endend 1322, als Ludwig die Schlacht bei Mühldorf gewann und sich somit als alleiniger König durchsetzen konnte.

30 Darsteller schlüpften in 60 Rollen und zeigten eine unglaubliche Verwandlungsfähigkeit. Sie spielten unter anderem Mägde, Knechte, Hofnarren, Bauernvolk, Geistliche, Herrscher und Krieger. Kinder wie Erwachsene standen auf der Bühne und sorgten mit ihren Darbietungen für große Begeisterung. Beeindruckend waren auch die aufwendigen Kostüme und Masken sowie das einzigartige Bühnenbild. Dazu gab es tolle Musik und Gesänge, die das Stück zeitweise in ein Musical verwandelten.

Zu den Publikumslieblingen zählten die kleinen Darsteller. Die neunjährige Klara Stockerer aus Mühldorf spielte den jungen Friedrich und der zwölfjährige Alexander Quaiser aus Altmühldorf schlüpfte in die Rolle von Ludwig „der Bayer“ als Kind. Grandios waren auch die beiden Mühldorfer Benedict Korbacher als erwachsener Ludwig „der Bayer“ und Lukas Eder als Friedrich „der Schöne“. Das Publikum spürte die Gefühlsachterbahn aus tiefer Verbundenheit, Zerrissenheit, Kampfgeist, Wut und Verzweiflung, welche Korbacher und Eder authentisch auf die Bühne brachten. Dabei bewiesen sie auch ihre komödiantische Seite. Humor und Tragik verschmelzen miteinander. Dabei wird schnell klar: Auch wenn all das vor mehr als 700 Jahren spielte, sind die Menschen heute noch genauso wie damals. Sie lernen nicht aus ihren Fehlern und prägen durch ihr Handeln den Charakter von Menschen und Tieren.

So wird einem wieder bewusst, dass Kinder wohl die allerbesten Regenten wären, denn sie wünschen sich eine Welt voller Frieden und Freundschaft. Am kommenden Wochenende kann man das sagenhafte Bühnenstück noch einmal erleben und dabei eine ganze Menge über die Geschichte Mühldorfs, wie auch über Menschlichkeit lernen. Aufführungstermine sind Freitag, 2. August, und Samstag, 3. August, jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es im Kulturbüro Mühldorf unter Telefon 08631/612612 oder E-Mail kulturbuero@muehldorf.de.

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