Fantastisch über Generationengrenzen hinweg

von Redaktion

Die Fanta 4 begeistern in Tüßling nicht nur die Fans der ersten Stunden und Jahre

Tüßling – Brav stehen sie auf der Bühne, die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Fast emotionslos reihen sie die Abkürzungen aneinander. Monoton heißt es „MfG – mit freundlichen Grüßen“. Smudo, Thomas D und Michi Beck lassen es beim Raiffeisensommer in Schloss Tüßling langsam angehen. Doch das klappt tatsächlich nur eine Nummer lang.

Denn bei Stück Nummer zwei fliegen bereits die Sportjacken der Fantastischen Vier über die Bühne. Das Publikum haben sie da längst schon auf ihrer Seite. Gestandene Familienväter und -mütter, die nur unwesentlich jünger als Smudo und Co. sind und die ihre Kinder mit dabei haben, um ihnen zu zeigen: Mit dieser Band sind wir groß geworden. Jetzt zeigen wir euch mal, was richtige Musik ist.

Zunächst zeigen sich die gerade mal volljährig gewordenen Sprösslinge skeptisch. Wenn die Ü50-Feier-Biester im ausverkauften Schlosspark zu „Troy“ mitgrölen, sind es gerümpfte Nasen und eindeutige Blicke zur ausflippenden Elternschar, die dem Papa und der Mama sagen sollen: „Mein Gott bist du peinlich!“ Die Jugend wartet also zunächst ab, hört den Liedern zu, deren Texte sie nicht kennen, und amüsieren sich dann doch darüber, wie die Jugend der 90er-Jahre ausflippt.

Grund dafür gibt es genug. Denn als die Fanta 4 um 20.45 Uhr pünktlich ihr Konzert starten, warten über 100 verdammt kurzweilige und intensive Minuten im Schlosspark. Mehrfachtäter, die die Fantas schon fünfmal und öfter gesehen haben, werden am Ende des Konzertes sagen: „Das beste Konzert, das ich je gesehen habe!“ Tatsächlich ist das nicht übertrieben. Das Quartett haut alles raus, was seit „Die da!“ im Jahr 1992 entstanden ist.

„Danke“ ist eine absolut ehrlich gemeinte Verneigung vor dem Publikum, das den Fantastischen Vier in den vergangenen Jahrzehnten die Treue gehalten hat. Bei „Sie ist weg!“ werden Jugenderinnerungen bei so manchem wach, auch wenn diese Jugend schon 30 Jahre und länger zurückliegt.

Die Jugend von heute wippt mit, man findet tatsächlich Gefallen an den Exoten auf der Bühne, die Lieder kennt man selbstverständlich vom Radio. Die Texte sind eingängig, die ersten 14- bis 16-Jährigen grölen mit im Chor, während die Eltern bereits die nächste Ausflipp-Stufe erreicht haben und fleißig, fast schon ekstatisch, mithüpfen.

Und die Fantas? Sind trotz ihrer 55 beziehungsweise 56 Jahre immer noch gut drauf, sie packen eine energiegeladene Show auf die Bühne. Michi und Thomas topfit, Smudo konditionell mit Nachholbedarf, doch er steht seinen Mann. Schließlich ist er der Smudo „und er gibt einen aus. Es ist der Smudo und er sieht gut aus. Es ist der Smudo und er ist gut drauf.“ Und das gilt auch noch nach über 30 Jahren auf der Bühne.

Irgendwann die Frage: Wird er es tun? Oder nicht? Natürlich stellt sich bei den Geburtsjahrgängen der 70er die Frage, ob Thomas D sein Shirt ausziehen wird, wenn „Krieger“ ertönt. Schließlich ist Thomas Dürr auch schon 55 Jahre und damit nicht mehr der Jüngste. Doch natürlich tut er es, präsentiert seinen durchtrainierten und tätowierten Körper – und vor allem die weiblichen Fans sind aus dem Häuschen. Absolut episch und immer noch eindrucksvoll, die Darbietung.

Zwischendrin dann natürlich eine Kostprobe des neuen Albums, das am 4. Oktober erscheinen wird. „Long Player“ heißt es, die Vier lassen dabei die vergangenen Jahrzehnte ihres Wirkens Revue passieren. „Vor 30 Jahren, als der Scheiß begann“, man trägt das T-Shirt von damals, hat das erste Cap im Schrank. Das machte Lust auf mehr. Keine Alt-Rapper, die da auf der Bühne stehen, sondern mit der Zeit gehen, sich anpassen, energiegeladen auftreten, auf jeden Fall aber neugierig machen auf „Long Player“.

Die Fantas wissen aber genau, dass die Leute in erster Linie wegen ihrer Top-Hits gekommen sind. Es geht Schlag auf Schlag, die Zeit vergeht schnell. Zu schnell. Und tatsächlich tun sie es: Quasi in der Nachspielzeit erklingt „Die da!“ Spätestens jetzt singen auch die jüngsten Kids im Schlosspark mit. Tausende Hände in der Höhe, der absolute Höhepunkt eines Wahnsinnskonzertes.

Und es sind so viele Botschaften, in den knapp 100 Minuten im Schlosspark. Nicht nur die Positionierung Smudos gegen rechts. „Wir ernten, was wir säen“, ist so ein Song, der unsterblich ist. Und einer, der sich wunderbar auf die Zuhörer übertragen lässt. Der Funke scheint zumindest übergesprungen zu sein, auf die Jugend im Schlosspark, die am Ende anerkennend feststellen musste: ein cooles Konzert. Vom peinlichen Papa war da schon längst keine Rede mehr.

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