Tüßling – Mit dem seit 2023 gespielten Programm „Comedian Rhapsody“ gelang es dem österreichischen Duo „Pizzera & Jaus“, das Publikum beim fast ausverkauften Auftritt im Schlosspark Tüßling zum Lachen, zum Mitsingen, zum Mitklatschen und auch zum Nachdenken zu bringen. Gute, anspruchsvolle Texte und das hervorragende musikalische und stimmliche Können als Musiker machten schnell deutlich, warum Paul Pizzera und Otto Jaus derzeit in Österreich zu den Top-Live-Performern gehören und überhaupt im deutschen Sprachraum längst die großen Hallen und Festivalgelände füllen.
Österreich, du hast es besser, möchte man den beiden zurufen: So viel Erfolg haben mit Musik im breiten Dialekt, so viele treue Fans, die, egal ob 17 oder 70 Jahre, jede Textzeile von jedem Titel problemlos mitsingen können – das alles ohne jede Silbereisen-, Gabalier- oder sonstige Schlagerpeinlichkeit oder gar Beliebigkeit. Das Duo bewegt sich in der Tradition von Wolfgang Ambros, Hubert von Goisern oder STS, ohne zu imitieren, immer auf einem eigenen Weg.
Und dieser Weg kam gut an beim Publikum: „Pizzera & Jaus“, ohne Unterstützung weiterer Bandmitglieder, schafften es, eine beeindruckende Show abzuliefern. Otto Jaus und Paul Pizzera, sind vor allem auch Musiker, die ihre Instrumente (Gitarre, Keyboard) erstklassig beherrschen, sie sind ihre eigene Band.
Mehr braucht es nicht, denn das, was die Instrumente nicht hergeben, das macht der Gesang. Alles ist perfekt aufeinander abgestimmt und doch wirkt es nicht übertrieben perfekt: Hier stehen zwei unwahrscheinlich lässige Typen auf der Bühne, die, man sah es am rinnenden Schweiß, zwar volle Leistung brachten, aber vor allem selbst immer richtig Spaß haben, an dem was sie tun – und von denen die Begeisterung des Publikums noch mit eigener Begeisterung wahrgenommen wird.
Duo braucht keine
Band im Rücken
Musikalisch kennen sie keine Grenzen. Ob als stimmige Singer-Songwriter mit perfekten Harmonien, ob Reggae-Klänge oder beinharter, lauter Rock: Man nimmt „Pizzera & Jaus“ dieses ständige Springen über musikalische Grenzen gerne ab, auch wenn sie Volksmusik anklingen lassen, jodeln oder zusammen mit dem erstklassigen A-cappella-Quartett „Das wird super“ für ein paar Sekunden Erinnerungen an einen Bergsteigerchor wach werden ließen.
Die Texte waren durchwegs stark, die Themenbreite groß. Wenn bei Jungen in der Pubertät nicht mehr das Sandmännchen, sondern der Bursche selbst mithilfe des „Handmännchens“ kommt, wenn dann aber auch in einem ganz besonders liebevollen Stück so viele Gründe gefunden werden, der Mutter ein Loblied zu singen. Wenn erklärt wird, dass auch Indianer Schmerz empfinden dürfen, dann steckt da viel Sinn dahinter, der in dieser Direktheit aber auch verstanden wurde. Denn das richtige Leben kam nicht zu kurz, es mischten sich Ernst und Spaß. Ein Zitat von Pizzera angesichts der politischen und globalen Herausforderungen lautete: „Man kann gar net so viel saufen, wie man speiben will.“
Und dieses Gefühl, dennoch weitermachen zu müssen, das packten sie am Ende zusammen mit „Das wird super“ in ihre ganz spezielle Version des berühmten Liedes der Freiheitskämpfer „Die Gedanken sind frei“, das sie mit eigenen Textzeilen gelungen ergänzt hatten und das in einem Meer aus Handylichtern für Kribbeln auf der Haut sorgte.
Am Ende gab es begeisterten Applaus im Schlosspark. Am liebsten hätten die Fans Otto Jaus und Paul Pizzera nicht von der Bühne gelassen, der drohende Wetterumschwung ließ aber keine andere Wahl. Aber noch bei der letzten Verbeugung versprachen beide: „Wir kommen wieder“, und dafür gab es auch eine gute Begründung: „Bayern und Österreicher, wir täten so gut z´sammpassn, wenn halt München und Wien nicht wären“.krb