Mühldorf – Noch ratschen viele der Zuschauer, da beginnt auch schon die Band zu spielen. Gleich darauf erscheint der Bandleader. Curtis Stigers braucht keine große Musik, die ihn einführt. Er gleicht einem Kumpel, der in seiner Heimatstadt auftritt. Doch der Amerikaner besucht Mühldorf zum ersten Mal.
Der Abend beginnt sehr jazzig, instrumental, ruhige Klänge. Bereits mit den ersten Stücken schweifen die Gedanken ab, es ist wie ein Baden in der Musik. Erst später wird es dynamischer. Durch Gesten zeigt Stigers an, wenn Schnipsen oder Klatschen angesagt ist. Der Künstler ist unglaublich publikumsnah, und er trifft auf ein begeistertes Publikum. Ein ganzer Fanclub ist angereist, textsicher singt er mit und applaudiert, wenn er nach den ersten Takten den Song erkennt.
Genügsam und ausgeglichen wirkt Stigers. Zu jedem Lied, das nicht aus seiner Feder stammt, erzählt er etwas über den Komponisten oder Texter, würdigt dessen Arbeit. Früh stellt er seine Band vor. Mühe hat er mit der Aussprache der Umlaute. So ein Mist, dass es gleich drei Orte betrifft: Mühldorf und die Wohnorte seiner Musiker, Duisburg und Köln.
Pianist Billy Test spielt zu Beginn viele Soli und erntet Applaus. Nach der Pause zeigen auch Cliff Schmitt am Kontrabass und Schlagzeuger Paul Wells ihr Talent. Immer wieder entsteht der Eindruck, Wells rastet an seinen Trommeln aus. Während andere Bands einen extra Saxofonisten engagieren, übernimmt Stigers das gleich mit. Sensationell ist sein Spiel auf dem Instrument.
Nach der Pause kommen die alten Hits: „I Wonder Why“ und „You’re All That Matters To Me“. Langsam und feinfühlig interpretiert Stigers sie inzwischen. Waren es früher die Feuerzeuge, die in den Händen über den Köpfen gehalten wurden, so schweben nun die Handys über dem Publikum. Recht schnulzig wird es, als Stigers die Soundtracks zum Film „Bodyguard“ und der Serie „Sons of Anarchy“ spielt.
Der Musiker berichtet von seinen Veränderungen um die Jahrtausendwende, als sein Sohn geboren wurde. Der Musiker wollte keine Songs mehr machen, die im Radio rauf und runter gespielt werden. Auftritte in Jazzclubs und weniger Geld zeichnen seitdem sein Leben aus. Am Ende lässt der humorvolle und bodenständige Musiker noch ausreichend Zeit, den lauen Sommerabend in einer Kneipe oder einem Café ausklingen zu lassen. ahn