Mühldorf – Wenn Kabarettist Michael Altinger mit seinem „Brettlboden“ auf die Bühne kommt, hat er jede Menge illustre Gäste im Schlepptau. Gleich drei Kabarett-Größen brachte er aktuell mit in den Haberkasten: Mäc Härder, Philipp Weber und Timo Wopp. Zudem zählt auch sein guter Freund und Gitarrist Andreas „Andy“ Rother zum allerwichtigsten Teil der Bühnenshow.
Rother verleiht mit seinem Gitarrensound der Show die perfekte musikalische Note, während Altinger zum Mikro greift und unter anderem mit seinen selbst geschriebenen Songtexten ordentlich für Stimmung sorgt.
Auch Kabarettisten spüren das Alter
Auch aktuell war Altingers „Brettlboden“ wieder restlos ausverkauft, denn wenn der Publikumsliebling nach Mühldorf kommt, bleibt kein Platz frei und kein Auge trocken. Den Start machte er am Abend mit etwas, das wohl manch einen nachdenklich machen müsste. „Die ganze Welt ist im Wandel. Wir leben in Zeiten, wo die Kinder ihre Eltern erziehen und Eltern von ihren Kindern gelobt werden müssen. Heute schleppen die Kinder ihre Eltern mit zu Taylor Swift oder Rock im Park. Früher war man froh, wenn die Eltern daheimblieben“, sagt Altinger und setzt alarmierend fort: „Heutzutage präsentieren die Kinder ihre Eltern wie Rassedackel.“
Schnell wird klar, dass früher doch vieles besser war und die Erziehungsmethoden heutzutage doch sehr fragwürdig sind. Auch ein Altinger spürt das Älterwerden, denn schließlich ist die Frohnatur schon Ü50 – und da liegt man abends früh im Bett. Mit Ausnahme, er steht in Mühldorf auf der Bühne und sorgt für jede Menge Spaß und Unterhaltung.
Sein erster Gast des Abends ist Mäc Härder. Mit seinem Programm „Wir haben nicht gegoogelt, wir haben überlegt“ nimmt er das Publikum mit auf eine amüsante Zeitreise. „Wir alle erinnern uns an Telefonhäuschen. Da hatten wir ein ganzes Haus für uns allein zum Telefonieren. Die Leute standen Schlange davor. Unser Telefonhäuschen war nicht Magentarot, sondern pissgelb und so roch es auch darin“, erinnert Härder an die gute alte Zeit.
Damals, als es noch das 1000 Seiten dicke Telefonbuch gab und meist die Seite rausgerissen war, die man dringend brauchte. Mit Kleingeld wurde das Münztelefon gefüttert. Und wenn die Münzen alle waren, beendete der Apparat das Gespräch.
Auch amüsante Geschichten von seiner 83-jährigen Tante, Senioren, Kindheitserinnerungen und der wahren Liebe hat er zuhauf. Natürlich bekommt auch die Politik ordentlich ihr Fett weg. Mit drei Bällen symbolisiert er die Ampelkoalition. Munter wirbelt Härder die drei Bälle durch die Luft und zeigt mit seinen herrlichen Geschichten dazu, was für ein Zirkus die Politik doch ist und wie sie alle nacheinander auf die Schnauze fallen.
Das Publikum ist begeistert und jubelt. Und so kommt auch Härder zu dem Ergebnis, dass früher tatsächlich vieles besser war, denn da fragte man nicht „Google“ um Rat, sondern traf seine Entscheidungen selbst.
Nach Härders buntem Programm kommt Altinger wieder auf die Bühne und erzählt heitere Geschichten über die Bundeswehr, seine Oma, wie es sich anfühlt, ein „Best-Ager“ zu sein, und singt über Getränke und den Sport. Schließlich dürfen Altingers Lieder bei seinem „Brettlboden“ nicht fehlen. Eine Expedition durch Fauna und Flora des Staatswesens gibt es schließlich mit Philipp Weber. Er gilt als „Speedy Gonzalez des Kabaretts“. Auch Webers Programm „Power to the Popel“ nimmt schonungslos das Versagen von Gesellschaft und Politik auf die Schippe. Dabei bekommen Bildung, Erziehung, Demokratiemüdigkeit, die rot-grüne Verbotskultur und das nervige Thema Gendern ordentlich ihr Fett weg. Echte Probleme, die man wohl nur mit Humor noch ertragen kann.
So ist auch Webers demokratiemüder Freund Herbert Teil seiner Show. Herbert ärgert sich vor allem über die unzähligen Verbote, Vorschriften und Gesetze, mit denen in Deutschland brave, rechtschaffene Bürger in Schach gehalten werden. Für Weber ist klar: Die meisten Entscheidungen im Leben sind nicht rational.
Der „Hannibal Lecter der Gemüsehobel“ nimmt sein Publikum auch mit in seine heimische Küche, denn Weber hat eine Obsession für Küchengeräte. Turboschnell mit rasantem Wortwitz sorgt er für jede Menge Lacher und schließt sich damit seinen Vorgängern an: Früher war tatsächlich vieles besser.
Dieser Meinung schließt sich auch Kabarettist Timo Wopp an, der mit seinem Auftritt zu den absoluten Höhepunkten des Abends zählt. Er hat Spaß, auf der Bühne zu stehen, und so auch mit seinem Publikum zu spielen. Er erzählt von seinem sechsmonatigen Aufenthalt in Kalifornien und wie er diese Zeit für sein kreatives Schaffen nutzte. Logisch, dass er da jede Menge Witze für seine Show schrieb. Seine Sprüche und Tricks sorgen immer wieder für große Begeisterung.
Publikum fühlt
sich gut unterhalten
So wirbelt er ein brennendes Streichholz durch die Luft und zündet sich damit ganz locker eine Zigarette an. Auch bei Wopps Programm „Ja Sorry!“ dreht sich natürlich alles um die Gesellschaft, Erziehung, Familie, interessante Thesen und was so alles in unserer Welt verkehrt läuft. So stellt er sich die Frage: „Ist ein Inuit, der in beide Richtungen geht, eigentlich bipolar?“ und kommt zu der Feststellung: „Eine stabile Familienfinanzierung sollte auf zwei Gehälter aufgebaut sein. Deshalb muss sich meine Frau noch einen zweiten Job suchen.“
Das Publikum liebt Wopps Humor und so sorgt er für einen Lacher nach dem anderen. Nach etwa zweieinhalb Stunden Spaß und Unterhaltung neigt sich Altingers „Brettlboden“ wieder dem Ende zu. Die Künstler wurden mit strahlenden Gesichtern und tosendem Applaus verabschiedet. Sie werden auf alle Fälle wieder nach Mühldorf auf die Bühne kommen.