Waldkraiburg – Seit 15 Jahren bestens bekannt als Mitglied der BR-Brettl-Spitzen, freute sich die Allrounderin Bianca Bachmann ganz besonders auf das Gastspiel mit ihrem eigenen Programm „Triebe“ im voll besetzten Saal des Hauses der Kultur. Und das begann sie im Glitzerhemd mit gezücktem, blutigem Schwert neben ihrem Leitplakat „Die folgende Geschichte ist inszeniert von wahren Begebenheiten“. Ohne Umschweife schilderte sie die Aufführung einer griechischen Tragödie, die jedoch vor der Metzgerzeile in Altötting endete. Dazu der Kommentar ihrer Schwiegermutter: „Wie kann man in solch blutrünstiger Geschichte mitwirken.“
Auf zur Rettung
der alten Dialekte
Mit dem anschließenden Lied vom Kasperl und dem Löwen bewies Bachmann nicht nur, dass sie Songs mit Text aus eigener Feder gut beherrscht: Auch stimmlich überzeugte sie mit erstaunlicher Klangfülle. So entführte sie ins Zelt eines afrikanischen Häuptlings, wo der Zauberer Olukolu ein krankes Kind heilen soll, dies jedoch die Großmutter mit deutscher Medizin schafft und der Hexenmeister im Käfig landet. Nachdem – unvermeidbar – ein Zuschauer namens Lehmann in der ersten Reihe mit einbezogen wurde, offenbarte sich Bachmann als Lehrerstochter mit „unkontrolliertem Zugang zum Besserwissen, ja zur Haarspalterei, die beinahe eine Identitätskrise hervorgerufen hätte“. Doch bei der folgenden Situation im Discounter war nichts mehr davon zu spüren: Die Kassierin stammte zwar von italienischen Gastarbeitern, hatte aber längst einen deutschen Pass, sprach perfekt Bayrisch, fiel aber an der Kasse immer wieder ins Italienische zurück.
So ganz auf Waldkraiburgs Situation zugeschnitten war Bachmanns Rolle als Kulturbeauftragte und Dialektbewahrerin, deren Großeltern aus Nordböhmen stammen und die sich fast sentimental darum bemüht, deren vom Aussterben bedrohte Sprache zu retten. In der Geschichte, als Peppi am Weihnachtsabend mit seinem Luftgewehr auf die Christbaumspitze zielt, zelebrierte Bachmann geradezu den Dialekt: „Da Bratwerschtl brutzln ei da Kiche, e Fahla hotte sich eigeschlichn und da Pfanne werd mit Splittern von da Christbaumspitzn ibersäht“.
Witzig, fast sarkastisch ging es in unerwarteten Wendungen mit einem Hauch von Weihrauch weiter nach Altötting, wo sie der Statue Papst Benedikts ihr blutiges Schwert in die Hand drückte und in der Gnadenkapelle der Schwarzen Madonna ihr Glitzerhemd umhing, sofort danach das deutsch-österreichische Bahnfahren aufs Korn nahm mit „Singing the Bundesbahn-Blues“.
Seit einiger Zeit Single, hat Bachmann auch das Häkeln für sich entdeckt, dessen Anleitung sie in einer überlangen Vorlesung aus der „Brigitte“ beschrieb, wonach sie dem Publikum die Frage stellte: „Worauf stehen Frauen wirklich?“ und sofort die Antwort parat hatte, indem sie ein schräges Seefahrer-Medley präsentierte von „Ein Schiff wird kommen“ bis „Schön ist die Liebe im Hafen“.
Manchmal scheint
das Leben sinnlos
Sentimental wurde es beim Frühstück, als sie schlimme Nachrichten mit dem Orakel im Kaffeeschaum beiseiteschob und schauspielerisch überzeugend behauptete: „Die Welt ist ein Jammertal. Alles, was du tust, ist sinnlos. Also ist es am besten, man legt sich gleich wieder hin.“ Dem widersprach sie mit ihrem Song „Auf‘m Bergerl bin i g’sessen“ und forderte abschließend alle Besucher zum gemeinsamen Mitsingen auf: „Wenn ein Löwe heiter ist und die ganze Welt vergisst, singt und singt er immerzu babababa babalu.“ Lange anhaltender Applaus des dankbaren Waldkraiburger Publikums gab es zum Schluss.