Überstunden ohne Überlänge

von Redaktion

Prämierte Mundartkünstlerin Sara Brandhuber unterhält den Kulturschuppn

Mühldorf – Sara Brandhuber gab kürzlich ein gelungenes Gastspiel im ausverkauften Mühldorfer Kulturschuppn. Mit rund drei Stunden überzog die Musikerin und Kabarettistin nach eigener Einschätzung zwar maßlos, aber dies war nicht zuletzt auch dem geneigten Publikum geschuldet: Die rund 90 Zuhörer aller Altersgruppen waren vom Humor und den Liedern der gebürtigen Niederbayerin derart begeistert, dass sie nach weit über zwei Stunden noch mehrfach Zugaben forderten.

Trägerin des
Dialektpreises

Ursprünglich war das Konzert von Sara Brandhuber als Vorpremiere ihres neuen Programms geplant. Doch wie die Künstlerin gleich zu Beginn klarstellte, würde das Publikum hauptsächlich noch das Programm „Gschneizt und Kampelt“ zu hören bekommen, mit dem sie bereits seit rund drei Jahren Erfolg hat.

Für alle, die sie noch nicht kennen, hier die wichtigsten Fakten: Die Mundart-Sängerin stammt aus der Nähe von Landshut, wohnt jetzt aber mit ihrer Familie in Oberbayern. 2017 gewann sie den „Dialektpreis Bayern“ der Staatsregierung, den in anderen Jahren schon auch mal Professoren oder Sprachforscher erhalten haben. Es folgten weitere Auszeichnungen in Sachen Kleinkunst. Und nicht zuletzt ist Sara Brandhuber seit 2021 nicht selten mit der ungleich berühmteren Martina Schwarzmann unterwegs, sozusagen als deren Vorprogramm.

Wer Sara Brandhuber noch nicht kennt, hat wirklich etwas verpasst. Denn die Dialekt-Bardin hat viele kuriose Geschichten zu erzählen. Zweifellos hat nicht jeder den selben Humor, aber das fällt bei dieser jungen Kabarettistin nicht ins Gewicht. Dank ihrer schnellen Sprechweise purzeln die verschiedenen Geschichten und Humoresken, die meist in einem Lied münden, geradezu so heraus. So kommt jeder auf seine Kosten.

Da bekommt der rote Faden zwar auch mal Fransen und es fällt der Künstlerin noch hier oder da eine Anekdote ein, aber verlieren tut sie ihn nie und findet immer wieder zurück zur Gitarre, die manchmal noch von einer Mundharmonika oder einer den stimmlichen Charakter verstärkenden Kazoo begleitet wird.

Besonders erfreulich ist, dass Sara Brandhuber sich nie landläufiger Stereotypen oder überspitzter Geschlechterrollen bedient und wenn, dann in überraschender Weise. Auch hat sie es im Gegensatz zu vielen Berufskollegen keineswegs nötig, Schadenfreude zu schüren, um ihr Publikum in Fahrt zu bringen. Vielmehr baut sie die meisten ihrer Geschichten auf eigenen Erfahrungen auf, die mitunter lange zurückliegen.

Sie erzählt von ihrer niederbayerischen Oma, wirren kindlichen Vorstellungen, über Schwammerl, einer Schnittschutzhose, ihren Schulbusfahrer oder dem Bigauderer (Truthahn) und hat es dabei nie nötig, jemanden zu beleidigen. Die Komik wohnt den beschriebenen Situationen bereits inne. Generell drückt sie sich gewählt aus, was angesichts der Sprechgeschwindigkeit an ein Wunder grenzt. Zwar müssen auch mal die eigenen Kinder, der Schwiegervater oder ihr Gatte für eine Pointe herhalten, doch hat alles mehr Niveau, als im hochdotierten Kabarett von Funk und Fernsehen.

Sara Brandhubers Ansätze für politisches Kabarett muss man als zaghaft bezeichnen, aber auch hier liegt die Pointe im Wortwitz und der Kritik selbst und artet nicht in Fäkalsprache oder Schimpfwörter aus, wie es in den vergangenen Jahren in der Branche leider immer häufiger wird.

Vertonte
Lebensweisheit

Ihre fast noch kindlich anmutende Stimme steht besonders in den Liedern im schier krassen Gegensatz zu den Inhalten, die von hintergründigem Humor und Lebensweisheiten getragen werden, mit denen sie früher oder später jeden Zuhörer gewinnt. Man darf also gespannt sein, wie das neue Programm der jungen Bayerin aussehen wird und hoffen, dass sie sich mit ihm dann auch wieder in der Gegend sehen lässt. Denn wie man dem Internet entnehmen kann, traut sich die Altbayerin auch immer öfter ohne ihre Meisterin aus dem Stammland hinaus.

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