„Leben in einer bröseligen Zeit“

von Redaktion

Kabarettist Christian Springer bringt die große Politik in Verlegenheit

Mühldorf – Sie werden wohl niemals allerbeste Freunde werden, die Politik und Kabarettist Christian Springer. Aber dafür liebt ihn sein Publikum umso mehr. Bei seinem Auftritt im Haberkasten kamen die Besucher in den Genuss seines Bühnenprogramms „Leider“. Doch bevor er am Abend auf der Bühne stand, saß er im Fernsehstudio der BR-Sendung „quer“ mit Moderator Christoph Süß. Thema der Sendung war die Lage im Nahen Osten. Dieses griff Springer, der 2012 den gemeinnützigen Verein Orienthelfer gründete, unter anderem auch in seiner Bühnenshow auf. Und auch sein neuestes Buch mit dem Titel „Bayerischer Mob – wie die Gewalt in die Politik einzog“ durfte dabei nicht fehlen. Darin geht es um Angriffe gegen Politiker.

Ewiger Kampf
mit der Bürokratie

Springer sprach schonungslos über typisch deutsche Aufregerthemen wie Bürokratie und Bauernproteste. Es ging aber auch um den Flug des deutschen Astronauten Reinhard Furrer und ein Luftballonverbot für Kinder.

Auch aus seinem eigenen Leben hat der beliebte Kabarettist jede Menge amüsante Geschichten parat. So lässt sich der typisch deutsche Bürokratie-Wahnsinn auch in seinem eigenen Fall bis zu seinem Ururururgroßvater ins Jahr 1842 zurückverfolgen. Der gesetzestreue Deutsche hebt schließlich alles auf, man braucht ja für alles Belege.

Christian Springer liebt es, Schlechtes in Humorvolles zu verpacken. Schon seit er ein kleiner Bub ist, zieht es ihn auf die Bühne und auch im Fernsehen ist er ein bekanntes Gesicht. So war der gebürtige Münchener bereits Teil der Comedy-Reihe „Die Komiker“ und der Kabarett-Reihe „Schlachthof“. Seine ernsthafte Seite zeigte er unter anderem im „Tatort.

Zwischen Feuer und
Handy-Wischfunktion

Sein Publikum liebt ihn jedoch vor allem für seinen schwarzen Humor. Dazu trifft er mit seinen Themen den Nerv vieler Menschen. Selbst wenn die Politik bei ihm nicht so gut wegkommt, ist er ein Optimist. „Wir leben in einer bröseligen Zeit, in der alles schlecht geredet wird. Dabei haben wir schon so viel erreicht. Wir haben das Feuer entdeckt, die Wischfunktion am Handy entwickelt und vieles mehr“, so Springer.

Ansonsten stehe es „leider“ nicht so gut um unser Land, aber eine dicke Portion Optimismus bringe uns voran, wenn die Politik gänzlich versagt. „Wir müssen das tun, was man in Deutschland immer macht, wenn es einen schmerzt. Man geht zum Physiotherapeuten. Das Problem ist nur, man bekommt heutzutage keinen Termin“, sagt Springer und weiß auch prompt, wo „Die Grünen“ perfekt aufgehoben wären: auf der Coach beim Psychiater. Wie weit es mit der Demokratie in Deutschland her ist, werde durch das Schweigen der Menschen deutlich. Und wenn jemand spricht, höre man nur: „Da können wir nichts tun“, sagt der Kabarettist.

Er selbst erlebte noch die Ära von Franz Josef Strauß, ist mit Winnetou als Held seiner Kindheit aufgewachsen und gründete als junger Student im Jahr 1991 sogar seine eigene Partei. Damals steckte auch Sarah Wagenknecht noch in den Kinderschuhen ihrer politischen Laufbahn. „Ihr großes Vorbild war Rosa Luxemburg. Alles, was Wagenknecht und ihr großes Idol heute noch verbindet, ist die gleiche Frisur“, erzählt Springer. Jahre später gründete Wagenknecht ihre eigene Partei, während er selbst einige Zeit später wieder aus seiner austrat. Seitdem sei er parteilos.

Für viele Lacher sorgte er, als er das Bundestagswahlprogramm der „Grünen“ aus dem Jahr 1987 vorstellte: die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schienen, auf überflüssige und sinnlose Chemieprodukte zu verzichten und eine „sanfte Chemie“ aufzubauen und zu fördern. Da muss selbst Springer laut lachen und sagt: „Das kann sich selbst ein Kabarettist nach drei Flaschen Wein nicht ausdenken, wie denen ihr Wahlprogramm aussieht.“ Das Publikum klatschte und jubelte.

Seitenhieb auf
Hubert Aiwanger

Doch auch der selbstverliebte bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Konsorten bekamen ihr Fett weg. Die Worte des Kabarettisten sind schnell und voller Kraft. Dabei lässt er keine Pointe aus und fegt durch unzählige Epochen der Politik: vom Schriftsteller Oskar Maria Graf, der 1933 von den Nationalsozialisten nicht auf die Liste der verfemten Autoren gesetzt worden war, bis hin zu heute, wo man sich ganz nebenbei fragt: „Was wurde eigentlich aus Hubert Aiwanger und den ganzen Landwirten? Aiwanger versprach damals noch bei den Bauernprotesten, dass er hinter den Bauern stehen würde. Leben die alle überhaupt noch?“

Am Ende der Bühnenshow hat sich die Lage in Deutschland zwar nicht verbessert, aber zumindest die Denkweise des Publikums, das von Christian Springers Bühnenshow total begeistert war.

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