Mühldorf – Er ist und bleibt ein Phänomen: Giora Feidman, 88 Jahre alt. Weltklasse-Klarinettist und Weltbürger, Friedensaktivist und Star auf den Bühnen der Welt – er gastierte im Stadtsaal in Mühldorf und begeisterte das Publikum. Immer wieder erwies er sich als Mahner für den Frieden, aber auch als charmanter Plauderer, der den Besuchern seine Gedankenwelt uns Musik näherbringt.
„Revolution of Love“, die Revolution der Liebe, so hat Giora Feidman sein neues Programm genannt, angefüllt mit Standards ebenso wie mit neuen Melodien. Auf Tournee ist er mit diesem Programm seit dem Frühjahr 2024, erst im Jahr davor war er mit dem Programm „Friendship“ auf allen Kontinenten unterwegs. Begleitet wird er von einer hervorragend aufgestellten Gruppe: Vytis Sakuras am Piano, Sara Domjanic an der Violine und Bar Zemach am Horn – alle sind sie zwei Generationen jünger als der „Maestro“, aber auf der Bühne ergänzen sie sein weltberühmtes Klarinettenspiel hervorragend.
Feldman und seine Klarinette: Sie gehören zusammen, seit der heutige Weltstar elf Jahre alt war. „Kein Instrument kann die Sehnsucht so ausdrücken, wie es die Klarinette vermag“, sagte Giora Feidman in seiner sympathischen Mischung aus Deutsch, Englisch und Jiddisch – und dann legte er los, ohne Pause.
Rührung auf beiden
Seiten der Bühne
Astor Piazolla, Scott Joplin, viele wunderschöne Stücke von seinem „Stammkomponisten“ Majid Montazer, dazwischen wieder Klezmer: Bei Giora Feidman ergänzen sich Leidenschaft und die Erfahrung am Instrument zu einer wunderbaren Liaison, Meisterschaft kann man nicht verlernen.
Bemerkenswert und berührend waren seine prägnanten Anmerkungen zum Thema „Krieg und Frieden“, die er immer wieder einstreute. Trotz allem Leid auf der Welt setzt der Maestro auf die Kraft des Friedens und der Freundschaft: „Da stehen sich Väter gegenüber, die Familien haben, die mit ihren Kindern vielleicht gerade die gleichen Probleme haben – und die müssen dann aufeinander schießen, weil sich das irgendjemand ganz oben im Staat einbildet. So etwas darf nicht sein“, sagte Feldman. Es ist dieser Traum von einer Welt ohne Krieg, der ihn antreibt. Er möchte sein Publikum überzeugen, diesen Weg mit ihm zu teilen. Am Ende brachte er es dazu, mitzusingen bei einem der bekanntesten Lieder gegen den Krieg: „Donna Donna“. Es berührte ihn sichtlich, wie spontan die Besucher einstimmten. Und es war ebenso berührend zu sehen, wie er, ein fast schon zerbrechlich wirkender, alter Mann, aufstand und dem Publikum applaudierte.
Maestro Giora Feidman hat an diesem Abend im Mühldorfer Stadtsaal Spuren hinterlassen, mit seinen Gedanken, mit seiner Musik und mit seiner Klarinette – den langen Applaus und die stehenden Ovationen genoss er sichtlich und mit charmantem Lächeln. Es war ein schöner Abend, für die Menschen auf und für diejenigen vor der Bühne.krb