Mettenheim – Stefan Kröll hat in Mettenheim längst ein treues Stammpublikum, das begeistert war, ihn nach sechs Jahren endlich wiederzusehen. „Ihr seid zwischendurch schon mal daheim gewesen?“, fragt er schmunzelnd und sorgt damit gleich zu Beginn für Heiterkeit. Der Kabarettist war bereits zum dritten Mal zu Gast im Kulturhof – diesmal mit seinem neuen Programm „Aufbruch“.
Dass er Mythen zum Leben erweckt und diese gekonnt mit seiner bayerischen Heimat verknüpft, ist wohlbekannt. Diesmal widmete er sich dem „bayerischen Grant“, und es wäre nicht Kröll, wenn er dieses Thema nicht tiefgründig und pointensicher durchleuchtet hätte. „Wir sind von der Steinzeit her negativ vorprogrammiert“, scherzt er.
Hannibals Elefanten
ohne TÜV und Pickerl
Der Neandertaler, von Natur aus Realist und, weil er überall Gefahren witterte, schimpfender Pessimist, konnte nur grantelnd überleben. Das Positive, so Kröll, hätte damals niemandem genützt.
Heute brauche es positive Ansätze und jemanden, der Krisen durchblickt. Schon in der Antike suchten die Menschen den Rat der Götter und pilgerten zum Orakel von Delphi. Leider habe die weissagende Pythia nach 300 Jahren Kohlendioxid-Rausch ins Homeoffice gewechselt, was letztlich an der lausigen Internetverbindung scheiterte.
Oder Hannibal, der mit seinen winterbereiften Elefanten ohne TÜV und österreichischem „Pickerl“ über die Alpen zog. Das Fazit daraus sei doch: „Wer etwas will, findet einen Weg. Und wer keinen Weg hat, findet einen Grund, warum etwas nicht geht.“
Wie wäre es, wenn man negative Worte einfach durch positive ersetzte? Ein nicht allzu Schlauer wäre dann „geistig auf Entdeckungsreise“, jemand im Stress einfach „on fire“. Das würde dem Gesagten eine ganz andere Wirkung geben und könnte den „Aufbruch“ aus der Negativspirale bedeuten. Manche Kulturen würden bestimmte Wörter gar nicht kennen. So gebe es ein Inselvolk, das keinen Ausdruck für „Lüge“ habe. Doch „ist eine Welt ohne Lügen überhaupt vorstellbar? Eine Welt ohne Trump und Putin, ein Parteitag der AfD – und keiner sagt etwas?“
„Zum Schweigen braucht’s mehr“, singt er in einem seiner Lieder, in denen er seine Theorien mit witzigen Bonmots würzt und die Zuschauer zu weiteren Lachflashs treibt. Am Klavier begleitet er sich selbst – übrigens nicht, weil es so schön klingt, sondern weil er damit bei Kabarett-Wettbewerben bessere Chancen hat. „Dort gewinnt meistens der, der Klavier spielt“, beteuert er. Einmal habe er einfach sein Klavier geschickt und – gewonnen.
Die Stimmung kocht, und das Publikum lacht Tränen, sei es bei „Goaßnmass united“ oder dem Schlusslied „Wo da Blinde an Nackerten trifft“. Viel Applaus gab es deshalb für dieses intelligente, höchst unterhaltsame Kabarett eines exzellenten Künstlers, der sicher auch ein viertes Mal nach Mettenheim kommen wird.