Mühldorf – Deutschlands wohl bekanntester pensionierter Lehrer spielte ein „Best of“ und füllte den Abend mit Anekdoten und Geschichten. Besonders im ersten Teil des Programms fanden sich zahlreiche Erlebnisse, die vielen Besuchern bereits in Erinnerung geblieben waren. Klaffls Humor kann immer noch Spaß machen, aber insbesondere seine ironischen Anmerkungen zu Kindern namens „Kevin“ wirkten 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ein wenig angestaubt. Auch wenn er sich über Schüler mokierte, die das Wort „Rhythmus“ nicht korrekt schreiben können, bleibt doch die Frage, ob er an dieser Verweigerung der Rechtschreibung als Lehrer nicht auch seinen Teil der Schuld tragen müsste. Der Humor zündete trotzdem im Saal, vielleicht auch, weil das Publikum vorwiegend aus pensionierten Lehrern bestand – eine Art „Lehrerkabarett für Lehrerkollegen“.
Doch Klaffl hat noch eine andere Seite. Er gehört zu den guten Kabarettisten der deutschen und bayerischen Szene. Mit satirischem Blick zog er Lehrer, Schüler und Eltern gleichermaßen durch den Kakao, mit Witz und Ironie sparte er weder bei Schülern und Eltern oder auch beim Lehrerkollegium.
Der Höhepunkt des Abends lag jedoch im zweiten Teil des Programms, in dem sich Klaffl klar auf die Seite der Schüler stellte. Mit scharfer Ironie machte er deutlich, dass ihre Abhängigkeit vom Handy, ihr oft respektloses Verhalten und die Perspektivlosigkeit vieler Schulabgänger keine Gründe seien, die Jugendlichen selbst zu verurteilen. Vielmehr prangerte er die Bildungspolitik und die mangelnde Unterstützung durch die Eltern an. Klaffl legte offen, dass es im Interesse des Staates liegen müsse, Schulen mit allem Nötigen auszustatten – vor allem mit qualifizierten Lehrkräften. Er kritisierte scharf, dass man sich mittlerweile auf „Quereinsteiger“ verlasse, während „gelerntes“ Lehrpersonal auf Wartelisten verharrt.
Hier spürte man Klaffls Leidenschaft für guten Unterricht, gute Schulen und seine Empörung darüber, wie die Bildungspolitik den Kindern Zukunftschancen nimmt. Klaffl mag seine Schüler, und er unterrichtete mit Herzblut – glücklicherweise gibt es viele solcher Lehrer. Die Bildungspolitiker, denen Klaffls Ärger und Spott galten, sollten vielleicht mal eine „Nachhilfestunde“ in einem seiner Programme besuchen – sie könnten noch einiges lernen. krb