Mühldorf – „Träume sind die Funken, die unsere dunkelsten Nächte erhellen und uns zeigen, dass selbst in der Dunkelheit Licht gefunden werden kann“, lautet das Zitat eines unbekannten Verfassers. Bei Träumen denkt man an schöne Dinge wie bunte Farben, Licht, Leichtigkeit, Frieden und Harmonie. So manch einer würde dem grauen Alltag gerne entfliehen und in die Welt der Träume reisen. In eine Welt, in der man für einen Moment alles Schlechte ausblenden kann. Das Ensemble „Salut Salon“ macht es möglich. Mit ihrem Bühnenprogramm „Träume“ nehmen die Violinistin Angelika Bachmann, Pianistin Karine Terterian, die am Konzertabend Ensemblemitglied Kristiina Rokashevich am Klavier vertritt, Violinistin Mary Rose Scanlon und Cellistin Maria Well ihr Publikum mit auf eine Reise in die Welt der Träume. Noch bis zum 23. November sind sie damit auf großer Deutschland-Tournee. Was sich hinter ihren Träumen verbirgt, verrät Violinistin und Mitgründerin des Frauen-Quartetts, Angelika Bachmann, im Interview.
Frau Bachmann, „Salut Salon“ bedeutet aus dem Französischen übersetzt „Hallo Wohnzimmer“. Wie kamen Sie auf diesen Namen für Ihr Ensemble?
Wir spielten damals das Stück „Salut d’amour“ von Edward Elgar. Jeden letzten Freitag im Monat trafen wir uns immer mit Freunden, Familie, Verwandten bei unserer Pianistin und spielten dieses Stück. Das war sozusagen unser „Salon“. Aus dem Stück von Edward Elgar und unserem musikalischen Salon, wo immer wieder mal jemand ein Gedicht vorgetragen hat oder wir zusammen gesungen haben, entwickelte sich dann der Name „Salut Salon“. Wir haben uns dann als Quartett formatiert und nannten uns „Salut Salon“, weil das einfach richtig schön klingt.
Sie engagieren sich auch sehr für soziale Projekte. Dabei sind Ihnen vor allem Kinder eine Herzenssache. Wie wichtig ist Musik für Kinder?
Ich bin selber sehr dankbar, dass ich Geige lernen durfte. Ich komme aus einer musikfernen Familie. Ich war das vierte Kind. Als ich im Alter von drei Jahren sagte, dass ich Geige lernen möchte sagten meine Eltern „die wird sich schon wieder beruhigen“. Weil ich weiterbettelte, bekam ich dann zu meinem vierten Geburtstag endlich eine Geige. Ich bin sehr froh, dass ich ein Musikinstrument lernen durfte, weil man sich mit Musik ganz anders ausdrücken kann als über Sprache. Musik geht nicht über den Kopf, es spielt sich ins Herz. Ich möchte so vielen Kindern wie möglich die Chance bieten, das auch zu erlernen. Heute sind meine Eltern stolz und froh, dass sie mich damals unterstützt haben.
Aktuell sind Sie mit Ihrem Programm „Träume“ auf Tournee. Was hat Sie zu diesem Titel inspiriert und was steckt hinter „Träume“?
Wenn wir träumen, entwickeln wir eine andere Vorstellung von der Zukunft. So kann Veränderung entstehen. Ich erlebe immer wieder in unseren Kinderprojekten, was für eine unglaubliche Kraft von Träumen ausgeht. Ich glaube, wir können alle viel mehr, wenn wir nur unsere Träume nicht aufgeben würden. Meine Kolleginnen und ich leben unseren Traum. Dafür sind wir sehr dankbar. In unserem Programm geht es musikalisch darum, Träume und den Zauber, der davon ausgehen kann, auf die Bühne zu bringen. Die Musik ist ja voll davon. Egal ob mit sanften Winterträumen von Tschaikowski oder Spookie- Momenten mit dem Hexeneinmaleins von Goethe. Wir lieben den Tango Nuevo von Astor Piazzolla. Da geht es auch um den Traum einer Romanze. „Träume“ ist einfach ein tolles Thema und ich glaube, wir sind alle Experten zum Thema „Träume“. Es ist wichtig, an seinen Träumen festzuhalten.
Bis zum 29. Dezember touren Sie durch ganz Deutschland und auch in der Schweiz stehen sie auf der Bühne. Was ist Ihr Ausgleich zu diesem extrem vollen Terminkalender?
Es ist toll, dass ich das arbeiten kann, was mir Spaß macht. Das kommt mir nie als Arbeit vor. Ich würde auch in meiner Freizeit Musik machen. Ich freue mich total auf jede Probe und jedes Konzert. Mein Mann ist in unserem Management, dadurch sind wir immer zusammen. Ich sorge aber auch immer für schöne Ausgleiche. Ich mache Yoga, meditiere viel und springe gerne in den See, auch im Winter. Ich schwimme auch bei null Grad im See. Ich bin total naturverbunden und sorge auch immer dafür, dass ich rauskomme. Meine Familie und Freunde sind mir ganz wichtig. Wir telefonieren regelmäßig miteinander und haben schönen Kontakt.
Bislang haben Sie sechs Alben veröffentlicht. Ihr letztes, „Carnival Fantasy – Ein Karneval der Tiere und andere Phantasien“ erschien 2016. Sind aktuell neue Songs oder vielleicht sogar schon ein neues Album in Planung?
Ja, da ist inzwischen schon einige Zeit vergangen, aber aktuell gibt es Neues von uns. Wir veröffentlichen nun drei CDs in Folge. Unser neuestes Album heißt „Träume“. Das erscheint in wenigen Tagen. Ende November kommt unser Weihnachts-Album „Weihnachten mit Salut Salon“ heraus und an unserem dritten Programm arbeiten wir aktuell. Dieses heißt „Heimat“ und wird nächstes Jahr im Sommer erscheinen.
Als Künstler erreichen Sie die Menschen mit Ihrer Musik und auch mit Ihren Worten. Zu Zeiten, in denen weltweit Kriege, Krisen, Katastrophen, Tragödien und viele weitere schlimme Dinge herrschen, was wünschen Sie sich und was würden Sie den Menschen mit auf den Weg geben?
Ich sage ja immer am Ende meines Konzerts, was ich für wichtig halte. Da habe ich ja schon erzählt, wie wir mit der Kindernothilfe in Myanmar gearbeitet haben und dass die Kinder dort ohne ihre Eltern vor den Bomben flüchten müssen. Das ist ganz schrecklich. Ganz wichtig ist, dass die Menschen wissen, dass kein Mensch freiwillig seine Heimat aufgibt. Das Wort „aufgeben“ ist ganz wichtig, denn man kann seine Heimat verlassen, aber man gibt sie nicht auf. Diese Menschen haben ja alles zurückgelassen. Die Kinder haben alles verloren, ihre Eltern, ihre Sprache, ihre Heimat, alles. Unsere zweite Geigerin Alvina ist Ukrainerin. Sie hat ja noch ihre Familie in der Ukraine, die unter ständigem Beschuss steht. Wir haben jeden Tag dieses Thema in unserem Ensemble. Das geht uns natürlich sehr nahe und wir sprechen viel darüber. Wir weinen zusammen. Krieg ist so schrecklich. Das, was wir uns wohl alle wünschen, ist Frieden.Interview: Kirsten Seitz