Waldkraiburg – Wer lässt sich in diesen nicht nur herbstlich etwas trüben Tagen schon allein von dem Titel ‚Lachnacht‘ nicht verlocken? Und so füllten sich rasch die Plätze im Saal bis auf wenige in der ersten Reihe, wohl um nicht zum Mitmachen aufgefordert zu werden.
„Das machen wir doch grundsätzlich nicht“, meinte Frederic Hormuth augenzwinkernd, der als Moderator durch den Abend führte. Und schon mit dem Hinweis auf die Angst von Friedrich Merz, es flüchten zu viele Ausländer nach Deutschland, hatte er die Lacher auf seiner Seite, als er meinte: „Für unsere Mitbürger sind eher die Zahnärzte ein Fluchtgrund. Weniger zum Lachen fand er die US-Wahl-Komödie mit Elon Musk als Millionen-Dollar-Verteiler in Trumps Diensten: „Ein Kipppunkt steht uns bevor!“ Schonungslos wies er immer wieder auch auf das Versagen unserer Gesellschaft und Politik hin.
Kurzhaarfrisur
und Pferdeschwanz
El Mago Masin als Erster des Comedian-Quartetts klagte sein Leid, dass er in Nürnberg zur Fahrt nach Waldkraiburg mit flotter Kurzhaarfrisur mit der Bahn losgefahren sei: „Und jetzt stehe ich mit struppigem Pferdeschwanz vor euch. Die Deutsche Bahn macht’s möglich.“
Auch versagte man ihm, für seinen kleinen Hund eine Fahrkarte zu lösen. Nach einer amüsanten Schnellraterunde über die Hauptstädte der Bundesrepublik lud er ein Liebespärchen samt Bahnkontrolleur auf die Bühne ein, die auch frei- willig mitmachten und riet schließlich allen: „Augen auf bei der Berufswahl, nicht dass es einem so geht wie meinem Lehrer, bei dem man faststellen musste, dass er Kinder hasst.“ Dazu sorgte er vor allem mit seiner Gitarre für beste Stimmung.
„Der machte ja Gehirnjogging mit euch“, meinte Hormuth und erinnerte an die Achtziger Jahre, als manchen jungen Mann die Wehrpflicht abschreckte und sie als Zivi dann ein Jahr lang im Pflegedienst Hintern putzen mussten. Mit dem Hinweis an die Senioren im Saal riet er, den Führerschein fünf Jahre bevor sie es für richtig hielten abzugeben, und dem musste man lachend zustimmen.
Der Stuttgarter Olaf Bossi bekannte als nächster Kabarettist, dass er sich dem Minimalismus verschrieben habe, nachdem seine Frau monierte: „Bei uns schnappen schon die Motten nach Luft!“ Viele im Publikum fühlten sich auch ertappt, als er vom überquellenden Medizinschrank und den 20 Hustentropfen mit 150 Nebenwirkungen berichtete. Diese Angst vor Medikamenten hatte zur Folge, dass er in der Charité anrief, weil sein kleiner Sohn ein Fläschen Globuli als Süßigkeit vernascht hatte, So wurde der gesamte Haushalt auf das Notwendigste zusammengestutzt. Mit einem Endlos-Schlaflied sang er das Publikum in die Pause.
Die vordergründig recht nette, jedoch hintergründig böse Mia Pittroff sinnierte anschließend unter anderem darüber nach, was sie einer Bekannten zur Hochzeit schenken sollte, kam jedoch von den zu Fischen gefalteten 50-Euro-Scheinen und einer großen Hochzeitsfeier ab und empfahl, dafür die Scheidung pompös zu gestalten, „denn es kommt meist nichts Besseres nach!“
Moderator Hormuth, der sich auch als hervorragender Pianist outete, stellte anschließend Michael Eller als Kreuzfahrt-Experten vor und der kam aus gutem Grund wieder auf das Älterwerden zu sprechen.
„Kleingedrucktes wird ignoriert, weil man ja keine Brille braucht und man streitet auch ab, dass es bereits 2018 in Berlin schon Sommertemperaturen über 36 Grad gegeben habe. Dafür mockiert man sich über eine alte Omi, die an der Supermarktkasse einen Stau verursacht.
Einen Vergleich, was man in einzelnen Ländern unter Humor versteht, schloss Horwarth an: „In Zürich lacht man etwas zeitverzögert und ein Wiener fragt seinen Autonachbarn an der Ampel leicht gereizt: ‚No, woar die Foarbn no ned dabei?“
Dem begeisterten Waldkraiburger Publikum stellte er abschließend das beste Zeugnis aus, denn an diesem Lachabend war sicher kein Auge trocken geblieben.