Waldkraiburg – Es war eine kluge Entscheidung der Organisatoren, das beeindruckende, über 100-köpfige Ensemble der Opera Romana Craiova nach drei erfolgreichen Verdi-Opern – „La Traviata“, „Maskenball“ und „Simon Boccanegra“ – ein weiteres Mal nach Waldkraiburg zu holen, um nun „Madame Butterfly“ von Giacomo Puccini im Haus der Kultur zu präsentieren.
„Tragedia giapponese“, der Originaltitel der im Mai 1904 in Brescia uraufgeführten Oper in drei Akten, gilt als eines der bedeutendsten Werke der Operngeschichte. Ihre emotionalen und musikalischen Höhepunkte faszinieren die Zuschauer immer wieder neu und ließen selbst den Komponisten bis zu seinem Lebensende nicht los.
Auf die Geschichte stieß Puccini erstmals im Juni 1900, als er während der Premiere seiner „Tosca“ in London das Duke of York’s Theatre besuchte und David Belascos Einakter „Madame Butterfly“ sah. Trotz mangelnder Englischkenntnisse erkannte er das dramatische Potenzial der Handlung sofort: Die tragische Liebe der Geisha Cho-Cho-San, genannt Madame Butterfly, zum amerikanischen Offizier Benjamin Franklin Pinkerton, der mit ihr in Japan eine Scheinehe eingeht und sie trotz des gemeinsamen Kindes verlässt.
Butterfly wartet geduldig auf seine Rückkehr, erfährt jedoch nach seiner Heimkehr von seiner Heirat in Amerika und seinem Plan, den Sohn mitzunehmen. Diese bittere Wahrheit endet in einer Katastrophe, denn vor den verbundenen Augen des Kindes nimmt Cho-Cho-San sich das Leben.
In jeder Hinsicht überzeugten die Hauptdarsteller der Opera Romana, allen voran die charismatische Sopranistin Lisa Houben, die mit klarer, ausdrucksstarker Stimme eine fein nuancierte Butterfly zwischen Zerbrechlichkeit und innerer Stärke verkörperte. Ebenso beeindruckte David Banos, der Pinkertons Rolle mit seinem warmen, strahlenden Tenor Charme und spürbare innere Zerrissenheit verlieh. Hinreißend auch das Ensemble an der Seite der Heldin, besonders Mezzosopran Licia Toskano als weise und anrührende Dienerin Suzuki sowie Bariton Ioan Cherata als Konsul Sharpless.
Unter der Leitung von Francesco di Mauro entfalteten Chor und das Orchester des Ensembles Puccinis Klangpracht in voller Schönheit. Regisseur Christian Francesconi, Bühnenbildner Rasvan Draganescu und das Produktionsteam schufen eine authentische Atmosphäre, die das Publikum in die japanische Kultur entführte und den Abend zum Erlebnis werden ließen. Ja, Oper kann beflügeln! Begeisterung und viel Applaus gab es am Ende für die gesamte Inszenierung, die die Vorfreude auf weitere Opern im Haus der Kultur allemal verstärkte. Martina Lamprecht