Noch ein kleiner Geheimtipp

von Redaktion

Kabarettpianist Matthias Ningel überzeugt das Publikum im Haberkasten

Mühldorf – Der einfallsreiche und wandelbare Kabarettpianist Matthias Ningel gastierte kürzlich im Haberkasten. Rund 80 Zuhörer hatten sich für das Programm „Widerspruchsreif“ des promovierten Musiktheoretikers eingeschrieben und bekamen sogar einige Teile aus dem nigelnagelneuen Programm „Harmonie“ geboten, mit dem der Kabarettbundesligameister von 2015/16 erst wenige Tage zuvor in seiner Studienheimat Mainz debütiert hatte.

Menschliche
Relativität im Fokus

Nimmt man die freien Plätze im Haberkasten als Basis, muss man zum Schluss kommen, dass der Mittdreißiger Matthias Ningel aus der Eifel bei uns noch nicht sehr bekannt ist. Dabei muss der humorvolle Musiker den Vergleich mit Hagen Rether, Bodo Wartke oder dem inzwischen schwer kranken Rainald Grebe nicht scheuen.

Die gesellschaftskritischen Texte des seit über zehn Jahren im deutschsprachigen Raum arbeitenden Philosophen, Bildungswissenschaftlers und Schulmusikers lassen weder an Brisanz noch an Relevanz vermissen. Da bekommen wohlstandsflüchtige Traumschiffurlauber in der Karibik genauso ihr Fett weg wie die sie erwartenden Pseudo-Calypso-Trommler. Trotz einiger Ausflüge in die Stand-up-Comedy war Matthias Ningel wohl am besten am Flügel des Haberkastens aufgehoben. Mit dem wird der Künstler eins – und folglich dauert es an den Tasten sitzend nur wenige Augenblicke, bis das Publikum mitsummt oder auf Zuruf beispielsweise geistesgegenwärtig Tiere imitiert. Dabei hat es der kabarettistische Liedermacher nicht nötig, auf bekanntes Liedmaterial zurückzugreifen, weil seine Kompositionen so eingängig und trotzdem komplex sind. Widersprüchlich eben, wie sein ganzes Programm, mit dem er seit 2021 unterwegs ist und das auf die Relativität des Menschen fokussiert. Ein wenig vom neuen Programm hat Matthias Ningel auch in Mühldorf schon eingebracht, wenn er über Spargelschälgeräte philosophiert, ein Gemüse, dem er in seinem neuen Programm eine ganze Nummer von Ronan Keating widmet, die auch im Haberkasten dank ihrer Schocker zwischendurch ihre Wirkmächtigkeit unter Beweis stellte.

Bestens kam aber auch die gehackte Toilette an, die dank ihres gesellschaftskritischen Untertons den Lachnerv des Publikums genau traf: Künstliche Intelligenz im Klo kann eben komplizierte Komplexitäten entwickeln, wenn sie fremdgesteuert wird.

Auftritt hätte mehr
Zuschauer verdient

Alles in allem hat der Künstler sein Publikum knapp zwei Stunden lang bestens unterhalten und eben sogar noch einen Ausblick auf das weniger defaitistische, neue Programm „Harmonie“ gegeben, der wirklich Lust auf mehr gemacht hat. Die Chancen, dass beim nächsten Gastspiel von Matthias Ningel in Mühldorf im Haberkasten keine Plätze mehr zu ergattern sein werden, stehen daher sehr gut.

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