Lehrstunde mit der Tuba

von Redaktion

Andreas Hofmeir zeigt sein Programm „Kein Aufwand“

Mühldorf – Ausverkauft war der Haberkasten beim Programm „Kein Aufwand“ von Andreas Hofmeir. 210 Zuhörer lockte der Ruf des gebürtigen Münchners, sozialisierten Hallertauers und jetzt im Rupertiwinkel wohnenden Professors für Tuba an der Salzburger Uni.

Der Werdegang seit seinem Gastspiel im Haberkasten 1999: internationale Preise, der Gewinn des Deutschen Musikwettbewerbs 2005, der „Echo“ 2013, der bayerische Musikpreis 2020 und nicht zuletzt die 2007 von ihm mit gegründete Combo „LaBrassBanda“, welcher er bis 2014 angehörte.

Seiner Berufung als Professor wurde Andreas Martin Hofmeir im Haberkasten gerecht. Die Zuhörer lernten nicht nur, dass das Jahr 2024 vom deutschen Musikrat zum „Jahr der Tuba“ erkoren ist, sondern auch, dass die Tuba mit ihrem Erfindungsjahr 1835 das jüngste klassische Instrument ist. Ein Detail, von dem der Musikdozent ableitet, dass es sich um das vollkommenste Instrument handelt.

Und tatsächlich, wenn man ihn spielen hört, weiß man, dass er recht hat. Denn ganz im Gegensatz zur gewohnten Rolle der Tuba im Orchester, welche üblicherweise die beste Gage pro Ton abwirft, wie er süffisant bemerkt, kann er dem wuchtigen Blechrohr noch einen ganz anderen Geist einhauchen: Beispielsweise eine Fantasie des barocken Komponisten Georg Philipp Telemann, der diese schnellen Tonläufe 200 Jahre vor der Erfindung der Tuba eigentlich für die filigrane Flöte geschrieben hatte. Spätestens diese Andeutung des Potenzials der Tuba raubte auch dem geschätzten Dutzend an Blechbläsern im Publikum den letzten Atem.

Doch der Künstler zeigt sich über seinen hinterkünftigen Humor in der Folge gnädig mit seinem Publikum im Haberkasten. Das musikalische Programm des Abends enthielt daher vor allem gefühlvolle brasilianische Liebeslieder, die aber mit ihren tragisch-depressiven Harmonien auch mal aus Skandinavien oder Ungarn kommen durften und trotzdem im Original sicherlich nie für die Tuba konzipiert waren.

Zusammen mit dem Pianisten Benedikt Streicher am Flügel gelang es Andreas Hofmeir, melodische und rhythmische Meisterwerke abzuliefern, die das Publikum in ihren Bann zogen. Zwischendurch lockerte Andreas Hofmeir mit kabarettistischen Intermezzi auf, bei denen der Künstler entweder eines seiner teilweise älteren Gedichte vortrug, aus seinem Buch „Kein Aufwand“ las oder ein Schmähgedicht über andere Instrumente zum Besten gab.

Die „hundsgemeine Instrumentenkunde“ ist nämlich Hofmeirs neues Buch und enthält unzählige Gedichte davon. Allesamt lustig wie treffend. Außerdem erfahren die Zuhörer Anekdoten aus dem Leben des Tubaspielers, der in seiner Jugend sieben Jahre lang Krötenzäune errichtete, weil die Brotzeit seinerzeit unbezahlbar gewesen sei. Auch dass Instrumente Namen besitzen und seine Konzerttuba Fanny heißt, ganz im Gegensatz zur Tuba, mit der er bei LaBrassBanda musizierte, welche nämlich auf den Namen Hildegard hörte. Urkomisch aus der Situation heraus, schaffte es Andreas Hofmeir locker, sein Publikum rund zwei Stunden bestens zu unterhalten. pbj

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