Michael Wehrmayer spielt auch die Unbespielbare

von Redaktion

In Töging werden die Besucher vom Cellosolisten gefesselt

Töging – Eigentlich war in Tögings Klassiktempel das „duo51Saiten“ angesagt. Doch, wie Veranstalterin Elke Grimm bei der Begrüßung am Abend verkündete, hatte die Harfenistin Johanna Dorothea Görißen einen enorm wichtigen Termin erhalten und musste deshalb absagen. „Jetzt sind wir sehr dankbar, weil der Cellist des Duos, Michael Wehrmayer, sich bereit erklärte, diesen Abend solistisch mit seinem hochwertigen Instrument zu gestalten. Anstelle von 51 Saiten hören wir nur vier Saiten. Aber der Cellist wird uns verzaubern.“

Mit seinen 22 Jahren hat Michael Wehrmayer schon 17 Jahre Erfahrung am Instrument sammeln können. Er kam schon mit 13 Jahren als Jungstudent an die Universität Augsburg. Er erhielt Unterricht und Impulse bei vielen namhaften Meistern und Lehrern dieses Instrumentes. Die Liste seiner Auszeichnungen beginnt schon früh und enthält Preise allerhöchster Stufen.

Wehrmayer begann sein Spiel in Töging mit der Cellosuite Nr. 3 C-Dur von Johann Sebastian Bach. Nach dem Prelude folgten die fünf barocken Tänze, die in ihrer Vortragsweise doch unterschiedlich klingen. Was das Publikum besonders beeindruckte, war der Künstler an seinem Instrument. Wie der Meister mit dem Bogen die Saiten streichelte, strich oder auch schlug, es kamen die feinsten Töne – anhaltend oder staccato – in einer kaum vorstellbaren Geschwindigkeit. Dabei fuhr die linke Hand unvorstellbar schnell am Griffbrett auf und ab, dass man die Finger beim Drücken auf Saiten nur ahnen konnte. Der Töginger Saal wirkt wie ein großes Zimmer und die Besucher sitzen nahe am Vortragenden.

Mit zwölf Jahren schon wurde Wehrmayer Preisträger des Deutschen Musikinstrumentenfonds. Dafür erhielt er treuhändisch ein kostbares Violoncello von Anton Posch aus einem Münchner Familienbesitz.

Noch vor der Pause kam die Sonate für Cello allein von Paul Hindemith zum Vortrag. Die fünf ausdrucksstarken Sätze erzeugten mit ihren Melodien und Rhythmen ganz besondere Stimmungen in den Raum,

In der Pause wurden verwunderte Gespräche geführt, weil Künstler dieser hohen Klasse auch bis in die „Provinz“ kommen.

Mit einem wenig bekannten Stück von Zoltán Kodály begann Wehrmayer den zweiten Teil des Konzerts. Die Sonate opus 8 für Violoncello solo galt lange Zeit als unbespielbar, erläuterte der Meister. Er habe deshalb zwei Saiten seines Instrumentes umgestimmt, um die Töne geschickt ergreifen zu können. Für den 1. Satz, Allegro, dieses Werkes blickte Wehrmayer auf die Noten. Dieser Satz war gespickt mit hohen Trillern und gewaltigen Intervallsprüngen.

Am Ende erklang Johann Sebastian Bachs Cellosuite in c-Moll, die der Meister wieder auswendig vortrug. Die Besucher waren voll des Lobes und des Dankes – so lange, bis Michael Wehrmayer die Sarabande aus der Suite als Zugabe gewährte.nz

Artikel 5 von 5