Waldkraiburg – Es war, das kann ohne Übertreibung angemerkt werden, im ohnehin hochwertigen Programm, das im Waldkraiburger Haus der Kultur angeboten wird, sicher einer der ganz besonderen Höhepunkte in diesem Jahr: Das renommierte „Tanzforum München“ zeigte mit „Dracula“ ein schaurig-romantisches Ballett um den wohl berühmtesten Vampir aller Zeiten.
Getanzt wurde
in Perfektion
Im fast ausverkauften großen Saal war das Publikum begeistert von der rasanten Show, die nicht nur tänzerisch hochklassig, sondern auch als Inszenierung mit Spannung, etwas Grusel und mit Eleganz überzeugen konnte.
Das „Tanzforum in München“ hat als Basis eine Ballettschule, die es möglich macht, immer wieder besondere Talente zu entdecken. Regisseur Maximilian Widmann ist außerdem dafür bekannt, dass er die Tänzerinnen und Tänzer mitreißen kann, ihnen allerdings auch viel abverlangt.
Das wurde auch in Waldkraiburg schnell deutlich: Auf der Bühne herrschte durchwegs Bewegung, fast wie in einem Film lief die Handlung ab: rasant und mit sehr viel „Action“ – und doch auch mit den wichtigen Elementen des klassischen Balletts.
Getanzt wurde in Perfektion, zu stimmiger Musik. Das Bühnenbild war sparsam, das passende Ambiente entstand aus der gelungenen Nutzung von Beleuchtungseffekten und auch aus der guten Kostümwahl.
Die Figur des Grafen Dracula, der als blutsaugender Untoter in seinem Schloss in Transsilvanien auf Opfer wartet, ist weltweit geprägt durch die Verfilmungen, in denen der britische Schauspieler Christopher Lee die Titelrolle spielte. Lee bestach durch Eleganz, und, zumindest in den ersten Verfilmungen, durchaus auch durch seine männliche Ausstrahlung. Der Dracula auf der Bühne in Waldkraiburg orientierte sich an dieser Darstellung: Gutaussehend und lässig ist er sich seiner Wirkung auf die Frauen bewusst und so fällt es ihm leicht, an ihr Blut zu kommen. Doch auch ein Vampir hat Gefühle. Dracula verliebt sich in Widmanns Inszenierung in die Verlobte des jungen Anwalts Jonathan Harker und er setzt alles daran, sie durch seinen Biss zu Untoten zu machen, mit der er ein unsterbliches Leben lang zusammenbleiben kann.
Der Kampf Gut gegen Böse, der auf der Bühne stattfand, war beeindruckend. Auch wenn bekannt ist, dass alles gut ausgehen wird – nur nicht für Dracula, der durch den tiefen Stich mit einem frischen Eichenpfahl seine Unsterblichkeit verliert –, war das Geschehen auf der Bühne spannend bis zum Schluss.
An der Grenze
zur Akrobatik
Die Rasanz der Handlung wurde großartig unterstrichen durch die schnelle Choreografie, die immer wieder viele Tänzerinnen und Tänzer auf die Bühne brachte. Die gezeigten Hebefiguren waren schon an der Grenze zur Akrobatik. Das alles trug dazu bei, dass das Publikum in den Bann des Geschehens gezogen wurde. Und doch gab es auch die „besinnlichen“ Momente, in denen die Verzweiflung des nach Blut dürstenden Adeligen deutlich wurde, der doch eigentlich nur auf der Suche nach der großen Liebe ist. Am Ende, als sich die Spannung auflöste, gab es für diesen ebenso außergewöhnlichen wie gelungen gestalteten Ballettabend langen und kräftigen, vor allem aber berechtigten Applaus für die Tänzerinnen und Tänzer, ebenso wie für die Inszenierung.