„Weil wir uns immer noch blind vertrauen“

von Redaktion

Singer-Songwriterin Ami Warning aus München singt im Haberkasten

Mühldorf – Im gut besuchten Haberkasten trat jüngst Ami Warning mit ihrer Band auf. „Auszeit“ heißt ihr aktuelles Album und den Titel hat sie wohl zu ernst genommen, denn eine fast halbstündige Wartezeit nach der als Anheizerin aufgetretenen Gitarrenkünstlerin Cece hätte es wohl wirklich nicht gebraucht. Der Mühldorfer Musikfreund mag sich damit trösten, dass Madonna bei ihrem letzten Auftritt in Köln ihre Fans drei Stunden warten ließ.

Einstimmung
mit Cece

Cece, eine junge, sympathische 23-jährige Künstlerin aus Köln, ausgestattet mit einer glockenklaren Stimme, durfte zunächst allein mit ihrer Gitarre ran. Ihr Name ist Italienisch und heißt zu Deutsch „Kichererbse“. Sie ist zum ersten Mal in Mühldorf und soll auf „das heutige Megakonzert mit Ami Warning“ wie sie sagt, einstimmen. Das macht sie zunächst mit „Kite“, einem Sommerlied, das von einem Drachen handelt. Auch „Summer rain“ hat mit der warmen Jahreszeit zu tun. Der Song „Again and again“ ist von Hermann Hesse inspiriert, der fiel ihr beim Lesen von „Siddharta“ ein.

Dann tritt der Star des Abends auf, Ami Warning kommt allein, ohne ihre vierköpfige Band, und singt zunächst „Meer will ich“ und „Untertauchen“. Da heißt es: „Es fühlt sich halt einfach gut an, wenn ich für zwei, drei Stunden mit dir untertauchen kann, ohne zurückzuschaun, weil wir uns immer noch blind vertraun.“ Dann kommt die Band dazu. Das sind Max Albii am Schlagzeug, Isaac Reed an der Bassgitarre, Berni Michael an Keyboard und Harmonium und fast ein Lokalmatador: Maxwell List stammt aus Neumarkt-St. Veit.

„Blaue Augen“ lautet der nächste Titel, blaue Augen sind ihr Symbol für die Kindheit. Ami bekennt dazu, dass sie das Kindsein vermisst. Wenn man erwachsen ist, dann weiß man erst, was man als Kind so alles hinnehmen musste.

„Wie lange willst du noch diese Dinge tun, schon seit einer Weile brauchst du eigentlich Zeit, dich auszuruh’n, wenn nicht jetzt, wann dann?“ So heißt es im nächsten Titel „Wie lang?“

„Auszeit“ ist das Titellied der neuen CD. Daraus lässt sich als Motto ableiten, dass der, der viel will oder tut, weit kommt. Überhaupt geht es in dem neuen Werk, es ist ihre vierte CD, die zweite in Deutsch, um das Thema ‚Auszeit‘: „Wenn man aus den Augen verliert, was glücklich macht, wenn man vergisst, worum es eigentlich ging – dann ist es Zeit für eine Auszeit.“ Ami appelliert an das Publikum, öfter mal einen Gang herunterzuschalten, achtsam auf sich selbst zu schauen, sich einfach einmal eine Auszeit zu gönnen. Auch in der Liebe kann es eine Auszeit geben: Eine Liebe ist vorbei, die letzte Chance ist vorbei, der Vorhang geht zu: „Die Liebe ist laut“ behandelt dieses eher traurige Thema. Fazit von Ami: „Wenn es aus ist, dann wird es meist nichts mehr.“ Unterstützt wird sie dabei von Mola, einer Sängerin aus München, allerdings nur auf der CD.

„Simsalabim“ – wir kriegen alles hin, um die Wette rennen, keine Schmerzen mehr kennen“, so heißt es da. Früher waren Partys wichtiger als alles andere. Das ist ein Lied über ihren Papa und dessen Krankheit. Amis Vater, Wally Warning, stammt von der Insel Aruba und er ist seit einer schweren Nervenerkrankung 2016, die ihn fast das Leben gekostet hätte, immer noch stark in seiner Mobilität eingeschränkt. Sein Glauben hat ihm sehr geholfen, seine Erkrankung einigermaßen zu überwinden und sogar an ihr zu wachsen. Familienzusammenhalt, das war den Warnings immer sehr wichtig. Das zeigte sich auch in der Corona-Zeit, als das Kulturleben nahezu komplett zusammenbrach. Die Familie eröffnete daher in München-Laim einen Kiosk, um finanziell über die Runden zu kommen. „Wir sitzen auf irgendeinem Hausdach, die Sonne ging gerade auf und ich wünsche mir, dass du glücklich bist“ – endlich einmal ein optimistischeres Lied ist „Hausdach“. Ebenso klingt „Bergauf“ an, in dem Ami singt: „Da wo man jetzt steht, geht es nur noch bergauf, weg von den dunklen Wolken und vom gestrigen Regen.“ Dazu erklärt die Sängerin: „Das ist ein Song für Freunde oder für jemand, der eine schwere Zeit durchmacht. Wir kommen da gemeinsam wieder raus.“

Über das Lied Gegenwind“ sagt Ami: „Auch Gegenwind gibt es immer, aber wir bleiben, wer wir sind. Das Lied ist ein Aufruf, positive Energien zu sammeln. So wie sich die Welt gerade entwickelt, kann man sich entmutigt fühlen. Man muss aber positiv bleiben.“

„Ich hab immer Zeit für dich, Tag für Tag für Tag.“ Jetzt tanzt Ami mit Isaac und Maxwell von links nach rechts und zurück.

Ami Warning hat, das kann man an diesem insgesamt unterhaltsamen Abend feststellen, eine gute, unglaublich soulige Stimme. Die 28-jährige Musikerin und Singer-Songwriterin erinnert an Tracy Chapman.

Vor dem letzten Lied, „Ich war dabei“ bedankt sich Ami artig bei ihrer Mama und bei Matthew, die am Merchandisingstand Souvenirs, CDs und Schallplatten verkaufen. Auch Dieter und Matthias vom Haberkasten wird gedankt, genauso wie David für den Sound und Cece für das Anheizen.

Cover von AnnenMayKantereit

Zugaben gibt es natürlich auch: „Fliegen“ mit dem Tipp: „Renn einfach los, weil es kann dich keiner mehr kriegen, wenn du erst anfängst zu fliegen.“ Und es wird auch ein Song von AnnenMayKantereit gecovert, einer deutsch singenden Pop- und Rockband aus Köln „Oft gefragt“. Mit dieser bekannten Gruppe trat Ami bei einem Event gemeinsam auf. Und an Auftritten mangelt es Ami Warning und ihrer vierköpfigen Band wahrlich nicht, wie ein Blick auf ihre Homepage ergibt.

Artikel 2 von 3