Ein Wagnis wird zum Glücksfall

von Redaktion

Carmina Burana mit drei Musikern im Kunstatelier

Mühldorf – So mancher konnte es schon kaum mehr erwarten: Endlich startete wieder die Konzertreihe im ganz besonderen Ambiente des Ateliers „Augenblicke“ der Künstlerin Silke von Clarmann. Vor gut einem Jahr hatte sie sich dort mit Erfolg etabliert. So war es kein Wunder, dass sich die Räumlichkeiten zum Beginn der neuen Saison sehr rasch gefüllt hatten. Es wartete aber auch eine Besonderheit auf die Besucher: Carl Orffs berühmte „Carmina Burana“ standen auf dem Programm, jedoch nicht von über 100 Musikern und Sängern aufgeführt. Die ursprüngliche Partitur zu mittelalterlichen Texten aus dem Kloster Benediktbeuern war reduziert auf die Musiker des Trios M.i.s.s mit Michaela Bauer am Akkordeon, Stephan von Clarmann mit seinem Vibrafon und Kontrabassist Stephan Gleiwitz. Dieses grandiose, weltberühmte Werk Orffs so zu reduzieren, ja fast zu skelettieren: War das nicht ein zu gewagtes Unterfangen?

Doch von Anfang an überzeugend führten die drei Musiker die Zuhörer immer wieder in die einzelnen Hintergründe der mittelalterlichen Texte ein, indem sie Bezüge zu den Gemälden im Atelier herstellten. So wurde beispielsweise „Uf dem Anger“ mit Bravour solointerpretiert von den prägnanten Rhythmen Stephan von Clarmanns am Vibrafon. Der ideale Rahmen dafür: die Bilder moderner Blütenstauden Silke von Clarmanns. Dazu spielte das Trio Orffs melodische Vielfalt aus bei einzelnen Liebesliedern wie dem „Amor volat undique“ und dem wunderbar zart dargebotenen „Stetit puella“, passend vor dem Porträt Marylin Monroes. Dabei rezitierten die Musiker einzelne Passagen der Texte, sodass wohl erstmalig vielen Zuhörern die Erotik dieser Chorgesänge klargeworden ist.

In der Musik Orffs waren – und dies verblüffte Musiker wie Besucher – die dargebotenen neuen Interpretationen von Grund auf eigentlich schon vorhanden. Das Skelettieren des gesamten Werks war also kein misslungenes Wagnis, sondern ein ausgesprochener Glücksfall. Dies bestätigten auch immer wieder die Zuhörer zwischendurch mit kräftigem Applaus. Der Erfolg war jedoch nicht nur der Programmgestaltung und den Musikern zu verdanken: Die Reise durch die „Carmina Burana“ fand ein begeisterndes Ende im großartigen Ambiente des Kunstateliers. Erika Fischer

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