Waldkraiburg – Er ist sicher einer der renommiertesten Chöre, den die Besucher im Waldkraiburger Haus der Kultur erleben durften: der Tölzer Knabenchor, diesmal mit seinem Programm rund um die Welt zur Adventszeit. Bereits 1956 war er in den ersten Rundfunkkonzerten zu hören, es folgten Reisen in fast alle Länder der Erde. Sie traten auf bei Festspielen von Bayreuth über Bregenz bis Salzburg, sangen zur Eröffnung der Olympiade 1972 in München unter der Regie von Carl Orff, häufig auch zusammen mit namhaften Orchestern wie den Wiener oder Münchner Philharmonikern, und ihre Solisten werden weltweit engagiert, zum Beispiel als die „Drei Knaben“ in Mozarts „Zauberflöte“. Seit 2023 ist vorrangig Unterföhring das Zuhause des Chors, denn so kann man im weiten Umkreis in den ersten Klassen der 80 Grundschulen besser auf Talentsuche gehen, übrigens auch bei Mädchen.
Mit solchen Vorschusslorbeeren bedacht, empfing das Publikum die Chorknaben mit drei Mädchen und ihrem Dirigenten Gerhard Jacobs mit Applaus, als sie in den großen Saal einmarschierten, eine lockere Truppe, die sich auf ihren Auftritt sichtbar freute. Bei ihren Liedern wurden sie stimmungsvoll begleitet von Lara Fonseca an der Harfe und dem Akkordeonspieler Josef Steinbacher. Ein russisches Lied von einem weißen Engel, der am Heiligabend erscheint, war eine erste Kostprobe von Chorgeschlossenheit, die vom ersten bis zum letzten Ton das gesamte Konzert hindurch anhielt, dabei auch voll auf jede Geste ihres Dirigenten fixiert. Im folgenden Lied aus der Ukraine stellten sie einen Bauern vor, bei dem Lämmer geboren werden. Eindrucksvoll, wie sie das leicht Schwermütige des Lieds zu Beginn anschwellen ließen, um sich dann sprachgewandt zurückzunehmen. Weiter ging die Reise nach Südkorea mit einem „Stille Nacht, in Dunkelheit gehüllt“, wie bei den meisten ihrer Lieder zunächst in der Landessprache, um dann mit einer deutschen Strophe zu enden. Einen großen Sprung vollzog der Chor, als er mit erdigem Klang Hirten in der australischen Wüste vorstellte, denen ein Solist mit glasklarer Stimme und fast körperlichem Einsatz „Silver Stars“ zeigte. In Südafrika wiederum erinnerten sich die aufgeweckten Tölzer Buben, dass sie auch dort die Weihnachtsgeschichte ankündigen sollten. Tänzerisch-flott wurde es, als danach ein Solist drei Könige aus Argentinien vorstellte, dem ein Trio mit mexikanischen Klängen folgte. Mit dem vehementen spanischen „Sempre bum, bum, bum“ ging es in die Pause.
Und schon beim zweiten Gong saßen fast alle Besucher wieder auf ihren Plätzen, um weiterhin den Auftritt der Tölzer Sänger zu genießen. Dies geschah beim „Engelsruf“ mit dem kräftigen „Gloria in excelsis Deo“, dem sie das flotte „Heißa Buama, steht‘s gschwind auf, lauft’s zu euren Herden“ folgen ließen. Ein weiterer Höhepunkt danach: das sogenannte geistliche Jodellied, der innig vorgetragene „Andachtsjodler“. Beeindruckend dabei immer wieder, wie reibungslos während eines Liedvortrags Solisten oder auch Dreiergruppen aus dem Gesamtchor nach vorne zum Dirigenten traten, so auch beim „Es wird scho glei dumpa“ des Österreichers Anton Reichinger. Als letztes alpenländisches Lied stimmten die Sänger an: „Da drobn auf‘m Berg, da wiegt Maria ihr Kind“, was mit einem kräftigen „Halleluja“ endete.
„Die letzten Lieder haben nichts mehr mit dem Weihnachtsgedanken von der Geburt Christi zu tun“, so der Dirigent, und als Erstes folgte die alte Volksweise „Oh Tannenbaum“ aus dem 16. Jahrhundert, von unzähligen berühmten Interpreten schon vorgetragen und von den Tölzern frisch gesungen.
Als Letztes erklangen die „Jingle Bells“ aus den USA, dem Temperament der Buben so richtig auf den Leib geschrieben, was mit nicht enden wollendem Applaus belohnt wurde. „Und jetzt sind Sie alle im Saal zum Mitsingen unserer Zugabe ‚Oh Tannenbaum‘ eingeladen“, bat der Chorleiter. Doch vom Publikum war nicht allzu viel zu hören, denn man wollte wohl mit dem perfekten jugendlichen Klang im Ohr den Nachhauseweg antreten. Erika Fischer