Mühldorf – Felix Kramer aus Wien-Ottakring im Haberkasten in Mühldorf: Dieser Abend hat sich gelohnt als gelungenes Alternativprogramm zum vorweihnachtlichen Gedudel aus den Lautsprechern der Christkindlmärkte. Und einmal mehr stellte man sich die Frage: Wie machen das die Österreicher, dass ihre Liedermacher so gute Texte und so passende Musik auf die Bühne bringen können – man könnte neidisch werden angesichts der vielen selbst ernannten Singer/Songwriter aus bundesdeutscher Produktion, die mit wenig Humor, aber dafür mit ganz viel Betroffenheit, durch die Lande ziehen.
Felix Kramer wurde von den Medien, aber auch vom Publikum mehr als nur einmal mit dem jungen Georg Danzer verglichen, von diesem „Ruf“ hat er sich allerdings längst freigeschwommen, das wurde im Haberkasten schnell hörbar. Kramer schafft es, aus Alltagssituationen heraus Texte zu schreiben, die manchmal sentimental, manchmal auch lustig, manchmal böse-ironisch, immer aber intelligent sind. Dass er sie mit hoher Qualität vortragen kann, das liegt an seiner unaufgeregten, guten Stimme und auch an seinem Können als Musiker. Kramer ist ein erstklassiger Gitarrist, für den Rest sorgten im Haberkasten seine nicht minder professionellen Mit-Musikanten Max Wintersberger am Klavier, Clemens Pöchhacker am Schlagzeug und Sebastian Gansch am Bass, die mit ihrem „Frontman“ Felix Kramer eine Gemeinsamkeit teilten: sie sind technisch perfekt, aber das in einer Lässigkeit, von der man sofort spürt, die tun nicht nur cool, die sind das auch – typisch wienerisch eben.
Die Texte, die Felix Kramer in seine Musik packt, erzählen Geschichten, nicht alle sind fröhlich oder gar lustig, aber sie sind auf jeden Fall hörenswert, weil Kramer sie aus dem Leben heraus packt. „Vielleicht bis es eh du“ ist so ein Lied, in dem sich mancher Zuhörer schnell wiederfindet: da lebt man jahrelang mit jemandem zusammen, eigentlich weiß man nicht, warum, vielleicht weil es bequem ist, vielleicht, weil man sich daran gewöhnt hat, vielleicht, weil man nicht allein sein will, wenn man nach Hause kommt – oder vielleicht doch, weil sich aus allen diesen Aspekten die echte Liebe zusammensetzt?
Felix Kramer bewies im Haberkasten, dass man auch so ein Thema besingen kann und das, ohne dabei Tränen in den Augen zu haben. Oder auch seine Erinnerung an die Zeit, als er noch richtig jung war, als die Freiheit noch aus dem Geruch des Schwimmbad-Chlors, dem Zungenkuss in der letzten Reihe des Schulbusses und dem Geschmack fettiger Pommes bestand. „Oh, wie schön das Leben ist“, Titelsong seiner neuen LP, mag ein bisserl wehmütig klingen – aber dahinter steckt auch die Frage: Warum muss denn eigentlich irgendwann das Leben so fad werden? Felix Kramer zeigte im Haberkasten: nein, das muss nicht sein, und wer es nicht glaubt, der sollte ganz einfach ein Konzert von Felix Kramer besuchen, es lohnt sich auf jeden Fall – das Publikum im Haberkasten war auf jeden Fall schwer begeistert, klatschte viel Beifall und wurde am Ende sogar noch mit Weihnachtsliedern belohnt.krb