Gleich zwei Konzerte in einem

von Redaktion

Pianistin Anna Heller und Akkordeonistin Jutta Winter spielen im Kulturbahnhof

Mettenheim – Für die Kulturfreunde Mettenheim veranstaltete die ehemals Münchner Akkordeonistin Jutta Winter ein wahrlich seltenes Konzert im Kulturbahnhof. Zusammen mit der Pianistin Anna Heller nannte sie die Veranstaltung „Klassik für die Sinne“. Das Markante an der Veranstaltung erkannte ein Besucher schon in der Pause, als er bemerkte: „Zwei Konzerte zu einem Preis“, womit er den Kern der Sache eigentlich getroffen hatte.

Das Konzert begann Anna Heller am Flügel mit dem Vortrag des Adagios aus dem d-Moll-Konzert von Alessandro Marcello in der Bearbeitung von Johann Sebastian Bach. Die aus Russland stammende Konzertpianistin trug ihre Fantasien aus dem Klassikstück kraftvoll und überzeugend vor. Mit ihrem technischen Können und Musikgefühl brachte sie ihre Empfindungen „spielerisch“ in den leider etwas schwach besuchten Kulturhof Mettenheim.

Die mit ihrer Präzision überzeugende Künstlerin konnte auch anschließend bei zwei romantischen Impromptus von Franz Schubert und bei Clara Schumanns Notturno in D die Sinne der Besucher erfolgreich ansprechen. Wahrlich überwältigend war ihr Vortrag von Frederic Chopins Notturno in cis, einem Paradestück aller Klaviervirtuosen.

Am Ende des ersten Teils überraschte die vielfach am Akkordeon ausgezeichnete Meisterin Jutta Winter mit einer Komposition des 21. Jahrhunderts. Nach den wohlklingenden Melodien und Tönen am Flügel begann sie auf ihrem großen und schweren Akkordeon mit lauten, manchmal abgehackten Geräuschen eine ganz andere Stimmung im Saal zu erzeugen. Dieses viersätzige Werk, eine Komposition von Dorothee Eberhardt, erzeugte plötzlich ganz andere Gefühle im Besucher. Es schien der erste Satz eine Vorstellung aller Töne, eher Geräusche, die mit dem Instrument darstellbar sind, dann wirkte die Musik sphärisch, einmal schien man in der Schaltzentrale eines Raumschiffes zu sein und zuletzt erlebte man ein Chaos irgendwo im All.

Alles war durchaus spannend, aber so gänzlich konträr zum vorangegangenen Spiel der romantischen Stücke. Das war wohl auch der Anlass für den Ausspruch des Besuchers in der Pause: „Zwei Konzerte zu einem Preis“.

Den zweiten Teil begann Anna Heller wieder am Flügel mit den gewaltigen und doch so lieblichen Vorträgen von Franz Lists Liebestraum Nr. 3 und dem Ständchen „Leise flehen meine Lieder“. Sie brillierte wieder mit ihrem gefühlvollen Spiel.

Anschließend trug Jutta Winter spanische Akkordeonstücke vor. Beim spanischen Volkstanz Malaguena von Ernesto Lecuona und bei der Suite „Asturias“ von Isaac Albinez zeigte die Künstlerin ihr Verständnis für spanische Musik und auch ihr großes Können am Instrument, was bei dem Stück „D’accord“ vor der Pause nur geahnt werden konnte. Das spanische Temperament, die Freude und Trauer, die Tänze, Rhythmen und Melancholie zauberte sie sekundenschnell und präzise in den Kulturhof, den sie voll beschallte.

In dem variationsreichen Werk von Cecile Chaminade und mit ihrer Ausführung von George Gershwins „Rhapsody in Blue“ bewies die Pianistin Anna Heller am Schluss, dass sie auch in der Moderne zuhause ist. Nach langanhaltendem Applaus gewährte Anna Heller noch eine kurze Zugabe.

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