Aus Don Giovanni wird Graf Hansi

von Redaktion

„Opern amoi anders“ gastieren mit dem Trio Tonale im Kulturschupp‘n

Mühldorf – Brigitte Oberkandler, Max Dietrich und Dr. Hans Küsters erzählen große Opern in bayerischer Mundart in einer gekürzten Fassung. Mit diesem Genre touren sie erfolgreich durch die Region, so wie es auch schon Conny Glogger, Gerd Anthoff und Michael Lerchenberg gemacht haben. Jetzt sind die ersteren wieder einmal im Kulturschupp‘n aufgetreten.

Auf musikalischer Seite wurden sie dabei vom „Trio Tonale“ unterstützt, hinter dem sich Gerlinde und Ernst Hofmann nebst Stefan Schrag verbergen. Schrag beherrscht sein Saxofon meisterhaft, das Ehepaar Hofmann glänzt auf Bass und Keyboard.

Das Dilemma
des Regisseurs

In seiner Begrüßung beschreibt der Wasserburger Max Dietrich, früher Konrektor an der Mittelschule Haag, das Dilemma, in dem sich Opernregisseure heute oft befinden: „Soll die Oper puristisch sein, das heißt, so wie früher, so wie der Komponist sein Werk konzipiert hat, oder soll sie modern sein, um vielleicht auch jüngere Zielgruppen zu erreichen?“ Dietrich zitiert den französischen Komponisten Claude Debussy, der selbst Opern geschrieben hat: „Oper ist eine hübsche Unterhaltung, die noch besser wäre, wenn nicht dabei gesungen würde.“ Und genau das setzten die Erzähler auf der Bühne des Haberkastens dann auch um.

Das Sextett begann mit „Tosca“, einer Oper von Giacomo Puccini. Sie spielt im Juni 1800 in Rom – „eine Oper in drei Akten mit vier Leichen“, wie es angekündigt wurde. Die handelnden Charaktere:

Floria Tosca ist eine Primadonna und mit Mario liiert. Mario Caravadossi hingegen – isst angeblich in der Pause Kabanossi – ist Maler. Da kommt Angelotti, ein entflohener Gefangener, in die Kirche, in der Mario malt. Der Maler versteckt seinen Freund Angelotti in diesem Gotteshaus.

Baron Scarpia, Polizeichef in Rom sucht den entflohenen Gefangenen, findet ihn nicht und nimmt Mario fest, will von ihm äußerst brutal wissen, wo Angelotti ist: „Im Nebenzimmer hört man ein Poltern, da tun sie den Mario foltern. Der oberste Polizist Roms ist „ein Lüstling und ein Wüstling, er tut auf Toscas Busen glotzen, da gibt die ihm eine Fotzen“, wird auf gut Bairisch die Handlung nacherzählt.

Tosca ersticht Scarpa – Leiche Nummer 1. Im weiteren Verlauf der Oper sterben auch Mario und Angelotti, Tosca stürzt sich daraufhin von den Zinnen der Engelsburg und wird so zur vierten Leiche. Zwischen den einzelnen Akten kann man sich an den musikalischen Zwischenspielen des Trio Tonale erfreuen.

Nach Puccini ging es mit dem „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Titelfigur, ein zügelloser Edelmann und in dieser Fassung ein Alpencasanova, wird wie folgt beschrieben: „Waren die jungen Damen von der Jungfernschaft befreit, sucht Don Giovanni schnell das Weit“.

Die drei Erzähler verlegten die Handlung aus dem heißen Spanien in den bayerischen Alpenraum, aus Don Giovanni wurde „Graf Hansi“: Auch hier trieb er sein perfides Spiel mit der Weiblichkeit weiter: „Mit Liese geht es auf die Wiese, die Nachbarstochter, eine flotte namens Lotte.“ Doch das Glück wendet sich, für seinen verwerflichen Lebensstil kommt Graf Hansi in die Hölle.

Gaetona Donizetti zeichnet für die Oper „Der Liebestrank“ verantwortlich, die im 19. Jahrhundert in Südeuropa spielt. Bauer Nepomuk – im Original heißt er Nemorino – liebt die reiche Adina, die im Kulturschupp‘n zu Alma wird, die ihrerseits aber den schönen Soldaten Belcore liebt: „Ein Sergeant, er heißt Belcore, redet immer von Amore.“

So verfällt Nepomuk in den Liebeskummer, aus dem ihn nur ein wundersames Elixier retten kann: „Ist man vor unglücklicher Liebe krank, hilft vielleicht ein Liebestrank.“ Den kauft Nepomuk vom Quacksalber Dulcamara. Der hätte auch „Dattelcreme – hilft bei jedem Ekzem“ oder „grüner Nesselsaft – stärkt die Manneskraft“ im Angebot.

Das wundersame Elixier kostet 15 Taler, für Nepomuk gibt es einen Sonderpreis: „Für dich nur zwölf Taler – denn ich bin ein Christsozialer.“ Markus Söder lässt grüßen.

Nepomuk probiert den angeblichen Liebestrank – in Wahrheit ist es eine Flasche Rotwein – bei einer Hochzeit aus und hat viel Erfolg bei den weiblichen Gästen. Alma wird nun eifersüchtig und entscheidet sich dann doch für Nepomuk, zumal dieser von einem reichen Onkel einen schönen Batzen Geld geerbt hat. So gibt es für Alma und Nepomuk ein Happy End: „Wenn auch nicht alles wie gewollt – jetzt ist ihnen das Glück doch hold.“

Die „Aida“ in
fünf Minuten

Auch eine Zugabe hatten die Künstler im Gepäck. Wie Max Dietrich verriet, hatte man nach Opern gesucht, die sich kurz und bündig zusammenfassen lassen. So stieß man schließlich auf „Aida“ von Giuseppe Verdi. Die tragische Liebesgeschichte von Aida, Amneris und Radames, sonst gern als Mammutproduktion auf die Bühne oder die Arena gebracht, wird in fünf Minuten erzählt. Sogar den berühmte Triumphmarsch intonierten die drei Musiker. Nach zwei Stunden endet im Kulturschupp‘n ein vergnüglicher Abend. Man freut sich schon auf die nächste Ausgabe von „Opern amoi anders – bayerisch, witzig, schräg“.

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