Starke Frauen, starke Musik

von Redaktion

Die „Desperate Brasswives“ begeistern bei ihrem Konzert im Haberkasten

Mühldorf – Brassbands sind seit einigen Jahren aus den Veranstaltungskalendern nicht mehr wegzudenken: Was mit „La Brass Banda“ begonnen hat, fand seine Fortsetzung mit einer ganzen Reihe von Bands, die sich der Blasmusik verschrieben haben, Festivals wie das „Woodstock der Blasmusik“ feiern Publikumsrekorde.

Enorme
Bühnenpräsenz

Aus den vielen Musikgruppen, die mit blankpolierten Instrumenten auf den Bühnen stehen, sticht eine aber immer noch heraus: die „Desperate Brasswives“. Neun fesche Dirndln aus Bayern und Österreich haben sich mit Charme, einer mitreißenden Show und vor allem mit einer unglaublichen Bühnenpräsenz einen festen Platz in den Ohren des Publikums erspielt. Mit ihrem Können begeisterte die muntere Truppe jetzt im Mühldorfer Haberkasten.

Es war eine gute Idee der Veranstalter, den Saal im Haberkasten mit nur ganz wenigen Stühlen und Tischen zu bestücken, sind doch die „Brasswives“ dafür bekannt, dass es ihr Publikum nicht lange auf den Plätzen halten wird – zu mitreißend die Musik. Schon nach den ersten Takten wurde der Saalboden zur Tanzfläche. „Girls just wanna have fun“, der Partyklassiker von Cyndy Lauper stand nicht ohne Grund ganz oben auf der Playlist, er dürfte das Motto der Band sein. Das Publikum erwies sich vom Start weg als ausgesprochen textsicher, denn auch beim „Schrei nach Liebe“, im Original ein Titel der „Ärzte“, wurde lautstark mitgesungen, nicht nur vom ganz jungen, sondern auch beim Publikum in den besten Jahren. Denn das ist offenbar ein besonderes Talent der „Desperate Brasswives“: Sie schaffen es, mit ihrem Sound, der ebenso in die Ohren wie in die Beine geht, jedes Alter zu begeistern. Das klappt auch nicht nur mit den Cover-Versionen bekannter Klassiker aus Funk und Soul, sondern auch mit selbstkomponierten Titeln: „Koa Zeit, koa Geld“ gehörte zu diesen kleinen Perlen ebenso wie das Lied über „Andreas“.

Getragen wurde das Konzert neben der gelungenen Zusammenstellung der Playlist aber in erster Linie vom Können der neun Damen und zwei Herren: Alle sind sie professionelle Musikerinnen und Musiker. So klappte jeder Einsatz blind. Es war zu hören, dass die „Brasswives“ nicht erst seit gestern zusammen auf der Bühne stehen. Ob Trompete oder Posaune oder Tuba, dazu der treibende Rhythmus des Schlagwerks: Es ist der Sound der großen Big Bands, der in den Jahren dünner Technomusik so schmerzlich vermisst wurde. Das gilt ebenso für die Stimmen der Bandmitglieder: Ob solo oder im Chor, es war immer viel Volumen im Spiel – aber da gab es dann auch den einzigen Kritikpunkt an dem ansonsten perfekten Konzert: Hier hätte es eine bessere Aussteuerung der Solostimmen gebraucht, damit man sie auch im hinteren Bereich des Saales gut hätte hören können.

Richtiges Rezept
gegen Winterblues

Doch das Fazit bleibt positiv: Es war das richtige Konzert zur richtigen Zeit: besser hätte man den diesig bis dunklen Winter nicht unterbrechen können: ein paar Stunden Fröhlichkeit – damit haben die „Desperate Brasswives“ schon viel erreicht. Hinterlassen haben sie außer der guten Stimmung auf jeden Fall den Wunsch, dass sie sich wieder hören und sehen lassen im Haberkasten. krb

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