Klassik trifft Tango im Ahnensaal

von Redaktion

Ausverkauftes Konzert im Kloster Zangberg – Musikalische Reise von Ungarn über Irland in die USA und nach Lateinamerika

Zangberg – Der Förderverein der Musikfreunde Mühldorf bot im Zangberger Kloster ein Konzert von außergewöhnlich klanglicher Raffinesse. Vier musikalische Meister hatten bekannte Werke aus Irland, Ungarn und Südamerika bearbeitet und brachten sie nun erstmals gemeinsam mit ihren Instrumenten und Fähigkeiten zu Gehör. Die Stimme von Christine Enghofer, das Piano von Eva Barbarino, die Geige von Thomas Breitsameter und das Akkordeon von Janusz Myschur zauberten an diesem Abend Klänge in den völlig ausverkauften großen Saal, die irische Mystik, die ungarische Puszta und lateinamerikanische Tanzfreude versprühten.

Eva Barbarino stimmte solistisch mit ungarischen Weisen von Franz Schubert die Besucher ein. Eine weitere ungarische Melodie boten Janusz Myschur am Akkordeon und Thomas Breitsameter an der Geige. Eine weitere Melodie und einen Csardas präsentierten dann Eva Barbarino am Flügel und Janusz mit der Klarinette.

Hier begann, was sich im Laufe des Konzertes noch oft offenbarte: Die Künstler sind nicht nur Meister auf einem Instrument.

Beim Lehar’schen Operettenlied „Hör ich Cymbalklänge“ erwies sich, dass die Sopranistin an diesem Tag wieder „ganz bei Stimme“ war. Bei jedem Tempo und in jeder Höhe kamen ihre Töne locker und frei über ihre Lippen. Das kleine „Orchester“ lieferte dazu eine perfekte Begleitung, wobei jeder auf seinem Instrument, nicht nur bei Soloteilen, eine ungeheure Virtuosität bewies.

Noch vor der Pause wechselten die pulsierenden Pusztaklänge zu geheimnisvollen irischen Weisen, die Christine Enghofer locker in der Landessprache vortrug. Hier kamen Blockflöten zum Einsatz. Die Sopranistin brillierte selbst kurz bei irischen Melodien, wobei Eva Barbarino abwechselnd auf Alt- oder Sopranflöte oft schmückend untermalte. Später zauberte Eva Barbarino bei einem argentinischen Tango sogar noch aus einer Tenorflöte höchste Triller und lang anhaltende Töne. Wenn die Sopranistin dabei nicht sang, begleitete sie ihre Kollegen mit ausgefeiltem Spiel auf dem Flügel.

Bevor die Tänze der Argentinier erklangen, stellte das Quartett mit Liedern von George Gershwin amerikanische Klangwelten vor, die in dieser Besetzung und Perfektion etwas Besonderes darstellten.

Immer, wenn die vier Musiker gemeinsam auftraten, war ihre Freude am Musizieren besonders deutlich. Ganz selbstverständlich nahmen sich die anderen zurück, wenn für ein Instrument ein Soloteil anstand. Es war eine Freude zu sehen, wie sie sich verstanden. Christines Sopran hatte nie Probleme, gegenüber den drei Begleitern zu bestehen.

Erwähnenswert ist hier, dass manche Liedeinleitung vom Flügel nicht durch die Tastatur geschah. Eine besondere Klangfarbe entstand durch das Zupfen der Saiten im Korpus. So war in diesem Konzert jeder Solist bereit, seinem Instrument besondere Klänge zu entlocken. Die Stimme der Sängerin war an diesem Abend ganz gelöst, auch als sie im zweiten Teil die Tangos in südamerikanischen Dialekten beherrschte und dazu handliche Rhythmusinstrumente einsetzte.

Der Beifall endete mit vielen Bravorufen. Dafür gab’s zwei Zugaben. Karl-Heinz Jaensch

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