„De Greislichn sitzn heid hindn“

von Redaktion

Angela Ascher erteilt ihrem Publikum im Haberkasten eine Lektion in Selbstliebe

Mühldorf – Wenn sie auf der Bühne steht ist jede Menge Unterhaltung angesagt: die Schauspielerin und Comedian Angela Ascher. Am Wochenende feierte sie im Haberkasten ihre Bühnenpremiere in Mühldorf – und das mit sehr großem Erfolg. Die Tickets zu ihrer Veranstaltung waren rasend schnell ausverkauft.

Geborene Entertainerin

Im vergangenen Jahr hatte ihr Comedy-Programm „Verdammt, ich lieb mich“ Premiere. Seitdem sorgt sie für volle Säle, flotte Sprüche und gute Laune. Bereits bei der Begrüßung wurde ordentlich gelacht, als sie sagte: „Ah, i seh scho. Die Scheenen sitzn vorne und die Greislichn hindn.“ Das fing ja schon gut an und bereits da war klar: Diese Frau ist die geborene Entertainerin.

Ein „Duckface“
für das Selfie

Bevor sie mit ihrem Programm loslegt, gab es jedoch zuerst noch ein Selfie mit ihrem Publikum. Schließlich sind Selfies heutzutage einfach Pflicht bei jedem Event. Logisch, dass jeder dazu auch noch das typische „Duckface“ machen musste. Wie es am besten funktioniert, erklärte Ascher: „Schaut doch einfach mal so wie Kathy Hummels, wenn sie im Bikini zum Kindergarten geht und ihre Selfies für Insta macht.“ Bei diesem Gedanken musste jeder automatisch grinsen und so gelang das Selfie von Angela Ascher und ihrem Publikum perfekt.

Erfrischend und fröhlich haute sie einen flotten Spruch nach dem anderen raus und sprach dabei wohl insgeheim dem einen oder anderen Besucher aus dem Herzen. Mit ihrer Mimik verlieh sie ihren Geschichten noch mehr Dramatik, und auch ihr rollendes „R“ gehört zu ihrem Markenzeichen. Bei Ascher kam alles auf den Tisch, was die Welt bewegt. Dazu zählten die typischen Frauenprobleme, pubertierende Teenager, Sex im Alter und viele weitere Themen. Amüsieren durfte man sich auch über die Schwierigkeiten, das passende Kleid zu finden oder über die Teenager-Tochter, die feststellt, dass die Mama ihre Skinny Jeans auf gar keinen Fall mehr tragen könne, weil ältere Leute besser weite Sachen anziehen sollten, die locker aus der Zeltabteilung stammen könnten. Dass das alles andere als sexy aussieht, ist klar. Doch was tut Frau, wenn die modischen Zeiten, in denen Mama noch ihre Jennifer-Lopez-Gedächtnishosen tragen konnte, längst vorbei sind? Sie zieht einen trendigen Damen-Anzug an und sieht wieder aus wie die geborene Fashionista.

Nebenbei bekamen auch Neider, Geldgierige, dem Schönheitswahn verfallene, von Eifersucht getriebene, Blender, Intriganten, Helikopter-Mütter, Veganer, KI, Promis, die Social-Media-Welt und viele andere mehr ordentlich ihr Fett ab. Dabei sind Aschers humorvoll verpackten Geschichten mitten aus dem Leben.

Für sie ist klar: Auch der Perfektionszwang im Internet sorgt dafür, dass sich keiner mehr so liebt, wie er ist. Dabei sei Selbstliebe doch enorm wichtig, auch fürs Ego. In „Verdammt, ich lieb mich“ geht es jedoch um weitaus mehr als nur um Selbstliebe. Hier stehen Freundschaften, Zeit, Erinnerungen, Empathie, Liebe, Ehrlichkeit, Partnerschaft, Familie, Älterwerden und viele andere wirklich wichtige Dingen auf dem Programm.

Ordentlich etwas zu lachen gab es auch, als Ascher Promis und Politiker auf die Schippe nahm über ihre allerbeste Freundin Elfe und ihre zweitbeste Freundin Vicky erzählte, in ihre eigene Kindheit zurückblickte und Tipps gab, wie man den perfekten Partner findet. Wer denkt, dass Tinder und Co. der beste Weg sei, um seinem Liebesglück auf die Sprünge zu helfen, irrt sich gewaltig. Angela Ascher ist sich sicher: Auf Ebay findet man einfach alles. Von Haushaltsgeräten bis hin zum Auto – und dem perfekten Partner fürs Leben. Und so verriet sie, wie sie ihren jetzigen Ehemann über Ebay kennengelernt hat, und hoffte, dass er sie auch noch nach 30 Jahren genauso liebt wie sein altes rostiges Auto.

Man erlebt Angelas Kindergartenzeit, in der sie einen Streich nach dem anderen ausheckte, ihre erste Liebe Ludwig, ihre schönste Rolle im Leben – nämlich die als Mama – bis hin zu der Frau, die sie heute ist.

Vorbild: Politiker finden sich gut

Auch die Politik durfte in ihrer Show nicht fehlen. Schließlich sind Politiker so sehr von sich überzeugt, dass sie buchstäblich in Selbstliebe baden. Davon könnten sich die normalen Bürger eine ordentliche Scheibe abschneiden, fand Ascher. „Überall hängen Wahlplakate herum. Auf Habecks Wahlplakat würde stehen: Alle elf Minuten verliebt sich ein Habeck in sich selbst“, meinte Ascher. Und wer kennt sie nicht, die Wahlplakate mit dem völlig ausgemergelten Merz und dem kräftig gebauten Söder? Bei Aschers Bühnenshow wurde niemand vergessen, über den man sich amüsieren konnte.

„Verdammt,
ich lieb mich“

Nach zwei Stunden gibt die Comedian ihrem begeisterten Publikum noch etwas ganz Wichtiges mit auf den Weg: „Wenn ihr heute Nacht heimkommt, dann stellt euch vor den Spiegel und sagt zu euch: Verdammt, ich lieb mich“. Ein weiser Rat, den sich jeder zu Herzen nehmen sollte, denn mit jeder Menge Selbstliebe und viel Humor ist das Leben doch viel einfacher und schöner. Angela Ascher macht es vor.

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