Der Balkan trifft auf Paris

von Redaktion

Orchestra Mondo schreibt im Haus der Kultur musikalischen Liebesbrief an die Welt

Waldkraiburg – Mit geschlossenen Augen konnte man sich wahlweise auf einen sonnengetränkten Place in Paris, in eine verrauchte Jazzbar oder in ein quirliges Straßencafé auf dem Balkan versetzen lassen – so farbenfroh und facettenreich war die musikalische Reise, die Orchestra Mondo im Waldkraiburger Kulturhaus anbot. Vier virtuose Musiker entführten ihr Publikum mit technischer Perfektion, ansteckender Spielfreude und einem feinen Gespür für Stimmungen in eine Welt voller Rhythmen, Emotionen und Geschichten.

Klangliche Weite
und feine Nuancen

Schon der Auftakt mit einem Tango des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla machte unmissverständlich klar: Hier sind Musiker am Werk, die ihr Handwerk nicht nur beherrschen, sondern auch leben. Anja Baldauf, die mit Akkordeon und Melodika sowohl klangliche Weite als auch feine Nuancen ins Spiel brachte, führte die Zuhörer charmant durch den Abend. Unterstützt von Dennis Wendel am fünfsaitigen Kontrabass, Raffael Müller mit bestechenden Gitarrensoli und Stefan Baldauf, der mit seinem Schlagzeug für rhythmische Tiefe sorgte, entstand eine Klangwelt, die mitreißend und intensiv zugleich war.

Von Argentinien nach Paris, von Berlin bis zum Balkan – die Setlist war eine Hommage an die Musik der Welt. Ob das zarte „Amite“ aus der Feder von Anja Baldauf, mit dem sie eine Liebeserklärung an die Freundschaft mit ihren Musikerkollegen umsetzte, die mit einer französischen Valse-Musette-Sehnsucht verzauberte, oder das melancholisch-schöne „Djelem Djelem“, die internationale Roma-Hymne, die Baldauf einst auf einer Balkanreise entdeckte – jedes Stück hatte eine Geschichte, jedes Arrangement eine ganz eigene Handschrift. Besonders eindrucksvoll war das Bass-Intro bei „Bei dir war es immer so schön“ – gespielt mit dem Bogen auf der fünften Saite, sodass ein fast celloartiger Klang entstand. Ein Gänsehautmoment, den das Publikum mit begeistertem Applaus belohnte.

Wie ein roter Faden zog sich die Spielfreude der vier Musiker durch den Abend. Ein Höhepunkt war Raffael Müllers virtuos gespielte Gitarre: Gipsy-Swing vom Allerfeinsten, rasante Tempi, fliegende Finger auf den Saiten – Django Reinhardt wäre sehr zufrieden damit gewesen, wie Müller und seine Mit-Musikanten den legendären „Minor Swing“ auf die Bühne und in die Ohren brachten. „Sie lieben, was sie spielen“, hatte man über Orchestra Mondo einmal geschrieben – und genau das war mit jedem Ton spürbar.

Es war ein Konzertabend, der den Alltag in weite Ferne rückte, eine Einladung, sich mitnehmen zu lassen auf eine Reise voller Poesie, Leidenschaft und Nostalgie. Orchestra Mondo spielte nicht nur Musik, es erzählte Geschichten, mal temperamentvoll und voller Energie, mal sanft und verträumt. Und so endete der Abend mit langem und verdientem Applaus und glücklichen Gesichtern im Publikum. Ein Liebesbrief an die Musik, an die Welt – und an das Leben selbst.

Das Orchestra Mondo war nicht zum ersten Mal im Haus der Kultur zu Gast – und hoffentlich nicht zum letzten Mal, denn das Publikum freut sich, man hörte es am Beifall, schon auf das nächste Mal.

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