Waldkraiburg – Die beiden Künstlerinnen sind beide in Bayern aufgewachsen, hätten beide oftmals Stipendien erhalten, zahlreiche Ausstellungen in verschiedenen Ländern präsentiert, leben derzeit beide in Berlin. Und doch haben sie auf den ersten Blick grundverschiedene Arbeiten geschaffen. „Aber gerade deswegen passen sie recht gut in unsere Städtische Galerie im Haus der Kultur, die immer wieder auch grundlegend Neues präsentiert“, so Kulturreferentin Lydia Partsch in ihrem Grußwort.
Unterbrochen
oder überlagert
Dem schloss sich Museumsleiterin Elke Keiper an, als sie überlegt habe: „Irritiert es nicht, so Grundverschiedenes zusammen zu zeigen?“ Und so mancher Besucher mag nach den ersten Blicken in die Ausstellung dasselbe gedacht haben. „Da ist Erika Krause, die entweder auf hellem oder sehr dunklem Untergrund texturierte Farbschichten fleckartig aufträgt, von zurückhaltenden, gebremst wirkenden Zeichen, Markierungen unterbrochen oder überlagert. Man wird ins Verhältnis gesetzt mit diesen atmenden Flächen“, so die Museumsleiterin, „die Bilder von Franziska Hufnagel dagegen erscheinen überquirrlend, man kann einem Augenballett folgen, Wortbilder tauchen auf, werden zu Kürzeln.“ Die Künstlerin sei gerade in ihren jüngeren Werken stark beeinflusst worden von der ‚Weltmaschine‘ des Österreichers Franz Gsellmann, die im Zeitraum von 1960 bis 1980 auf einer Fläche von zwölf Quadratmetern entstanden ist, aus tausenderlei Maschinenteilen, Glühlampen, Schriftzügen und in zwanglos kreisenden bunten Bewegungen elektrisch angetrieben. „Schauen Sie sich den Film dazu in unserem Vorführraum an“, forderte Keiper auf , „und Sie werden in den Bildern von Franziska Hufnagel vieles davon entdecken – Schönheit und Aberwitziges, womit wir beim Gemeinsamen der beiden Künstlerinnen wären.“
Danach gefragt, woher der Ausstellungsname komme, meinte Erika Krause, beim Reifendrehen entstünden Träume, denen man folgen müsse. Und damit hatte sie wohl recht, denn eine konkrete Wirkung beim Betrachter steht wahrscheinlich nicht im Mittelpunkt der Absicht beider Malerinnen. Es wird eher an seine Vorstellungskräfte appelliert, vor einem Bild mehr als die herkömmlichen sieben Sekunden zuzubringen.
Man muss tatsächlich einen seitlichen Blick auf die Farbflächen Erika Krauses werfen, um zu erkennen, wie Schichten aufgebaut wurden, auf denen die überlagernden Zeichen, Markierungen und Felder erkennbar sind. Sie überziehen, mit Tusche, Wachspastell oder Filzstift aufgetragen, die Farbflächen und schaffen Netze und Zonen. Diese Wirkung kommt besonders zustande, wenn man ihre Arbeiten auf Holzplatten oder Sperrholz betrachtet.
Bei Franziska Hufnagel setzte sich in den letzten 20 Jahren eine neue Strukturierung durch: Sie nahm Abschied von eher figurativen Erzählungen und begann, malerische Flächen mit Trennlinien zu „Bildern im Bild“ zu arrangieren. Es entstanden Muster von unterschiedlicher Farbstärke, die einen Raum beherrschen. Die häufig großformatigen Arbeiten lassen den Betrachter immer wieder nach Bezugspunkten suchen.
Weltmaschine
mit Glühlampen
Man will manchmal krampfhaft eine Erklärung: Die Augen wandern durch Ornamente, Formen, Farben und Linien und bunte Bilder in Schmuckschrift. Gerade diese jüngeren Werke sind Hinweise auf die „Weltmaschine“ mit bunten Glühlampen von Franz Gsellmann, die Franziska Hufnagel in ihr Bildgestaltungsschema übernimmt, mit den vier Grundfarben Schwarz, Grün, Rot und Blau. Darin baut sie Zahlen, Röhren, Ampeln und Schwungräder ein, die den Betrachter von links nach rechts „lesen“ lassen.
So muss man letzten Endes Lydia Partsch recht geben, die meinte: „Man muss sich für diese Bilder Zeit nehmen!“
Die Gelegenheit dazu hat man zum Beispiel bei jedem Besuch und bei einer Abendführung am 12. März um 18 Uhr. Die Ausstellung ist bis zum 6. April Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.