Mühldorf – Wenn Fasching in Mühldorf ist, dann gehört er eigentlich schon zum Inventar im Haberkasten. Regelmäßig besucht Ecco DiLorenzo mit seiner zehnköpfigen Truppe die Stadt am Inn, um Soul und Funk in bester musikalischer Manier zu präsentieren. Ein Energiebündel, das da auf der Bühne steht. Man möchte kaum glauben, dass Frontman Ecco Meineke schon 64 Jahre alt ist.
Aber mit zunehmender Dauer des Konzertes kann auch er tatsächlich nicht mehr verhehlen, dass er nicht mehr zu den Jüngsten gehört, die Stimme nach 40-jähriger Bühnen-Karriere gelitten und nicht mehr die Strahlkraft von früher hat. Glücklicherweise kann er dann auf sein Background-Trio zählen. Denn immer, wenn eine der drei Damen ins Rampenlicht tritt, dann brennt die Hütte.
Miss Curly Crunch
übernimmt das Ruder
Für die wirklich großartigen Momente des Konzertes sorgt in erster Linie Miss Curly Crunch (Carolin Roth), die stimmgewaltig aus dem Schatten von Ecco tritt, wenn sie „Ain‘t No Mountain High Enough“ inszeniert.
Miss MyLove (Meredith A. Murray) begeistert, absolut energiegeladen, mit ihrer Interpretation von Rapper‘s Delight. Miss Sugar Kane darf auch mal ran. „I Want To Take You Higher“, performt sie. Das schafft sie. Die Zuhörer kommen schnell auf Betriebstemperatur.
Zweifellos: Die Musiker, die Ecco Meineke da hinter sich versammelt, sind einsame Klasse. Allen voran Bassist Piot Tictacowski, der unermüdlich seinen Fünf-Saiter beackert. Virtuos zupft und slappt er den Bass, ein wahrer Könner seines Fachs. Cool Daddy G. souverän an den Keys, Mr. Bubbles schrubbt gekonnt die Gitarre. Heinz Dauhrer (Big Boy Godzilla) brilliert an der Trompete. Posaunist Tom Shreve tut es ihm gleich, nur leider dringt er fast nicht durch, zu leise sein Mikrofon an diesem Abend.
Immer wieder ertappt man die Combo dabei, dass sie gängige Melodien in ihre Soul-Nummern untermischt. „I Like To Move It“ kommt in der Kombination mit „Sex Machine“. Jackie Wilsons „Higher & Higher“ korrespondiert da plötzlich mit dem Bob Marley-Klassiker „One Love“. Soul meets Reggae. Was mit den Blues Brothers beginnt, geht nahtlos über in Aretha Franklins „Think“. Einfach herrlich. Das kann niemand besser als Ecco und Co.
Dann hören die Haberkasten-Besucher, einige tatsächlich in Eccos Alter, eine Fast-Premiere. „Leave The Door Open“, eine Nummer, die Bruno Mars zusammen mit Anderson Paak als Duo eingesungen hat. Tags vorher hatte er sie schon gespielt, Premiere sagt er, so auch im Haberkasten. Aber es ist nicht die beste Wahl für Eccos Stimme, für Bruno Mars reicht es einfach nicht mehr. Zu hoch. Seine DiLorettes springen ihm zur Seite, retten das Lied, während Bassist Piot Tictacowski an den Noten klebt. Das wirkt nicht flüssig, ist aber alles noch im grünen Bereich. Profis eben. Ungleich schwerer tut sich der Ausnahmekünstler beim Bee Gees-Klassiker „How Deep Is You Love“. Er jongliert zwischen Kopfstimme und sonorem Gesang, scheint sich letztlich aber nicht wohlzufühlen; in den oberen Tonlagen wirkt er überfordert. Man fragt sich: Wo will er denn hin? Was fehlt, ist grundsätzlich das Neue. Ecco DiLorenzo spult das Programm runter, das man von seinen früheren Besuchen kennt. Auf farbenfrohe Kostüme verzichtet er mittlerweile, stattdessen sendet er Botschaften, etwa auf seinem T-Shirt (Black Lives Matter). Ja, und er moderiert nach wie vor auf Englisch, mischt ab und zu was Tiefbairisches drunter.
Alles ein alter Hut, was halb so schlimm ist, denn die Zuhörer lachen, tanzen, haben Spaß und lassen sich zum großen Finale des Konzertes bei „Soultrain BaBaDee“ zum Ausflippen animieren. Angelehnt an die Show aus den 70ern tanzen sie dann, verrenken sich im Takt, arbeiten sich im Gänsemarsch entlang von fiktiven Gleisen durch den Haberkasten bis zur Bühne vor.
Entsetzen
über Rassismus
Zum Schluss wird Ecco DiLorenzo dann noch mal nachdenklich. Mit „What‘s Going On“ verarbeitete Marvin Gaye 1971 sein Entsetzen über den Rassismus, dem sein Bruder Frankie als afroamerikanischer Vietnamveteran ausgesetzt war. Ein Song, der aktueller nicht sein könnte, findet der Entertainer mit Blick auf das Trump‘sche Amerika, in einer Welt, die aktuell aus den Fugen zu geraten scheint. Ecco DiLorenzo hat es geschafft, diese Sorgen für zweieinhalb Stunden auszublenden.