Waldkraiburg – Neugierig war das Publikum im Haus der Kultur, denn das Theatergastspiel Fürth mit Regisseur Thomas Rohmer ist nicht nur gut bekannt bei den Waldkraiburgern: Das Ensemble ist seit einigen Jahren mit dem Stück „Avanti, Avanti“ von Samuel Taylor mit anhaltendem Erfolg auf Tournee, und das verdankt es den großartigen Darstellern rund um TV-Star Stefanie Hertel. Nicht wenigen war auch das Bühnenstück bekannt, das vor 50 Jahren Billy Wilder mit Jack Lemmon verfilmt hatte.
Makabres
Kennenlernen
Und schwungvoll startete die kuriose Story, denn der amerikanische Geschäftsmann Alexander „Sandy“ Clairborn (Stuart Sumner) will mit seiner Frau Diana (Rebecca Müller) in Rom die Leiche des bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Vaters heimholen und lernt dabei die lebenslustige Alison (Stefanie Hertel) kennen, die ihre verstorbene Mutter nach London überführen will. Doch im chaotischen Italien sind die Leichen verschwunden und da auch der vertrottelte Botschaftsmitarbeiter (Alex Milz) keine Lösung findet, muss Sandy länger bleiben.
Dies veranlasst die gelangweilte, keifende Diana abzureisen. Bald stellt sich heraus, dass Sandys Vater zusammen mit seiner heimlichen Geliebten, der Mutter Alisons, starb – das Chaos ist vorprogrammiert!
Der schwule Gigolo Baldo Pantalone (Sascha Hödl) drängt sich als Rom-Kenner und Lebenskünstler auf und macht sich an Sandy Clairborn heran. Der wandelt sich nach der Abreise seiner Frau vom spießigen Amerikaner zum südländischen Bonvivant, lässt sich mit Alison ein, reagiert aber auch auf die Annäherungen Baldos. Der flotte Dreier mit frivolen Flirts wird erst unterbrochen, als Ehefrau Diana nach Rom kommt, um ihren Mann abzuholen. Der kehrt zwar zurück, aber das Trio Sandy, Alison und Baldo schwört sich ewige Liebe: Sie wollen künftig einen Monat im Jahr im gleichen Hotel in Rom verbringen, so, wie es Sandys Vater und Alisons Mutter praktiziert hatten.
Das Stück lebt von nostalgischen Jugendgefühlen mit der Regel, dass keine Regeln gelten, von Gags wie der finsteren Bürokratie, kaputten Radios und Telefonen, vorbeifahrenden Gondeln und Vespas, mangelnden Italienisch-Kenntnissen (heißt Caldo nicht kalt?) und der opulenten Kulisse der mondänen Hotelsuite in Rom.
Filmerinnerungen an „Ein Herz und eine Krone“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“ werden eingebaut, ebenso wie Anklänge an Rudi Carrells Sendung „Herzblatt“: Amerikanische Effizienz trifft auf italienische Lebensart und eher englische Zurückhaltung.
Großes Lob jedoch vor allem für das Agieren der Schauspieler, so Stefanie Hertel, einst siegreich beim Grand Prix der Volksmusik, die Bühnenreife beweist, Stuart Sumner mit seinem Wandel zum Lebemann wie auch seine überspannte Ehefrau Rebecca Müller und schwuchtelig überzeichnet das unermüdliche Bewegungstalent Sascha Hödl, nicht nur Macker, sondern auch Macher.
Inhaltlich passend zu jeder Szene sind die Schlager, die das Publikum in die 1960er-Jahre zurückversetzte, so „Diana“‚ „Zwei kleine Italiener“, „That‘s Amore“. Baldo zu Sandy: „Du bist mein erster Gedanke“, und zu Alison: „Ich weiß, was dir fehlt“; und Alisons „Schuld war nur der Bossa nova“, als sie eine Filmrolle bekommt.
Mitgeklatscht und
mitgesummt
Schon in der Pause hatte man aus den Gesprächen gehört: „Ich habe alle Schlager gekannt, die gesungen wurden, hätte sogar mitsingen können.“ So waren beispielsweise „Marina, Marina“, „Let‘s twist again“ oder „Volare“ zu hören. So war es nicht verwunderlich, dass man schon nach den ersten Melodien mitgeklatscht hatte. Das steigerte sich zum Mitsummen und schließlich sangen einige bei vereinzelten Standing Ovations am Ende der Aufführung auch kräftig mit. „Da war für jeden etwas dabei“, so eine begeisterte Besucherin nach lange anhaltendem Applaus – ein bisschen Musical, viel Parodie, bestens aufgelegte Schauspieler und Sänger – auf alle Fälle entspannende, gute Unterhaltung.