Heimspiel für Michi Altingers Brettl

von Redaktion

Grandioser Comedy-Abend im ausverkauften Haberkasten

Mühldorf – Wenn Michael Altinger mit seinem Brettlboden nach Mühldorf kommt, bleibt kein Platz mehr frei und kein Auge trocken. Für das bayerische Kabarett-Urgestein sind seine Auftritte in Mühldorf fast schon wie ein Heimspiel. So sorgte er auch aktuell wieder gemeinsam mit seinen illustren Gästen für ein echtes Comedy-Erlebnis. Die Tickets zu „Altingers Brettlboden“ im Haberkasten waren restlos ausverkauft. Kein Wunder, denn mit Tobias Mann, Nektarios Vlachopoulos und Karsten Kaie hatte er gleich drei erfolgreiche und beliebte Kabarettisten auf die Bühne geholt. Und auch Gitarrist Andreas „Andy“ Rother durfte dabei nicht fehlen. Der sympathische Musiker verleiht mit seinem Gitarrensound dem Brettlboden die perfekte musikalische Note.

Start mit Cowboy-Hut
und Ledermantel

Sein Programm startete Altinger in hollywoodreifer Manier. Als er im langen Ledermantel und Cowboy-Hut die Bühne betritt, wirkt er, als wäre er gerade einem Western entsprungen. Ohne die Deutschen hätte die Amis nicht einmal eine Hose zum Anziehen. Schließlich ist der Erfinder der Levis Jeans ein Deutscher, meint er. Doch auch die Deutschen bleiben nicht verschont und so werden im Laufe des Abends Politik und Gesellschaft ordentlich auf die Schippe genommen. Doch Michi Altinger geht es nicht nur um die Lacher: „Hass ist keine Meinung. Die Lüge wird immer mehr zur Meinung und die Lüge wird immer hässlicher“, so Altinger. Im Laufe des Abends spricht und singt er über Themen wie Mut und Anstand, Demografie und ärgert sich unter anderem über den wirren Satz „Danke für die Frage“, den die Politiker immer wieder gedankenlos von sich geben.

Michael Altingers erster Gast ist Schauspieler und Comedian Karsten Kaie. Ihn kennt man unter anderem als den deutschen „Caveman“. Aktuell ist Kaie mit seinem Programm „Vergiss es“ auf Tournee und sorgt mit seiner herrlich lustigen Zeitreise für jede Menge Spaß und Unterhaltung. Als 100-Jähriger blickt er im Jahr 2068 zurück auf unsere Zukunft. Dabei beschäftigen ihn auch die KI und ChatGPT, die mehr Fluch als Segen sind.

Seine Zeitreise beginnt im Jahr 2020 mit der Pandemie, als „Ichologen“ und „Wirologen“ über das Leben der anderen bestimmten. Nach der Pandemie folgten die vermeintlich goldenen Zeiten, man konnte wieder Corona „saufen“ und mit allem Geld verdienen. So war Kaies Alter Ego, der 100-Jährige aus der fernen Zukunft, einst beruflich als Buchtitel-Erfinder, Showstar und Late-Night-Lügen-Moderator unterwegs. „Man muss nicht Laktose haben, um intolerant zu sein“, weiß Kaie. Am Ende seiner Show verrät er, was wohl die perfekte Lösung wäre um die Demokratie zu retten: Bildung und Humor. Das Publikum jubelt.

Mit Altinger geht es humorvoll weiter. So macht auch er eine Zeitreise zurück in die 1980er-Jahre zu „Schulterpolster und Achselhaar“, schwelgt in Erinnerungen, als er einst mit Andy eine Band hatte, singt über „Google“ und spricht über den „Wahlfang“ der Politiker.

Als zweiten Gast begrüßt er den Comedian und Kabarettist Nektarios Vlachopoulos. Der Deutschlehrer und Wortakrobat ist ein Meister des Slam-Poetry. In seinem aktuellen Programm „Das Problem sind die Leute“ zeigt er als unbesiegbarer Superheld aber auch seine Schwächen. Nun ist er 38 und steuert auf die 40 zu. Panik macht sich breit. Dazu kommt, dass er gerade frisch von seiner Lebensgefährtin getrennt hat und so sind auch Beziehung, Single-Dasein, sexuelle Abenteuer, Dating und vieles mehr ein Thema bei ihm. „Wir sind so erzogen worden, dass wir immer funktionieren müssen. Man sollte öfters auch mal etwas total Bescheuertes machen“, so sein Rat, um dem grauen Alltag zu entfliehen. Er spricht über seine Erfolgs-Coaching-Seminare, die große Angst dumm zu werden, seine Erfindung eines eigenen Schachspiels und literarische Genres sowie sein Wirken als Sprachwissenschaftler und Buchstabenerfinder. Und so kommt das Publikum in den Genuss seines Vokalgedichtes „Anna, Elke, Iris, Otto und Ulf“. Eine echte Vokaltragödie, bei der das Publikum viel zu lachen hat.

Zwischen
falsch und echt

Den Abschluss bildete der Auftritt des Kabarettisten und Musikers Tobias Mann. Dieser tourt aktuell mit seinem Programm „Real/Fake“ durch Deutschland und kommt am 22. Mai mit seinem Soloprogramm wieder nach Mühldorf in den Haberkasten. Wie schon der Titel seines Programms verrät, dreht sich bei Mann alles um falsch und echt. Als Musiker gehören Lieder zu seiner Show und so setzte er sich ans Klavier und sang über „real und fake“. Auch bei Mann ging es um Politik, sowie um KI, Tech-Milliardäre, Internet, Digitalisierung und vieles mehr. Der Comedian sprüht voller Spaß und Gags und so blieb auch bei ihm kein Auge trocken.

Nach zweieinhalb Stunden erstklassigen Humors und guter Laune neigte sich der Brettlboden leider dem Ende zu. Mit tosendem Beifall und Jubel wurden die Künstler verabschiedet.

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