Mit drei Zithern und Kontragitarre spielte die „Kreschbaam Zithermusi“. Fotos jaensch
Mühldorf – Das alpenländische Singen und Musizieren hat seit Jahrzehnten einen festen Platz im Mühldorfer Kulturprogramm im Monat März. Das sicherlich schon verwöhnte Stammpublikum ist jedes Jahr überrascht, wie es die Veranstalter schaffen, Spitzengruppen aus Ober-, Niederbayern und Österreich zu verpflichten. Mühldorfs große Volksmusikkennerin Uschi Neumüller gewann für den Termin in diesem Jahr zusätzlich noch den bekannten Chor- und Kapellmeister Heine Albrecht aus Siegsdorf als Sprecher hinzu.
Mit einem flotten Marsch begrüßten die vier Damen vom „Serloa Hoiz“ die Gäste und lockten den Frühling. An zwei Klarinetten, einer Steirischen und einem Kontrabass zeigten die Ober- und Niederbayerinnen eine mitreißende Spielfreude während aller sechs „Räder“, die sie nach Ansage musikalisch mitdrehten.
Zwei Neuerungen waren auf der wunderbar frühlingsmäßig geschmückten Bühne zu verzeichnen. Erstmals war keine Blechblasmusik dabei. Dafür waren es diesmal mit der „Kerschbaam Zithermusi“, dem „Serloa Hoiz“ und dem Trio „Schmankerlmusi“ drei Musikgruppen. Mit dem Männerviergesang „Adlgasser Sänger“ und dem Salzburger Terzett „Inhofer Dreigesang“ waren es die gewohnten zwei Gesangsgruppen.
Sie alle spielten und sangen im Laufe des Abends vom beginnenden Frühling, von der Liebe und der Heimat, vom Bauernleben und von der Sehnsucht nach Almauftrieb und sommerlichem Sennerleben.
Während der einzelnen „Räder“, wie Ansager Heine Albrecht die musikalischen Folgen nannte, stellte er Musiker und Sänger vor. In seiner humorvollen Art erzählte er Erlebnisse von und mit Musikern und platzierte so manchen Spaß pointiert in den Saal, den er nach eigenem Bekunden „einfach wunderbar“ fand. Aber Heine Albrecht wusste auch die Bedeutung der Fastenzeit der Religionen im Frühjahr zu würdigen. Ein ganzes „Radl“ lang sprach er zu getragener Musik und Gesang besinnliche Worte über Stille und Einkehr. Auch den Bauernstand würdigte der Sprecher, von deren Arbeit manche Lieder und Musikstücke handelten.
Albrecht war überhaupt vielseitig und locker in seinem Auftreten. Unvermittelt „provozierte“ er Zugaben, wenn alle der Meinung waren, dass ein Musikstück besondere Aufmerksamkeit verdient hatte. Das geschah bei der Klarinettenmusik und beim Posaunensolo der Schmankerlmusi. Und Heine dachte auch ans Wohlbefinden der Gäste. Es gelang ihm, gemeinsam mit den stehenden Gästen ein Lied zu singen.
Zum Schluss jodelten die Gäste und Mitwirkenden fröhlich den „Alpera“. Schwer fiel ihm das nicht, denn die außergewöhnliche Spiel- und Singfreude der fünf Gruppen auf der Bühne hatte das Publikum auch zum Mitmachen verführt. So endete ein langer und wundervoll gelungener Abend. karlheinz jaensch