Stefan Kröll ist schee wuid unterwegs

von Redaktion

Kabarettist präsentiert im Haberkasten sein neues Programm

Mühldorf – Nahezu aus allen Nähten platzte der Haberkasten, als Stefan Kröll mit seinem siebten Programm „Schee wuid“ in der Kreisstadt gastierte. Minimalistisch die Bühne – außer Keyboard, E-Gitarre, Mikrofon und Wasserglas störte nichts, und so legte der Comedian gleich fulminant los, begab sich mit den Gästen auf eine „scheene, wuide Reise.“

Sokrates im
Jogging-Anzug

Die startete in Griechenland. Kröll beschrieb den Philosophen Sokrates: „Der trug nur seine Schlafsachen und irrte ungekämmt in seinen Adiletten und der grauen Jogginghose umher. Er ähnelte einem Klimakleber, damit war er der Trendsetter für die heutige Jugend – die trägt Kommunion- und Firm-Jogginghose. Er besaß auch einen ‚Schepser‘, das versteht ihr in Mühldorf.“ Für die, die es dennoch nicht verstehen: Es handelt sich um ein Schäleisen zum Entrinden von Baumstämmen, Stefan Kröll zufolge ein ideales Werkzeug zum Entfernen von Klimaklebern: „Es geht damit, aber der Klimakleber jammert etwas.“ Auch das bayerische Wort „Minga“ versteht man in Mühldorf. Wenn er in der Landeshauptstadt auftritt, so muss Stefan Kröll „München“ sagen, sonst meinen die Zuschauer, er erzähle etwas über China. Kröll sprang bei seinen Geschichten von Assoziation zu Assoziation. Über die ionischen, korinthischen und dorischen Säulen des alten Griechenlands ging es zum ehemaligen Gesundheitsminister („Die Säulen waren ohne Verzierungen und so schnörkellos wie Karl Lauterbach“) zum Königsplatz in München, auf dem sich ebenfalls dorische Säulen befinden: „Karl Lauterbach in Reinkultur. Ich befürchte, dass sich Markus Söder dort ein gigantisches Denkmal hinstellt – geformt aus fränkischen Bratwürsten, vorher bei Insta gepostet.“

Weiter geht die wilde Reise nach Rom: „Auch dort gibt es schöne Bauwerke, zum Beispiel das Kolosseum. Das ist so alt, da wurde schon die erste Folge von ‚Dahoam is dahoam‘ gedreht. In dieser Serie hatte ich meinen ersten Fernsehauftritt, ich sollte in einer Szene außerhalb des Wirtshauses am Fenster vorbeigehen. Die drinnen haben die Vorhänge zugezogen. Auch als Synchronsprecher habe ich schon gearbeitet, da durfte ich in einer Weltraumserie das Öffnen einer Schiebetür nachahmen.“

Der Künstler tritt auch gelegentlich bei Firmenfeiern auf: „In Ampermoching war das, da spielte die frühere Oktoberfestcombo ‚Rüscherlexpress‘, es gab Schmalzbrote mit Sekt, die obligatorische Fotobox. Nur der Zauberer trat nicht auf, der hatte im letzten Jahr ganze Personen verschwinden lassen. Zumindest die Frau des Chefs verschwand eine Zeitlang mit ihm. Als Kabarettisten waren Wolfgang Krebs und Martina Schwarzmann zu teuer, aber Stefan Kröll ging: Der reist selber an und imitiert normalerweise das Öffnen von Raumschifftüren.“

Der Künstler hat nach eigenem Bekunden auch ein Problem mit der Geduld, er kann nicht warten. Beispiel gefällig? „Ein Mercedesfahrer kauft beim Bäcker endlos ein, draußen läuft der Motor seines SUV. Der Mann wird und wird nicht fertig.“ Stefan Kröll schlagfertig: „Schon erstaunlich, wie lange der Obdachlose an den Mercedes hinbieselt.“ Daraufhin bestellte er schnell zwei Brezen.

Dann präsentiert er ein Gemälde, das ihn fasziniert: „Das ist ein Bildnis des russischen Tänzers Alexej Sacharoff. Das hängt normalerweise im Lenbachhaus. Dort suchen sie ihn noch. Das Gemälde nehme ich zu allen Auftritten mit. Fahre ich los, sitzt er schon im Auto.“

Kein roter
Faden mehr

Mittlerweile ist kein roter Faden mehr zu erkennen, eine lustige Geschichte jagt die andere. Ein Gutschein beim Wellnessurlaub wurde um ein Haar nicht angenommen, obwohl er auf 90 Mark ausgestellt war. Beim Konzert in Ranzing im Lallinger Winkel werfen ihm die weiblichen Gäste weiße Rosen auf die Bühne – mit Vase. So etwas hat man schon irgendwo einmal gehört. Zugaben gibt es selbstverständlich auch, unter anderem mit der E-Gitarre. „Nächste Woche habe ich meine erste Gitarrenstunde, aber ich versuche es schon zu Hause. Der Kommentar der Familie: Midlife-Crisis übt Gitarre.“

Insgesamt liefert Stefan Kröll einen sehr unterhaltsamen Abend ab. Auch wenn nicht jeder Gag sitzt, gefällt das neue, schöne, wilde Programm den Gästen. Auf ein Wiedersehen darf man sich freuen.

Artikel 4 von 6