Töging – In der diesjährigen Kammerkonzertreihe im Töginger Carl-Orff-Saal, war die Besucherzahl auch beim zweiten Mal wieder sehr hoch. „Sogar noch mehr als beim Auftritt des Trios Toninton im Februar.“, meinte Organisatorin Elke Grimm bei der Begrüßung.
Die Besetzung eines Trios mit Violine, Violoncello und Klavier entwickelt sich jedenfalls in Töging zum Besuchermagnet. Und vielleicht überzeugen auch die Auszeichnungen, die diese Musiker in ihren jungen Jahren bereits erreicht haben. „Heute vor elf Tagen gewann das Trio Bernstein beim internationalen Schumann Kammerkonzertpreis der Robert-Schumann-Gesellschaft den Sonderpreis für die ausdrücklichste Interpretation dieses Werkes“, berichtete Grimm.
Der langanhaltende Beifall am Ende dieses Konzerts zeigte, dass die drei Künstler auch Beethovens, Schostakowitschs und Brahms´ Kompositionen ausdrucksreich vortrugen.
Die junge Cellistin Marei Schibilsky erklärte eingangs ein wenig aus der Geschichte des Trios und dessen Namensentstehung „Bernstein“, führte dann in dieses Frühwerk Beethovens ein.
Das „Trio opus eins in Es“ komponierte er mit 23 Jahren in Wien. Und wie die drei dann die vier Sätze des Werkes vortrugen, erklärte dem Publikum den Begriff „ausdrücklichste“ in ihren Schuhmann’schen Preisurkunde. Mit Mimik, Gestik und Körperbewegung unterstrichen sie ihr eindrucksvolles Können und das einheitliche, großartige Musikgefühl. Da war kein Instrument zu laut, es herrschte durchgehend Harmonie. Jedes Soloteil wurde wohlfühlend begleitet. Dieses junge Trio wirkte vollkommen eingespielt.
Das zweite Stück war das Klaviertrio des damals erst 17-jährigen Dmitri Schostakowitsch. Dieser sei damals verliebt gewesen und hätte seine Gefühle musikalisch aufgeschrieben, informierte Violinist Roman Tulchynsky. Der Verliebte habe viel mitgemacht – von „himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt“ offenbarten die drei Künstler alle Schmerzen und Freuden, Ängste und Glück, Frohsinn und Trauer, Hoffnung und Leidenschaft in aller Breite und im stürmischen Wechsel. Mal endete ein Satz abrupt in Drohung, um nach kurzer Pause mit Liebreiz wie Sonnenaufgang neu zu beginnen. Die Gefühle wechselten auch fast unmerklich im Spiel. Die Wechsel waren oft krass, wie es geschieht bei der ersten Liebe. Schon zur Pause erklatschte das Publikum dankbar mehrere „Vorhänge“.
Zum folgenden Teil erklärte Pianistin Julia Stephan vorab die Entstehung von Johannes Brahms Trio Nr. 1 H-Dur. Alle vier Sätze enthalten wunderbare Melodien, die vor allem den Streichern überlassen waren. Ihre Dialoge wurden ebenso melodiös und gefühlsreich vom Flügel aus begleitet und verbunden. Für den langanhaltenden Beifall bedankte sich das stets gut aufgelegte Trio mit einer lustigen, aber irrsinnig schnellen Komposition von Rodion Konstantinowitsch Schtschedrin. Karlheinz Jaensch